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Von der einst so glanzvollen Großraumdisko, dem Capitol, ist kaum mehr etwas übrig. Foto: Redaktion
Von der einst so glanzvollen Großraumdisko, dem Capitol, ist kaum mehr etwas übrig. Foto: Redaktion

Capitol in Dettelbach: Der Verfall der einstigen Kult-Diskothek

Lose Kabelstränge, Plastikfolien, Bauschutt, unsortiert herumstehende, schwarze Stühle und neben der einstigen Tanzfläche ein überdimensionaler Plüsch-Teddy: So lässt sich das Capitol, einst ruhmreiche Großraumdiskothek am Rande Würzburgs, heute beschreiben. Dieses „Heute“ ist im März 2022, an Tagen, an denen die Tür zum Capitol sperrangelweit offensteht. Wer ein paar Schritte ins Innere wagt, der sieht eine Szenerie, die an geplünderte Märkte oder umkämpfte Krisengebiete erinnert. Es riecht modrig, Regenwasser tropft ins Gebäude, hinter dem Capitol ist so etwas wie eine illegale Müllkippe entstanden, beschreiben Ortskundige. Bestätigt wird das zusätzlich von einer Reihe Fotos, die die Redaktion zugespielt bekommen hat.

2016 erste Insolvenz, Verhaftung des damaligen Betreibers 2017

Der ehemalige Capitol Music Palace ist verfallen, ein Schatten seiner selbst. Doch dieser Verfall ist keine Überraschung. Er kam mit Ansage. Das hatte sich spätestens nach der ersten Insolvenz des Capitols, kurzzeitig auch unter dem Namen „A 3“ laufend, im Jahr 2016 abgezeichnet. Später kam es zur Verhaftung des früheren Betreibers im Jahr 2017. Der Geschäftsmann hinter dem Club war damals per Haftbefehl gesucht worden. Ermittler vermuteten ihn laut Main-Post-Bericht in Thailand, geschnappt wurde er im von Würzburg einen Katzensprung entfernten Tauberbischofsheim.

Zu diesem Zeitpunkt war die Glanzphase der Großraumdiskothek, die 1999 eröffnet wurde, schon längst vorbei. Auch wenn das „Capi“, wie viele Feiernde den Club noch immer gerne betiteln, unter neuer Führung und neuem Konzept weiter geöffnet blieb. Nur etwa ein Jahr nach der vorübergehenden Verhaftung des ersten Betreibers strauchelte die Diskothek erneut schwerwiegend.

November 2018: Capitol schließt für immer

Im August 2018 meldeten die neuen Eigner, die „M & K Entertainment UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG“, Insolvenz an, nachdem immer weniger Menschen vor den DJ-Pulten des Capis tanzten. Im November 2018 schlossen die Türen dann für immer. Seitdem ist es ruhig im Capitol Music Palace, auch wenn immer wieder Gerüchte die Runde gemacht haben.

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Müll, herumliegende Möbel, besprühte Wände: Das „Capi“ ist verfallen und verwahrlost. Foto: Redaktion

2021: Verkauf des Capitols auf ebay Kleinanzeigen

Das Gelände verfiel zunehmend, das konnten Vorbeifahrende von außen bezeugen. Es mangelte offenbar an frischem Geld. Hinzu kamen gescheiterte Verkaufsversuche der Diskothek, zuletzt im Juni 2021 auf ebay Kleinanzeigen. 2,4 Millionen Euro sollte der Laden kosten. Nach nur wenigen Tagen war die Anzeige offline, auf Anfragen gab es keine Reaktion. Mindestens dubios wirkte allein der Versuch, das Kult-Gelände auf ebay Kleinanzeigen zu verscheppern.

Mittlerweile ist das Gebäude zugänglich, auch wenn das Betreten eines Privatgeländes einer Zustimmung bedarf. Wer sich dennoch einen Eindruck verschaffen möchte, kann das deshalb direkt in dieser Fotoserie tun, die den einst florierenden Club heute als eine Art „Lost Place“ zeigt.

Artikel erschien zuerst auf mainding.de.
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