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Künftiges Leben in der vertical village NERI. Grafik: Vanessa Zurek und Johannes Kube
Künftiges Leben in der vertical village NERI. Grafik: Vanessa Zurek und Johannes Kube

Studierende zeigen mit „Futurepolis“ ein neues Stadtleben der Zukunft auf

„Futurepolis“, die Stadt der Zukunft, klingt ein wenig wie aus Jules Vernes Schriften. Vanessa Zurek und Johannes Kube studieren Kommunikationsdesign an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und haben sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeiten wissenschaftlich mit ihrer Zukunft beschäftigt. Bis 2050 werden vermutlich 9,2 Milliarden Menschen in Städten leben – das entspricht einer Verdopplung der heutigen städtischen Umgebung. Wie man künftig wohnen, fahren, leben, arbeiten kann in nachhaltigen, lebenswerten Städten, zeigen sie in ihrem 236 Seiten umfassenden Buch „Futurepolis. Optionen und Alternativen für eine Stadt in der Zukunft“.

Neue Konzepte rund um das Stadtleben

Die beiden Absolvierenden haben radikal umgedacht und orientierten sich an neuen Konzepten und Start-Up-Ideen des Wohnens und Lebens, der Stadtarchitektur, Technologien und Infrastruktur. Das Buch ist aufgebaut wie ein Miroboard mit nachvollziehbaren Schritten in Post-it-Optik. Betreut wurde die Bachelorthesis von Prof. Claudia Frey und Prof. Carl Frech: „Die Arbeit FUTUREPOLIS besticht mit einer äußerst fundierten Grundlagenrecherche, vor allem aber durch den Mut, einen weiten Blick in die Zukunft zu wagen und damit das Bild einer Realität zu zeichnen, wie es werden könnte.“

„better safe than sorry“

Vanessa Zurek und Johannes Kube recherchierten und führten Interviews zu den Aspekten Stadtentwicklung, Klimawandel, Digitalisierung, Mobilität, Bionik (dem Übertragen von Phänomenen der Natur auf die Technik). Sie stellten fest, dass häufig Entscheidungen getroffen wurden, die den Status Quo in Städten festigen. Bedingt durch die Massenproduktion von Bauteilen und einer Fülle von Bauvorschriften komme ein „better safe than sorry“ zum Zuge – lieber auf Altbewährtes zu setzen statt Neues zu wagen.

Ihr Credo dagegen:

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  1. Alternativen eine Chance geben
  2. neue Technologien als Teil der Lösung nutzen
  3. Städte den Menschen, nicht den Autos anpassen.
  4. Effiziente Stadtplanung statt „urban sprawl“

Weitere drei Milliarden Menschen bis 2050

Das Veto der FHWS-Absolvierenden: Statt der bisherigen Zersiedlung der Städte, den „urban sprawl“ genannt, sollte das künftige Leben und Arbeiten in den Cities effizient geplant und sinnvoll genutzt werden. Im Rahmen des bisher ungegliederten Flächenwachstums der Großstädte in Form reiner Wohnsiedlungen (low-income, high-density oder high-income sprawl) müssten diese bis 2050 weiteren drei Milliarden Menschen Raum geben. Hier käme es zu zahlreichen Herausforderungen. Neben der Flächenversiegelung wird z.B. der immer knapper werdende Rohstoff Sand benötigt, der bereits teilweise illegal abgebaut werde. Die jährlich benötigten fünfzig Milliarden Tonnen Sand, gebunden in Beton, seien zudem nur schwer recyclebar.

Einige ihrer Lösungsansätze:

  • Die Stadt selbst könne als Rohstofflager verwendet werden. Nicht mehr benötigte Stoffe aus Abbruchgebäuden oder nicht mehr genutzten Häusern könnten wiederverwendet werden. Als Prototypen könne man beispielsweise die Konzepte der Experimentaleinheit von „UMAR“ (urban mining and recycling) heranziehen.
  • Aus dem Bereich der Bionik nehmen sie sich die Architektin, Designerin und Erfinderin Neri Oxman (https://neri.media.mit.edu/) zum Vorbild. Aus abbaubaren biologischen Materialien wie z.B. Pilzen lassen sich im 3D- Druckverfahren ganze Gebäude herstellen in Leichtbauweise. Professor Dirk E. Hebel u.a. experimentieren mit Pilzmycel und Bakterien, um alternative Baustoffe zu produzieren. Neri Oxman erstellte 3D-druckbare Bauteile aus Chitin, einem auf der Erde am zweithäufigsten vorkommenden Biopolymer.
  • „AuREUS“ (AuREUS-System; Strom aus Müll) nutzt Biomüll und setzt diesen ein als Solartechnik der Zukunft.
Die Architektin, Designerin und Erfinderin Neri Oxman nutzt verschiedene Gittertechniken, recyclebare Materialien und den 3D-Druck, um daraus Bauteile sowie Baukörper herzustellen. Screenshot https://bergwerk.fhws.de/jetzt-live/

Die Architektin, Designerin und Erfinderin Neri Oxman nutzt verschiedene Gittertechniken, recyclebare Materialien und den 3D-Druck, um daraus Bauteile sowie Baukörper herzustellen. Screenshot https://bergwerk.fhws.de/jetzt-live/

Symbiose mit der Natur

Im Anschluss an ihre Recherchen schritten die Studierenden ins Prototyping, einer Methode des Design Thinking, die zügig zu ersten Resultaten führt. Herausgekommen ist „NERI“, ein „vertical village, das von Korallen inspiriert wurde. Korallen benötigen zum Überleben Algen und gehen mit ihnen eine Symbiose ein. Genauso gehen auch die Bewohnerinnen und Bewohner in „NERI“ eine Symbiose mit der Natur ein. Anstelle die Natur auszubeuten, nutzen sie die Fähigkeiten kleiner Lebewesen wie bspw. Bakterien, indem sie ihnen perfekte Lebensbedingungen schaffen.

Im Gegenzug erhält die Bevölkerung lebenserhaltende Elemente, wie z.B. Biomasse, Licht, Energie oder Kalk, die wiederum als Baustoffe für neue Villages genutzt werden kann. Die Formen und Baukörper könnten mit 3D-Druckern in Leichtbauweise mit ökologischer Bausubstanz gedruckt werden. Nicht nur Häuser, auch die Infrastruktur nehme in der neuen Stadt andere Formen an: So werde der Verkehr aus der Stadt in den Untergrund verlegt mit Rad- und Fußgängerwegen, einem autonomen Car-Sharing-System für kurze Strecken und Hochgeschwindigkeits-Verkehrssystemen für Langstrecken. Zur Nahrungsgewinnung tragen neben Indoor- und Outdoor- Farming auch Algen und Bakterien bei.

Ein Einblick in ein Zimmer des vertical villages NERI. Grafik: Vanessa Zurek und Johannes Kube

Ein Einblick in ein Zimmer des vertical villages NERI. Grafik: Vanessa Zurek und Johannes Kube

Anfallende Nebenprodukte dienen als Nährboden für Pflanzen und Tiere oder können zur Produktion von AuREUS verwendet werden. Die Botschaft: In „NERI“ wird möglichst ausschließlich mit biologischen und natürlichen Materialien gearbeitet. Diese werden integriert in einen nachhaltigen Kreislauf.

Ausstellung und Vorträge

Prof. Claudia Frey und Prof. Carl Frech: „Vanessa Zurek und Johannes Kube haben mit ihrer Arbeit FUTUREPOLIS die Grenzen dessen, was Design und Kommunikation als Reflexion gesellschaftlicher Entwicklungen zu leisten vermag, in herausragender Weise entwickelt und in einem visionären Konzept vorgelegt. Die Arbeit beschäftigt sich mit den komplexen Herausforderungen, die zum einen mit dem Bevölkerungswachstum, zum anderen mit einer zunehmend lebensnotwendigen Sensibilität im Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen verbunden sind. Der methodische und systemische Ansatz in der Exploration zu dem finalen Ergebnis ist dabei mindestens ebenso bedeutend wie die exzellente Ausarbeitung der prototypischen Idee zu einer fiktiven Stadt mit dem Namen ‚Neri‘.“

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Vanessa Zurek und Johannes Kube stellten ihr Projekt auch in Vorträgen zum Thema Wohnen in der Zukunft sowie als Ausstellung vor, u.a. im Verschwörhaus / Jugend Lab in Ulm sowie als Ausstellung am Donnerstag, 28. Oktober, im „Degginger“ in Regensburg zu sehen. Dort findet die Ausstellung „Die Stadt im Wandel“ statt, die voraussichtlich bis Weihnachten zu sehen sein wird.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der FHWS Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt.
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