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Würzburg zeigt Schleife am Welt-Aids-Tag. Foto: Dominik Ziegler
Würzburg zeigt Schleife am Welt-Aids-Tag. Foto: Dominik Ziegler

#WürzburgzeigtSchleife: Welt-Aids-Tag 2021

Bereits zum 13. Mal wurde vom Aktionsbündnis „Würzburg zeigt Schleife“ eine übergroße Aidsschleife aus einer 100 Meter langen Stoffbahn auf dem Schlossberg unterhalb der Festung Marienberg installiert. Am Abend des 1. Dezember, am Welt-Aids-Tag, wird die rote Schleife wieder beleuchtet und setzt ein weithin sichtbares Zeichen für einen akzeptierenden und vorurteilsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen in unserer Stadt.

Aktion „Solidarität ist…“

Das Würzburger Aktionsbündnis hat sich für den Welt-Aids-Tag 2021 zudem eine weitere besondere Aktion überlegt. Die Aktion nennt sich „Solidarität ist…“.

„Wir haben die Bevölkerung aller Altersgruppen dazu eingeladen, sich zu fragen, was Solidarität mit HIV-infizierten Menschen für sie heißt, wie sich Solidarität zeigen kann und wie sich Solidarität anfühlt“, so das Aktionsbündnis. Die Umfrage wurde am 26.10. gestartet und lief bis zum 24.11. In Behörden, Betrieben, Geschäften und Schulen hingen Plakate mit dem QR-Code aus, an einigen Orten standen auch Zettelboxen, um „analog“ teilnehmen zu können.

Ziel war es, Solidarität erfahrbar zu machen, ein Bewusstsein für ein solidarisches Miteinander in der Gesellschaft zu fördern und zum Thema Solidarität ins Gespräch zu kommen.

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Antworten, die eingegangen sind, sind zum Beispiel folgende:

  • „Solidarität bedeutet für mich, für andere einzustehen und ihnen beizustehen, auch wenn es für mich einmal unangenehm sein kann.“
  • „Solidarität heißt, Menschen das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen zu geben, damit sie selbst stark werden können.“
  • „Solidarität ist zu wissen, dass die anderen auf das Wesentliche bei mir schauen.“

Weitere Antworten werden am 1. Dezember auf der Homepage präsentiert.

Würzburg zeigt Schleife am Welt-AIDS-Tag. Foto: Pascal Höfig

Würzburg zeigt Schleife am Welt-AIDS-Tag. Foto: Pascal Höfig

Ca. 1.000 HIV-Infizierte in Unterfranken

In Deutschland leben ca. 90.700 Menschen mit HIV, 96 % der Menschen mit einer HIV-Diagnose lassen sich ärztlich behandeln  und nehmen HIV-Medikamente. Es erkranken immer noch rund 1.000 Menschen im Jahr an Aids oder einem schweren Immundefekt, weil sie von ihrer HIV-Infektion nichts wissen. Im Jahr 2020 wurden ca. 2.450 Menschen neu mit HIV diagnostiziert.

Im Regierungsbezirk Unterfranken leben zum aktuellen Zeitpunkt geschätzt 1.000 Personen mit einer HIV-Infektion. Davon wissen etwa 120 Menschen zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts von ihrer Infektion. Jährlich infizieren sich hier ca. 25 bis 30 Personen neu mit dem HI-Virus. Die Neudiagnosen lagen für Unterfranken in den vergangenen Jahren im Durchschnitt bei 30.

Einfluss der Corona-Pandemie

Die HIV-Neudiagnosen gingen in Deutschland 2020 deutlich (21 % von 2019 zu 2020) zurück. Dieser Rückgang könnte auf die COVID-19-Pandemie zurückzuführen sein. Als Gründe werden von den offiziellen Stellen genannt:

  • Verringerung der Sexualpartner und -partnerinnen, besonders während des ersten Lockdowns
  • Rückgang der Mobilität, im In- und Ausland; somit weniger Infektionen durch Tourismus und Migration
  • Weniger Testangebote und geringere Nachfrage für Testungen

Es ist zu erwarten, dass der Rückgang bei den HIV-Testungen im Jahr 2020 zu einer steigenden Zahl noch nicht diagnostizierter HIV-Infektionen geführt haben könnte. Nach Abflauen der COVID-19-Pandemie könnte es zu einem Wiederanstieg der HIV Neuinfektionen kommen.

Die Arbeit der HIV-/Aids-Beratung Unterfranken

Prävention/Information

Die HIV-/Aids-Beratungsstelle veranstaltet Präventions- und Informationsveranstaltungen in allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, für Berufsgruppen (z.B. aus dem med. Bereich), für soziale Einrichtungen, für Arbeitgeber und für Risikogruppen etc. an. Aufgrund der Einschränkungen durch Corona konnten in diesem Jahr deutlich weniger Veranstaltungen stattfinden. Allerdings kamen Online-Präventionsveranstaltungen als neues Angebot hinzu. Seit September können wieder vermehrt Informationsveranstaltungen an Schulen in Präsenz durchgeführt werden.

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HIV-Test

In der Beratungsstelle werden Kombinations-Tests für HIV und Syphilis angeboten, dieser kann innerhalb weniger Minuten
durchgeführt werden. Mit Termin in Würzburg oder spontan bei einem der Schnelltestabende in Würzburg, Schweinfurt oder Aschaffenburg kann sich jede und jeder anonym beraten und testen lassen.

Beratung und Begleitung

Das Beratungsangebot ist auf Wunsch anonym und kann persönlich, telefonisch oder online stattfinden. Es werden Fragen zu HIV beantwortet und über Übertragungswege, Tests, PreP &PEP und andere sexuell übertragbare Infektionen informiert. Für HIV-infizierte Menschen und ihr persönliches Umfeld wird professionelle Beratung, Begleitung und ambulant begleitetes Wohnen angeboten.

2021 wandten sich 18 Personen (Stand: 11/2021) mit einer HIV-Diagnose erstmals an die HIV-/Aids-Beratungsstelle Unterfranken. Einige der neuen Klienten und Klientinnen lebten schon viele Jahre mit dem Virus, haben aber erst in diesem Jahr ihre Diagnose erhalten.

Weltweite Situation von HIV/AIDS

Das Motto von UNAIDS, dem AIDS-Programm der Vereinten Nationen, zum Welt-AIDS-Tag 2021 lautet “End inequalities. End AIDS. End pandemics.” („Ungleichheiten beenden. AIDS beenden. Pandemien beenden.“). Laut UNAIDS ist die Staatengemeinschaft vom Erreichen der gemeinsamen Verpflichtung, AIDS bis 2030 zu beenden, weit entfernt, und zwar nicht, weil es an Wissen oder Instrumenten zur Bekämpfung von AIDS fehlt, sondern wegen struktureller Ungleichheiten, die die
HIV-Prävention und -Behandlung behindern. Für den Erfolg der Eindämmung von HIV ist mitentscheidend, ob die Regierungen integratives soziales und wirtschaftliches Wachstum fördern und diskriminierende Gesetze und Praktiken abschaffen, um Chancengleichheit auch für vulnerable Gruppen zu gewährleisten.

Insgesamt bleibt die Zahl der weltweit mit HIV infizierten Menschen auf einem hohen Niveau, trotz einiger positiver Trends: Ende 2020 lebten weltweit 37,7 Millionen Menschen mit HIV (2019: 38 Mio). Darunter sind 1,7 Millionen Kinder unter 15 Jahren (2019: 1,8 Millionen).

Höheres Risiko für Corona-Infektion

UNAIDS berichtet, dass Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der Corona-Pandemie die Durchführung von HIV-Tests in vielen Ländern stark beeinträchtigt haben. Dies führte zu einem erheblichen Rückgang der HIV-Diagnosen, der Überweisungen von Menschen mit HIV an Gesundheitseinrichtungen und der HIV-Behandlungen. Studien aus England und Südafrika zeigen, dass Menschen mit HIV ein doppelt so hohes Risiko wie die Allgemeinbevölkerung haben, an COVID-19 zu sterben. In Afrika südlich der Sahara, wo etwa zwei Drittel aller Menschen mit HIV leben, hatten im Juli 2021 weniger als 3 % der Menschen mindestens eine Dosis eines COVID-19-Impfstoffs erhalten.

Die Gemeinschaft Sant’Egidio hat im DREAM Programm in 10 afrikanischen Ländern 50 HIV-Behandlungszentren
in enger Zusammenarbeit mit staatlichen und kirchlichen Partnern aufgebaut. Die 50 HIV-Zentren behandeln derzeit knapp 100.000 Menschen mit HIV.

Artikel enthält Informationen der HIV-/Ads-Beratung Unterfranken.

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