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Ludwig Knoll 1997 bei einem Wein am Stein. Beim ersten Event konnte er seine Urlaubskasse nicht aufbessern. Er investierte sein Erspartes, machte aber trotzdem weiter. Foto: Weingut am Stein Privatarchiv
Ludwig Knoll 1997 bei einem Wein am Stein. Beim ersten Event konnte er seine Urlaubskasse nicht aufbessern. Er investierte sein Erspartes, machte aber trotzdem weiter. Foto: Weingut am Stein Privatarchiv

Wein-Am-Stein-Anfänge: Winzer Ludwig Knoll verlor 1986 sein Erspartes

Wer sich an seinen Schulabschluss erinnert oder gerade in der Phase steckt, der weiß, wie offen und zeitgleich orientierungslos sich das Leben zu dieser Zeit anfühlt. Was mache ich, wo will ich hin? Wird etwas aus mir, bin ich zu Großem berufen? Für Winzer Ludwig Knoll vom Weingut am Stein war klar, dass er erst einmal in den Urlaub möchte. Um seine Urlaubskasse nach dem bestandenen Abitur aufzubessern, organisierten er und seine Frau Sandra Knoll 1986 ein kleines Festival im Weinberg für Freunde und Nachbarn. „Da haben wir mit drei Tagen angefangen und geplant.“ Bands gab es damals noch keine, zum ersten „Hoffest am Stein“ kam ein Alleinunterhalter. Das war damals wohl so üblich auf Weinfesten, sagt Knoll rückblickend. „Wir waren davon aber eigentlich selbst schnell gelangweilt, weil wir da anders drauf waren. Damals hat aber keiner daran gedacht, dass auf einem Weinfest etwas anderes als ein Alleinunterhalter und Blasmusik spielen könnte.“

Hoffest am Stein 1986: „Das meiste haben wir selbst getrunken“

Aus dem Vorhaben einer prallgefüllten Urlaubskasse wurde auch nichts, am Ende investierte Ludwig Knoll all sein Erspartes in das erste Hoffest. Denn es feierte nur ein kleiner Kreis von Leuten, „das meiste haben wir selbst getrunken“. „Aller Anfang ist schwer, es war aber auch nicht wirklich schlimm“, sagt der Würzburger Winzer. Denn auch wenn der erste Vorläufer Wein am Stein ein finanzieller Reinfall war, war der Ehrgeiz der Knolls offenbar geweckt.

Aus dem Knollschen Privatarchiv: Einige Fotos von früheren Wein am Stein-Veranstaltungen aus den 90ern und 2000ern

1987: Unüblicherweise tanzten Leute auf einem Weinfest

Schon ein Jahr später legte Ludwig Knoll, dessen Vater das Weingut am Stein gründete, eine Schippe drauf. „Wir haben es professioneller gemacht. Schon 1987 hat die erste Band gespielt, eine Jazzkapelle. Das war cool, das war der Martin Klingenberg. Es war eine richtig schöne Stimmung, viele Leute haben getanzt und das war unüblich für Weinfeste.“ Zu der Zeit waren Weinfeste Orte, an denen klassisch am Tisch gegessen und getrunken wurde.

Von 1986 existieren keine Fotos mehr. 1997 traten bereits eine Reihe Bands bei Wein am Stein auf. Foto: Weingut am Stein Privatarchiv

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Der Durchschnitt der Besucher damals war sehr jung. Viele Freunde seien weiterhin gekommen, so wollten die Knolls weitermachen. Auch wenn heute eine große Maschinerie hinter dem Erfolgs-Event Wein am Stein steckt, wäre nie das Ziel gewesen „Kommerz zu machen“. Für das Fest war kein kommerzieller Hintergrund gestanden, bis heute soll es einen nicht kommerziellen Charme behalten. „Auch jetzt arbeiten noch die Kinder der Freunde mit, die schon damals geholfen haben. Wir haben da noch nicht viel nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesucht.“ Der Kern vom Festival für Freund:innen, die Bands im Weinberg erleben können, blieb immer bestehen.

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Bis heute werden keine Coverbands gebucht

Deshalb will das Winzerpaar auch bis heute keine Coverbands buchen, immer eigenständige Bands mit eigenen Songs, die mit Wein-am-Stein-Klassikern wie Jamaram, Shantel oder Giant Rooks einen internationalen Ruf genießen.

Und so wie das Wein am Stein älter wird, gibt es auch beim Weingut am Stein einen Generationenwechsel. So wie mittlerweile die Kinder der damaligen Gründer-Freunde helfen, wächst auch Winzertochter Antonia Knoll in die Rolle der Eventorganisatorin. Sie plante das Wein am Stein auch während Corona und schrieb darüber eine Bachelorarbeit. Ganz übergeben werde das Wein-Musikfestival zwar noch nicht, für Ludwig Knoll ist dennoch klar. „Für mich ist das die fünfte Jahreszeit, aber mittlerweile kann ich nicht mehr 14 Tage am Stück bis nachts um vier dabei sein.“ Das übernehmen die Jüngeren, damit Wein am Stein weiterhin ein junges Weinfest bleibt, das ein paar Dinge anders macht, als viele andere große und kleine etablierte Weinevents der Region.

Artikel erschien zuerst auf mainding.de.
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