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Valentin Becker wurde am 20. November 1814 in Würzburg geboren. Fotos: Archiv Willi Dürrnage / Sandro Weiß
Valentin Becker wurde am 20. November 1814 in Würzburg geboren. Fotos: Archiv Willi Dürrnage / Sandro Weiß

Wer war eigentlich Valentin Becker?

Vor über 200 Jahren kam in Würzburg ein gewisser Valentin Eduard Becker auf die Welt. Die Valentin-Becker-Straße sagt fast jedem etwas, an seinem Denkmal im Ringpark ist man vielleicht auch schon vorbeigelaufen – doch wer war der Dirigent, der in Würzburg unvergessen ist?

Sein Leben

Johann Valentin Eduard Becker wurde am 20. November 1814, als erstes von drei Kindern seiner Eltern Michael Eduard Becker und Anna Franziska Becker, geborene Friedrich, in Würzburg geboren. Schon sein Vater, der hauptberuflich Armenpflegschaftssekretär in Würzburg war, liebte die Musik und wurde „Im Namen Seiner Majestät des Königs von Bayern“ am 3. März 1815 die Organisten- und Kirchenmusikstelle der Hauger Stifts- und Pfarrkirche in Würzburg verliehen.

Der junge Valentin besuchte die Volksschule und einige Gymnasialklassen in Würzburg, musste das Studium am Gymnasium leider krankheitsbedingt aufgeben und trat dann 1833 als Kanzleipraktikant in den Dienst der Stadt Würzburg. Durch seinen außergewöhnlichen Fleiß gelangte er in höhere Ämter wie „Sekretär“, „Armenpflegschaftsrath“, Oberaccisor“ und 1864 wurde er schließlich Stadtkämmerer. 1885 trat er in den Ruhestand.

1843 hatte er Margarete Schwarz geheiratet, die ihm zehn Kinder gebar. Fünf seiner Kinder starben schon in jugendlichem Alter. Am 25. Januar 1890 verstarb Valentin Becker in Würzburg.

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Valentin Becker wurde am 20. November 1814 in Würzburg geboren. Archiv: Willi Dürrnagel

Valentin Becker wurde am 20. November 1814 in Würzburg geboren. Archiv: Willi Dürrnagel

Der Weg zur Musik

Schon als junger Mann zeigte Valentin Becker, dem von seinem Vater die Anfänge des Klavierspiels, der Harmonie- und Kompositionslehre beigebracht wurden, eine schwärmerische Neigung für die Bühne. Er widmete sich neben Zeichnen und Malen mit allem Eifer dem Männergesang. Becker trat in den vom Rektor Franz Xaver Eisenhofer gegründeten Singverein ein und gründete mit ihm 1842 die „Liedertafel“. Er stand der Würzburger Liedertafel dann jahrelang als musikalischer Leiter zur Seite und übernahm 1847 die Direktion des „Würzburger Sängervereins“, welche er fast drei Jahrzehnte beibehielt; 1878 wurde er zum Ehrenchormeister dieses Vereins ernannt.

Becker übernahm ab 1877 auch die erste Chormeisterstelle im „Akademischen Gesangsverein Würzburg“, die er bis zu seinem Tode innehatte. 1863 wurde er als Fachmann in den Ausschuss des „Fränkischen Sängerbundes gewählt.

Mit 23 die erste Oper

Valentin Becker begann schon früh zu komponieren. 1834 kam das erste seiner zahlreichen Werke, eine Messe, zur Aufführung, der noch mehrere andere Messen und ein Requiem folgten; hiervon wurde vor allem die „Deutsche Messe“ bekannt, die 1856 in Bad Kissingen im Beisein König Maximilians II. von Bayern uraufgeführt wurde.

Als 23-Jähriger vollendete Becker seine erste Oper „Die Bergknappen“, der Text war von Theodor Körner, die im Würzburger Stadttheater 1837 uraufgeführt wurde. Darauf folgten die Opern „Das Kind der Garde“, „Der Deserteur“ und viel später die komische Oper „Die Königin von Leon“, deren Uraufführung 1885 wieder in Würzburg stattfand. Auch im Meininger Hoftheater kamen seine Opernwerke zur Aufführung, wobei Becker selbst am Dirigentenpult stand. Aus Beckers Feder stammen auch zahlreiche humoristische Opern, darunter eine gelungene Parodie auf Richard Wagners „Lohengrin“.

Die Valentin-Becker-Straße in Würzburg. Fotos: Sandro Weiß

Die Valentin-Becker-Straße in Würzburg. Fotos: Sandro Weiß

Weltruhm für den Würzburger

Becker hat auch Symphonien, Ouvertüren, Kantaten, Chöre und Märsche komponiert. Seinen Weltruhm hat sich Becker aber durch seine Lieder erlangt z.B. durch Kunstlieder in ein- und mehrstimmiger Form, Chorlieder, Studentenlieder und natürlich volkstümliche und gern gesungene Lieder wie z.B. „Kirchlein“ und besonders durch „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein“, das als Studentenmarsch gedacht war, mit dem Text von Victor von Scheffel, das als Frankenlied bekannt wurde.

Besonderen Anklang fand auch seine „Kilianslegende“ zum 1200-jährigen Jubiläum des Todes des Frankenapostels Kilian (1889).

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Hl. Kilian. Foto: Katharina Kraus

Hl. Kilian. Foto: Katharina Kraus

Seine etwa 400 Männerchorwerke und 100 für gemischte Chöre, zum Teil auch mit Orchesterbegleitung, wurden auch in Frankreich, England und Amerika aufgeführt.

Als er mit dem Ordnen und Sichten seiner Werke beschäftigt war, riss ihn ein Schlaganfall aus dieser Arbeit heraus. Am 25. Januar 1890 ist Valentin Becker verstorben und wurde in der fünften Abteilung des Würzburger Hauptfriedhofes beigesetzt. Sein Freund Simon Breu schrieb zum Tod Beckers: „Ganz Würzburg trauert an der Bahre seines berühmten Bürgers, ein großer Freundeskreis um den treuen Freund, die deutsche Sängerwelt über den Verlust des liederreichsten Sängers“.

Andenken und Erinnerung

Am 29. September 1895 wurde in den Anlagen vor dem Rennwegertor ein von den deutschen Sängern errichtetes Denkmal mit der in Erz gegossenen Büste enthüllt. Auf dem Sockel befindet sich die Inschrift: „V.E. Becker – gewidmet von den deutschen Sängern 1894“. Geschaffen hat das Denkmal der Würzburger Bildhauer Peter Loster, der von 1858 bis 1914 lebte.

Das Valentin Becker-Denkmal im Ringpark. Foto: Sandro Weiß

Das Valentin Becker-Denkmal im Ringpark. Foto: Sandro Weiß

An Beckers Geburts- und Sterbehaus, Textorstraße Nr. 13, wurde vom Sängerverein am 29. Juni 1895 eine Gedenktafel angebracht und zu seinen Ehren wurde der Grasweg, in welchem sich das Heim des Akademischen Gesangvereins befand, in Valentin-Becker-Straße umgetauft. Die Tafel fiel den Nachkriegsaufbaujahren zum Opfer, sie wurde leider von der ausgebrannten Ruine nicht gerettet.

In Bad Brückenau wird alle zwei Jahre der „Valentin-Becker-Kompositionspreis“ für Chöre vergeben, dessen Stiftung noch zu seinen Lebzeiten, auf das Jahr 1885, zurückgeht.

Rubrik „Wer war/ist eigentlich …?“

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