Zwei Mal innerhalb einer Woche wurde die Marktgemeinde Reichenberg im Kreis Würzburg von Hochwasser getroffen. An diesem Donnerstag, 15. Juli, stand das Wasser rund einen halben Meter im Ortskern. Foto: Michael Reitzenstein
Zwei Mal innerhalb einer Woche wurde die Marktgemeinde Reichenberg im Kreis Würzburg von Hochwasser getroffen. An diesem Donnerstag, 15. Juli, stand das Wasser rund einen halben Meter im Ortskern. Foto: Michael Reitzenstein

Hochwasser in Reichenberg – BRK Würzburg unterstützt bundesweit

Zum zweiten Mal innerhalb von nur einer Woche wurde die Marktgemeinde Reichenberg am Donnerstag, 15. Juli 2021, von einem massiven Hochwasser heimgesucht. Eine Gewitterzelle hatte am Nachmittag erst Hagel vorausgeschickt und dann mit Starkregen die Ortsmitte geflutet. Das Wasser stand bis zu einem halben Meter hoch auf der Straße. „Erst kam der Alarm, dass ein einzelner Keller voll war“, berichtete Kreisbrandrat (KBR) Michael Reitzenstein noch am Abend. „Dann ging alles ganz schnell. Innerhalb von 30 Minuten ist die gesamte Ortsmitte vollgelaufen.“

Rund 100 Einsatzkräfte

Zur Hilfe waren den Bewohnern und der Feuerwehr in Reichenberg auch die Feuerwehren Albertshausen, Lindflur und Kist geeilt. Rund 100 Rettungskräfte waren im Einsatz, die Aufräumarbeiten dauerten bis circa 23 Uhr an. Gemeinsam mit Bürgermeister Stefan Hemmerich machten sich auch Kreisbrandinspektor Heiko Drexel, Kreisbrandrat Michael Reitzenstein und Landrat Thomas Eberth noch am Abend ein Bild von der Lage.

Denn schon vergangenen Freitag hatte ein Starkregen den Ort bereits getroffen. Die Wassermassen waren dabei hauptsächlich aus Richtung des höher gelegenen Guttenberger Forsts in die Gemeinde geschossen. Rund 23 Keller waren dabei vollgelaufen. „Diesmal war es schlimmer“, so das erste Fazit von KBR Reitzenstein. Am Donnerstag sei das Wasser hauptsächlich aus dem Sichelgrund gekommen und die Bahnhofstraße entlang nach unten in den Ortskern geströmt. Mehr als 30 Haushalte Keller mussten ausgepumpt werden, Fahrzeuge wurden von mitgerissenen Steinen beschädigt und eine mehrere Zentimeter dicke Schlammschicht musste noch am Abend vom Teer und aus Hofeinfahrten, Kellern und Abflussrinnen gekratzt werden.

Die Aufräumarbeiten dauerten vom Nachmittag bis in die Nacht an. Das Wasser hatte eine dicke Schlammschicht über den Ortskern gelegt. Fotos: Stefan Hemmerich

Die Aufräumarbeiten dauerten vom Nachmittag bis in die Nacht an. Das Wasser hatte eine dicke Schlammschicht über den Ortskern gelegt. Fotos: Stefan Hemmerich

Die Wassermassen stürzten hauptsächlich aus dem Sichelgrund in den Ort. Foto: Michael Reitzenstein

Glimpflich davongekommen

Im Vergleich mit den parallel aufgekommenen verheerenden Hochwassern im Westen Deutschlands, bei denen bis Freitagmittag bereits knapp 100 Menschen ihr Leben verloren hatten, sei man jedoch „glimpflich davongekommen“, wertet Michael Reitzenstein. Personen seien in Reichenberg glücklicherweise keine zu Schaden gekommen. Organisation und Zusammenarbeit der Feuerwehren habe zudem hervorragend funktioniert. Der Kreisbrandrat zeigt sich mit der überörtlich schnellen Zusammenarbeit der Feuerwehren und der örtlichen Einsatzleitung durch den Kommandanten der Reichenberger Wehr, Benedikt Schmidt, höchst zufrieden.

Für weiteres Unwetter gerüstet

Die Kreisfeuerwehren haben sich am Freitag allerdings trotzdem noch einmal für eventuelle weitere Unwetterlagen aufgerüstet. Rettungskräfte befüllten zusätzlich 5000 Sandsäcke, die betroffenen Gemeinden in Notfällen ausgeliefert werden können. Kreisbrandrat Michael Reitzenstein betont allerdings auch, dass sich die Städte und Gemeinden im Kreis Würzburg auch selbst auf solche Notfälle vorbereiten sollten.

Landrat Thomas Eberth bedankte sich noch vor Ort persönlich bei den Rettungskräften für die geleistete Hilfe und sprach den Anwohnern Mut zu. Eberth zeigte sich aber auch schockiert über die Verwüstungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. „Die Gedanken der Menschen im Kreis Würzburg sind bei allen Opfern dieser schrecklichen Hochwasserkatastrophe“, so Eberth am Freitag, „besonders bei denen, die Angehörige, Freunde und Nachbarn in den Fluten verloren haben.“

BRK Würzburg unterstützt auch in NRW

Am Donnerstagabend gegen 21 Uhr wurde der Wasserrettungszug Unterfranken der BRK-Wasserwacht alarmiert: Das Land Nordrhein-Westfalen hatte das Bayerische Rote Kreuz um Hilfe bei der Hochwasserkatastrophe ersucht. Da bereits eine erhöhte Alarmbereitschaft bestand, konnte die Einheit binnen kürzester Zeit ausrücken.

Besprechung am Einsatzleitwagen mit Kontingentführer Björn Rausch (links). Foto: BRK Wasserwacht

Besprechung am Einsatzleitwagen mit Kontingentführer Björn Rausch (links). Foto: BRK Wasserwacht

Der Wasserrettungszug führt fünf Boote mit und hat unter anderem die Aufgabe, Menschen und Tiere aus überschwemmten Gebieten zu evakuieren oder bei der Deichverteidigung zu unterstützen, insbesondere durch Taucharbeiten. Die Fahrzeuge und Helfer des Zuges kommen aus ganz Unterfranken. Der BRK-Kreisverband Würzburg steuert den Zugtrupp bei. Dieser besteht aus einem Einsatzleitwagen, der mit Funktechnik und EDV ausgestattet ist. In einem Anhänger führt er Stromerzeuger, Kettensäge und andere Ausrüstung mit. Der Zugtrupp ist in Rottendorf stationiert und wird von fünf Mitgliedern der dortigen Wasserwacht-Ortsgruppe besetzt. Sie führen Lagekarten, wickeln den Funkverkehr ab und unterstützen die Einsatzleitung.

Deutschland in Not

Thomas Eberth, der Vorsitzende des BRK-Kreisverbandes Würzburg, betont das Engagement und den Zusammenhalt: „Deutschland steht in der Not zusammen, das zeigt die Pandemie aber auch die schlimme Hochwasserlage. Daher bin ich den Kameradinnen und Kameraden dankbar, die alles stehen und liegen lassen, um unseren Freunden in Nordrhein-Westfalen zur Hilfe zu eilen. Das verdient Anerkennung und Respekt und macht mich bei aller Trauer in der Situation stolz auf den Zusammenhalt in unserem Land und die Schaffenskraft, das Engagement und das Miteinander der Menschen.“

Später wurde der Wasserrettungszug in die besonders schwer betroffene Region Erftstadt beordert. Er suchte dort unter anderem eine völlig überflutete Bundesstraße nach unter dem Wasser befindlichen Autos ab.

Erkundungsfahrt auf der Bundesstraße bei Erftstadt. Foto: BRK Wasserwacht

Was aussieht wie ein Fluss, ist eigentlich eine Bundesstraße. Foto: BRK Wasserwacht

Der Zugtrupp des Wasserrettungszuges Unterfranken bei der Abfahrt in Rottendorf. Foto: BRK Wasserwacht

Hilfeleistungskontingent nach Rheinland-Pfalz

Auch das Bundesland Rheinland-Pfalz hat in einem Hilfeersuchen am 17.07.2021 gegen 06:30 Uhr umfassende Einheiten aus dem Freistaat Bayern angefordert. Das Bayerische Rote Kreuz stellt mit dem Arbeiter-Samariter-Bund und dem Malteser-Hilfsdienst ein ‚Hilfeleistungskontingent Standard‘ zur Verfügung. Dieses Kontingent umfasst rund 125 Einsatzkräfte und 50 Einsatzfahrzeuge, zusammengesetzt aus

  • fünf Transportkomponenten aus je 2 Krankentransportwagen,
  • zwei Versorgungskomponenten zur technischen und verpflegerischen Versorgung
  • vier Behandlungskomponenten aus je einem Mannschaftstransportwagen und einem Gerätewagen-Sanitätsdienst,
  • einer Technikkomponente,
  • einer Führungskomponente,
  • einer Einheit ‚Information und Kommunikation‘,
  • und einem zusätzlichen ‚Gerätewagen Sanitätsdienst 50‘.

Aus Würzburg kommt der Kontingentführer, eine der vier Behandlungskomponenten mit 10 Sanitätskräften und einem Arzt sowie ein Motorrad und ein Transportfahrzeug für Ärzte.

BRK-Vorsitzender Thomas Eberth (rechts) verabschiedet die Würzburger Teil-Einheit. Foto: Doku-Team BRK Würzburg

BRK-Vorsitzender Thomas Eberth (rechts) verabschiedet die Würzburger Teil-Einheit. Foto: Doku-Team BRK Würzburg

Sachspenden können nicht angenommen werden

Die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft für die vom Hochwasser betroffenen Menschen ist groß. „Deutschland steht in der Not zusammen, das zeigt die Pandemie aber auch die schlimme Hochwasserlage“, lobt BRK-Kreisvorsitzender Thomas Eberth die Solidarität.

Aktuell erhält das Rote Kreuz auch zahlreiche Angebote für Sachspenden von Privatpersonen. Es ist aber organisatorisch nicht leistbar und logistisch auch nicht sinnvoll, Kleidung, Spielwaren usw. zu sammeln, zu sortieren und über weite Strecken in die vom Hochwasser betroffenen Gebiete zu transportieren. Vor Ort fehlen auch entsprechende Lagerkapazitäten. Viel hilfreicher sind Geldspenden, mit denen in der Region das beschafft werden kann, was gerade konkret benötigt wird. Für Geldspenden hat das Deutsche Rote Kreuz eine Spendenseite eingerichtet: www.drk.de/hochwasser

Artikel beruht auf Pressemitteilungen des Landratsamtes Würzburg und des BRK Kreisverband Würzburg. 

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