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Viel Platz für ein zukunftsträchtiges Forschungsgebiet: der Neubau des „Center of Polymers for Life“. Abbildung: HDR Germany, München
Viel Platz für ein zukunftsträchtiges Forschungsgebiet: der Neubau des „Center of Polymers for Life“. Abbildung: HDR Germany, München

Spatenstich für zwei Neubauten der Uni am Hubland

Auf dem Campus Hubland Süd der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) geht die Erneuerung weiter. Nachdem dort zuletzt Physiker den Neubau des Instituts für Topologische Isolatoren (ITI) und Chemiker ihr neues Institut für Anorganische Chemie bezogen haben, ist jetzt der Startschuss für zwei weitere Bauvorhaben erfolgt: das „Center of Polymers for Life“ (CPL) sowie ein neues Praktikumsgebäude der Chemie.

Forschung auf allerhöchsten Niveau

Eigens für den doppelten Spatenstich angereist war Judith Gerlach, bayerische Staatsministerin für Digitales, in Vertretung von Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler. Unterstützt wurde sie von Vertretern der Universität, der Stadt und des Staatlichen Bauamts Würzburg.

„Die Forschung an der Universität Würzburg ist auf allerhöchstem Niveau. Dafür braucht es exzellente Köpfe, aber auch exzellente Forschungsgebäude“, so die Ministerin in ihrer Ansprache. Es spreche für sich, dass mit dem CPL an der JMU nun schon der vierte Forschungsneubau in nur fünf Jahren entstehe.

Übersicht über die Gebäude der Fakultät für Chemie und Pharmazie am Hubland. In der Mitte ist der Zentralbau zu sehen, der noch saniert werden muss. In dem Bereich zwischen den beiden Baukränen findet das neue Praktikumsgebäude Platz; auf der Wiese mit dem Erdhaufen am linken unteren Bildrand entsteht das Center of Polyerms for Life. Foto: Staatliches Bauamt Würzburg

Übersicht über die Gebäude: In dem Bereich zwischen den beiden Baukränen findet das neue Praktikumsgebäude Platz; auf der Wiese mit dem Erdhaufen am linken unteren Bildrand entsteht das Center of Polyerms for Life. Foto: Staatliches Bauamt Würzburg

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Das Center of Polymers for Life

Die angewandte Polymerforschung enger mit dem noch jungen und äußerst zukunftsträchtigen Feld der Biofabrikation verknüpfen und so der modernen Biomaterialforschung neue Impulse geben: Dafür werden in Zukunft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachdisziplinen wie etwa Chemie, Medizin, Materialwissenschaft, Biologie, Informatik und Ingenieurswesen im Neubau des „Centers of Polymers for Life“ (CPL) zusammenarbeiten.

Eines ihrer Ziele ist die automatisierte und standardisierte Herstellung funktionaler Gewebemodelle mittels additiver Fertigungsverfahren, dem 3D-Druck von Polymerschmelzen oder vernetzbaren Polymerlösungen. Solche im Labor gereiften Gewebemodelle können beispielsweise als Alternativen für Tierversuche in der Pharma- und Krebsforschung zum Einsatz kommen. Darüber hinaus können sie bei regenerativen Therapien, etwa als für den jeweiligen Patienten maßgeschneiderte Implantate für den Wiederaufbau von zerstörtem Gewebe wie Knorpel oder Knochen, eingesetzt werden.

Grundlage für die Herstellung solcher Gewebemodelle sind neben der Synthese und Charakterisierung der Polymere auch deren Verarbeitung zu Zellträgern und die Herstellung von Arzneistoff-Freigabesystemen, die das Wachstum der neu entstehenden Gewebe beeinflussen.

25,5 Millionen Euro Baukosten

Den nötigen Platz finden die Forscherinnen und Forscher in einem viergeschossigen rechteckigen Baukörper mit einer Nutzfläche von 1.561 Quadratmetern für Labore, Büros, Aufenthaltsräume und Lagerflächen. Knapp 25,5 Millionen Euro sind für die Baukosten veranschlagt, dazu kommen weitere 3,9 Millionen Euro für die Ersteinrichtung und diverse Großgeräte. Der Bund übernimmt davon 11,4 Millionen Euro, den Rest trägt der Freistaat Bayern. Die Fertigstellung ist für Ende 2024 angesetzt.

Der Neubau entsteht auf dem freien Baufeld südlich der Nanosystemchemie (CNC) und ist über einen unterirdischen Verbindungsgang an das CNC angebunden. Damit kann er auf separaten Verkehrswegen wetterunabhängig mit Chemikalien versorgt werden. Die Versiegelung von Freiflächen wurde weitestgehend auf ein technisches und nutzungsbedingtes Minimum begrenzt. Freie Flächen werden ökologisch bepflanzt und begrünt.

Neues Praktikumsgebäude für die Chemie

Eine Hauptnutzfläche von gut 2.840 Quadratmetern, geplante Baukosten von knapp 43,8 Millionen Euro und die Fertigstellung im Herbst 2024: Das sind die Rahmendaten für ein neues Praktikumsgebäude der Fakultät für Chemie und Pharmazie der JMU. Der Neubau bildet den ersten Bauabschnitt der Sanierung des Zentralbaus Chemie.

Bis vor wenigen Jahren war die Fakultät für Chemie und Pharmazie der JMU auf dem Hubland- Campus in Gebäuden untergebracht, die zum Großteil in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden sind. So gut wie alle von ihnen wurden mittlerweile von Grund auf saniert oder durch Neubauten ersetzt – einzig der die Institute verbindende Zentralbau in der Mitte des Chemiezentrums blieb davon ausgenommen. Er beheimatet Hörsäle, Praktikumsflächen und zentrale Einrichtungen.

So wird das neue Praktikumsgebäude der Fakultät für Chemie und Pharmazie nach seiner Fertigstellung aussehen. Abbildung: Schuster Pechtold Schmidt Architekten

So wird das neue Praktikumsgebäude der Fakultät für Chemie und Pharmazie nach seiner Fertigstellung aussehen. Abbildung: Schuster Pechtold Schmidt Architekten

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Damit auch dieser in absehbarer Zeit saniert werden kann, muss zuvor die notwendige Ausweichfläche geschaffen werden. Der jetzt begonnene Neubau wird dafür einen Teil zur Verfügung stellen, den Rest liefert ein weiteres Gebäude, für das als nächstes ein Projektantrag eingereicht werden wird. Erst wenn diese beiden Neubauten bezugsfertig sind, soll mit der Sanierung des alten Zentralgebäudes, dem „Herz der Fakultät“, begonnen werden.

Reines Praktikumsgebäude für Studenten

Der Neubau wird auf dem Campus Hubland Süd, östlich des bestehenden Zentralbaus, errichtet. Er ist als dreigeschossiger, rechteckiger Baukörper mit zurückversetzter Dachzentrale sowie einem Untergeschoss geplant. Über einen Verbindungsgang mit gut zwölf Metern Länge wird er an die Nanosystemchemie angebunden. Darüber hinaus ist mit Realisierung der nächsten Bauabschnitte eine Anbindung an den Zentralbau vorgesehen, über den später auch die Haupterschließung erfolgen wird.

Es handelt sich um ein reines Praktikumsgebäude für die studentische Ausbildung. Neben vier Büros und zwei Seminar- bzw. Besprechungsräume befinden sich mehr als 2800 Quadratmetern moderne Laborflächen im Gebäude und bieten hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten für bis zu 500 Studierende nahezu aller naturwissenschaftlicher Fächer, die dort Praktika in den Fächern Anorganische-, Physikalische-, Medizinische-, Bio- und Lebensmittel-Chemie absolvieren werden.

Stimmen zum Festakt

„Exzellente Forschung und Lehre brauchen exzellente Rahmenbedingungen. Dass wir heute den Spatenstich für gleich zwei Großprojekte durchführen, zeigt, wie kraftvoll wir in diese exzellenten Rahmenbedingungen hier in Würzburg investieren. Am Forschungsneubau des Center of Polymers for Life entstehen durch eine innovative Planung einzigartige Arbeitsbedingungen – eine echte ,Makerspace‘-Atmosphäre. Der Neubau des Zentralbaus Chemie ist zudem der Höhepunkt einer großangelegten Ringsanierung des gesamten Würzburger Chemiezentrums. Mit dem Innovationsturbo der Hightech Agenda Bayern können wir diesen Neubau beschleunigt realisieren und ideale Rahmenbedingungen für die chemische und materialwissenschaftliche Forschung der Zukunft in Würzburg schaffen.“, so Bernd Sibler, bayerischer Wissenschaftsminister.

Setzten den symbolischen Spatenstich (von links): Christian Schuchardt, Jan Knippel, Jürgen Groll, Judith Gerlach, Maik Finze, Paul Pauli. Foto: Robert Emmerich / Universität Würzburg

Setzten den symbolischen Spatenstich (von links): Christian Schuchardt, Jan Knippel, Jürgen Groll, Judith Gerlach, Maik Finze, Paul Pauli. Foto: Robert Emmerich / Universität Würzburg

„Mit den heutigen Spatenstichen werden einerseits perspektivisch die Voraussetzungen für eine auch zukünftig breite, hochqualitative chemische Grundausbildung in Würzburg geschaffen, die nicht zuletzt auch materialwissenschaftliche Fragestellungen umfasst. Gleichzeitig wird mit dem entstehenden Center of Polymers for Life das Tor aufgestoßen für eines der faszinierendsten und für viele zukünftige Patientinnen und Patienten sicher segensreichen medizintechnologischen Forschungs- und Entwicklungsfelder. Beide Perspektiven sind für den Bildungs-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Würzburg von größter Bedeutung – und damit natürlich für unser gesamtes Gemeinwesen höchst erfreulich. Das Sanierungsprojekt des Zentralbaus des Chemiezentrums wird das Studium der Chemie und weiterer Fächer in Würzburg in Zukunft noch attraktiver machen, was unsere Position in der deutschen Universitätslandschaft erhalten und weiter stärken wird. Dadurch wird der akademische Nachwuchs in den entsprechenden, vielfach auch wirtschaftlich interessanten Bereichen gesichert. Ein Pool, aus dem auch die Unternehmen unserer Region schöpfen können.“, so Christian Schuchardt, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Julius-Maximilian-Universität Würzburg.
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