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Im Fußball stehen einige Spielerwechsel an. Foto: Pascal Höfig
Symbolfoto Fußball. Foto: Pascal Höfig

Uni-Umfrage zur WM: deutlich gesunkenes Interesse

Während die Weihnachtsmärkte locken und alle Leute bereits voll im Weihnachtstrubel stecken, nimmt die FIFA-Fußball Weltmeisterschaft in Katar für viele fast unbeachtet ihren Lauf. Schlagzeilen über die WM waren zudem jüngst eher politischer statt sportlicher Natur, an Würzburger Stammtischen wurde viel öfter über die „One-Love-Binde“ als über die sensationell starke Abwehr der Marrokaner diskutiert. Die jüngste Umfrage von Professor Harald Lange von der Universität Würzburg in Kooperation mit der FH Dortmund und FanQ spiegelt diesen Eindruck wider. Vor allem unterstreicht sie hierzulande die große Unzufriedenheit vieler Fans mit der FIFA und dem DFB. In Fragen zum Umgang des Sports mit politischen Fragen liegen die Meinungen jedoch weit auseinander.

Jeder Zweite interessiert sich viel weniger für die WM als sonst

Wie wir berichteten, verdeutlichte bereits eine vorherige Umfrage von FanQ das geschwundene Interesse am zweitgrößten Sportereignis der Welt. Bei der jüngsten Umfrage mit über 3500 Befragten – erneut unterstützt von Professor Harald Lange der Julius-Maximilians-Universität Würzburg – gaben fast 56 Prozent an, bisher weniger Spiele als bei vergangenen Weltmeisterschaften geschaut zu haben – 43 Prozent sogar „viel weniger“. Zwei Drittel der Befragten interessieren sich weniger für den Kick in Katar als sonst für eine WM, über der Hälfte sogar „viel weniger“.

Politische Themen im Fußball polarisieren

Die Gründe dafür reichen vom Verhalten der Verbände, FIFA und DFB, über den unbeliebten Zeitpunkt und der schwachen Leistung der deutschen Nationalelf bis hin zu den globalen Themen rund um Menschenrechte und Nachhaltigkeit. Besonders interessant wird es, wenn es um die Positionierung von Verbänden und Spielern politischen Themen geht. Hier waren die jeweiligen Enden der Bewertungsskala von einem bis fünf Sternen die häufigsten Antworten. Es bestehen also Fronten zwischen denen, die Sport und Politik grundsätzlich trennen möchten und denen, die das nicht mehr für möglich halten. Das Lager von denen, die Politik von König Fußball fernhalten möchten, ist jedoch nach wie vor deutlich größer.

Disskussion um ‚One-Love-Binde‘ hatte negativen Einfluss

Fanforscher Lange hierzu: „Das hat Tradition. Deshalb erwarten auch viele Fußballfans zuallererst sportliche und keinerlei politische Akzente von der DFB-Elf. Mit der ‚One-Love-Kapitänsbinde‘ hatte der Verband den Spielern aber genau so eine Botschaft auferlegt.“ Viele Fans hätten deshalb einen konsequenten Protest erwartet, welchen der Verband in der Folge aber nicht durchgezogen hat. Dieses Unverständnis spiegelt sich in den Umfrageergebnissen wider: Fast 70 Prozent der Befragten finden, der DFB hätte in der Diskussion um die „One-Love-Binde“ die Verantwortung auf die Spieler abgewälzt. Fast die Hälfte der Befragten glaubt dabei an einen sehr negativen Einfluss auf die Leistung der deutschen Nationalmannschaft.

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DFB noch schlechter bewertet als FIFA

Einigkeit herrscht weitestgehend bei der Unzufriedenheit über die Fußballverbände. „Die Studie zeigt, dass die Fans die Strukturen des DFB teils noch schlechter bewerten als die der FIFA“, erklärt der Würzburger Sportwissenschaftler. „Wenn sich der DFB dann als moralisch überlegene Instanz darstellt, klingt das für viele unglaubwürdig.“ Konkrete Änderungsvorschläge liegen laut Lange bereits mit der von ihm durchgeführten DFB-Basis-Studie der Uni Würzburg und der Hochschule Ansbach vor.

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