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Von Unbekanntem verfolgt. Symbolfoto: Pascal Höfig
Von Unbekanntem verfolgt. Symbolfoto: Pascal Höfig

In der Umkleide fotografiert: Gastbeitrag zum Thema Sexuelle Belästigung

Noch immer werden Frauen und Männer im Alltag Opfer von sexueller Belästigung: Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnete 2020 über 29.000 Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff, etwa zwei von drei Frauen sind schon einmal Opfer von sexueller Belästigung geworden. Häufig fühlen sich die Opfer machtlos und erzählen nichts von dem, was ihnen passiert ist. Eine Leserin möchte ihr Schweigen brechen, um andere zu warnen: anonym berichtet sie von einem übergriffigen Erlebnis, das sich erst kürzlich in der Würzburger Innenstadt beim Shoppen ereignete.

Ein anonymer Gastbeitrag.

„Eine Handykamera über die Kabinenwand gehalten“

„Hallo zusammen, in diesem Beitrag geht es um das Thema sexuelle Belästigung/Übergriffigkeit und beinhaltet eine persönliche Erfahrung, die ich leider am vergangenen Donnerstagnachmittag im C&A in der Kaiserstraße in Würzburg gemacht habe. Ich möchte damit vor allem Frauen ansprechen, jedoch will ich gleichzeitig natürlich nicht ausschließen, dass auch Männern so etwas passieren könnte.

Ich war mit einer Freundin am Nachmittag im C&A, um einiges an Kleidung anzuprobieren, während mir plötzlich zwischendurch beim Blick in den Spiegel auffiel, dass eine Handykamera über die Kabinenwand gehalten wurde und mich dabei gefilmt oder fotografiert hat. Ich weiß nicht, wie lange derjenige bereits dort war und ob ich es früh bemerkt habe oder nicht.

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„Ich war leider zu perplex in dem Moment“

Ich habe sofort etwas gesagt; in dem Moment habe ich aber auch schon jemanden wegrennen hören. Ich war leider zu perplex, um ihm sofort zu folgen. Auch andere Frauen und meine Freundin haben versucht, ihn ausfindig zu machen, aber er ist leider sehr schnell aus dem Laden verschwunden. Augenzeugen konnten ebenfalls nicht wirklich helfen außer mit der Information zum Aussehen und, dass dieser gemeinsam mit einem anderen Mann im Laden war. Überwachungskameras gibt es im C&A leider keine, wie mir das Personal mitgeteilt hat.

Ich rechne natürlich nicht damit, dass er oder das Material, das er von mir aufgenommen hat, gefunden werden können. Ich hatte dennoch das Gefühl, diese Erfahrung teilen zu wollen und müssen, damit einfach ein Bewusstsein dafür herrscht, was für Erlebnisse uns beim Umziehen in Umkleidekabinen erwarten können, wenn wir überhaupt nicht damit rechnen. Es ist sehr schade, dass man sich in solchen Situationen scheinbar nicht sicher fühlen kann, sondern sich um seine Privatsphäre Sorgen machen muss, weil sich manche Menschen so übergriffig verhalten.

„Passt gut auf euch und eure Umgebung auf!“

Und da er womöglich noch mehr Zeit damit verbringt, Frauen beim Umziehen in Geschäften zu stalken: Passt gut auf Euch und Eure Umgebung auf, soweit es möglich ist! Ich möchte hier sicherlich niemandem Angst machen oder für Verunsicherung sorgen, aber ich glaube, ich würde als Frau lieber gewarnt werden wollen –  damit ich wenigstens mehr darauf achten kann, was um mich herum passiert.“

Hilfestellen für Betroffene

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de
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