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Currywurst mit Pommes. Symbolfoto: Barbara Duna
Currywurst mit Pommes. Symbolfoto: Barbara Duna

VW verbannt Currywurst: Wie sieht’s in den Würzburger Kantinen aus?

„Currywurst mit Pommes ist der Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion“ – dieser Meinung ist zumindest Alt-Kanzler Gerhard Schröder, der früher im VW-Vorstand saß. Und genau um diesen größten deutschen Autobauer geht es gerade. Denn VW hat in einer seiner Kantinen die fleischfreie Zeit eingeläutet und damit auch das Aus des beliebtesten Kantinengerichts der Deutschen, der Currywurst, bekannt gegeben. Seitdem polarisiert die Frage, ob die Currywurst nicht gar überlebenswichtig ist.

Wie sieht es in und um Würzburg aus?

Wenn sich schon ein Alt-Kanzler für die Wurst starkmacht, scheint das Gericht zumindest unter Bestandschutz zu stehen. Obwohl: Der Aufschrei ist schon recht groß in einer Bevölkerung, in der es laut Umfragen zunehmend mehr Vegetarier:innen und Veganer:innen gibt. Es ist ja nicht so, dass VW keine Currywurst mehr serviert. VW hat alleine an seinem Hauptsitz in Wolfsburg 30 Betriebskantinen. So wirklich vegetarisch muss also keiner der Mitarbeiter:innen dort leben. Denn schon gegenüber der fleischfreien Kantine gibt es weiterhin Currywurst.

Und dennoch: Die Entscheidung hat nationale Signalwirkung. Gehört wird dieser Ruf auch bei den großen Automobilzulieferern und Arbeitgebern der Region – doch ziehen die absehbar mit?

s.Oliver will veganes Angebot ausbauen

Gesundheitsbewusst geht es in der Modeindustrie zu. Bei s.Oliver in Rottendorf gibt es in der Kantine täglich vier bis fünf Gerichte. Darunter immer ein vegetarisches, meist auch veganes Gericht, eine Suppe und ein Salatteller. Außerdem werden frisches Obst und eine Auswahl an Snacks, bei welcher auch vegetarisch und vegan lebende Kantinenbesucher:innen auf ihre Kosten kommen, angeboten. „Wir werden weiter daran arbeiten, vor allem das vegane Angebot auszubauen“, heißt es aus der PR-Abteilung es Unternehmens. Komplett fleischfrei werde es aber in Zukunft nicht zugehen, vielmehr setze man auf saisonale und regionale Lebensmittel.

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So sieht das tagesaktuelle vegane Gericht bei s.Oliver aus: Rosmarinkartoffeln mit Grillgemüse und Avocadodip. Foto: s.Oliver Presseabteilung

Das Kantinen-Angebot bei s.Oliver in Rottendorf. Foto: s.Oliver Presseabteilung

Studierende essen gerne vegetarisch

Schon jetzt in großen Teilen fleischfrei geht es bei den Mensen des Studentenwerks Würzburg-Schweinfurt zu. Momentan werden dort laut Angaben des Studentenwerks rund 50 bis 60 Prozent aller Gerichte vegetarisch oder vegan verkauft. Das reiche aber nicht, um eine rein vegetarische Mensa zu betreiben. „Anders als bei VW ist es unser Auftrag, die Versorgung aller Studierenden zu gewährleisten, deshalb können wir auf ein Fleischangebot nicht verzichten“, so Andrea Bala vom Studentenwerk. Daher ist es selbst bei einem vegetarischen Spitzenreiter wie der Universität, weiterhin so: Die Currywurst darf bleiben.

Uniklinik mit Veggie-Alternative

Die vegetarische Alternative im Fleischgericht ist auch beim Uniklinikum in Würzburg Thema. Täglich haben hier Patient:innen mindestens ein vegetarisches Menü im Programm. Mitarbeiter:innen wählen zwischen zwei Optionen, eine davon vegetarisch. Eine Überlegung, künftig komplett fleischfrei zu bleiben, gebe es nicht.

Und die regionale Industrie?

„Wir achten bei SKF auf ein ausgewogenes Kantinenangebot und berücksichtigen dabei auch sich verändernde Ernährungsgewohnheiten und -vorlieben. Natürlich gibt es auch ein tägliches fleischloses Angebot. Mit diesen Voraussetzungen gilt für mich der Grundsatz: Jeder soll essen, was ihm schmeckt und womit er sich wohlfühlt“, so Harald Speck, Arbeitsdirektor von SKF in Schweinfurt.

Nebenan beim Weltkonzern ZF, der in Schweinfurt ein riesiges Werk betreibt, nehmen die Vegetarier:innen und Veganer:innen zwar zu, es sei „aber noch nicht sehr ausgeprägt“. Fleischgerichte werden daher nicht ausgeschlossen. Man achte aber auf Regionalität und Nachhaltigkeit gemäß dem Ansatz „From farm to fork“ (Vom Bauernhof zur Gabel), sagt Sprecherin Jessica Seufert. Auf richtig ungesunde Gerichte und deklarationspflichtige Zusatzstoffe verzichte man bereits länger.

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Um fleischfreien Konsum noch einfacher zu gestalten, biete man in der ZF Kantine mehr und mehr Einzelkomponenten pro Gericht an. Damit können Gerichte kombiniert werden, um eine größere Vielfalt für alle Geschmäcker anzubieten.

Artikel erschien zuerst auf mainding.de.
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