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Trauer und Fassungslosigkeit über die Geschehnisse am Barbarossaplatz. Foto: Jessica Weiß
Trauer und Fassungslosigkeit über die Geschehnisse am Barbarossaplatz. Foto: Jessica Weiß

Würzburger gedenken der Betroffenen der Mordtat am Barbarossaplatz

Der Messerangriff am Barbarossaplatz versetzte ganz Würzburg in große Trauer. Mitbürger zeigen großes Mitgefühl für die Opfer, deren Angehörige und andere Betroffene, legen Blumen nieder und zünden Kerzen an. Die Anteilnahme ist groß – so groß, dass sogar Lieder komponiert und andere Aktionen gestartet werden.

Hier finden Betroffene Hilfe

Mit Spenden Hilfe für Opfer ermöglichen

Gedenklied für den Zusammenhalt

Auch Sylvia Baumann ist geschockt von den Ereignissen von Freitag. „Sie hat ein Lied über Nacht dafür geschrieben und möchte es an alle Würzburger die genauso betroffen sind widmen und somit den Zusammenhalt von uns Würzburgern stärken“, heißt es in einer Nachricht, die die Redaktion erreichte. Auch den Helfern und Rettern soll hierbei ein großer Dank gewidmet werden – durch ihren Mut haben sie Schlimmeres verhindert.

Kondolenzbuch im Rathaus

Um den Opfern der schrecklichen Gewalttat zu gedenken, liegt im Rathaus ein Kondolenzbuch aus. Jeder, der auf diese Weise den Opfern und Angehörigen ihr Mitgefühl bekunden möchte, kann sich noch bis Mittwochabend, 29. Juni, eintragen.

Im Rathaus liegt ein Kondolenzbuch aus. Foto: Würzburg erleben

Im Rathaus liegt ein Kondolenzbuch aus. Foto: Würzburg erleben

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Gegen Hass und Hetze

Doch es kommt nicht nur zu Mitgefühl: Hass wird in den sozialen Medien nicht nur gegenüber dem Täter, der für den Mord an drei Frauen verantwortlich ist, geäußert. Auch gegen Gruppierungen, die mit der Tat nichts zu tun haben, wird pauschal Hetze betrieben. Wie der Ausländer- und Integrationsbeirat mitteilt, seien somalische Landsleute nun verunsichert, ob die Tat nun Auswirkungen auf ihr Leben habe und ob die Mordtat in pauschale Anschuldigungen umschlägt. „In Würzburg haben wir keinen Platz für Rassismus“, äußert sich Fairplay Würzburg in einem Video. Hier äußern Menschen verschiedenster Herkunft nicht nur ihr tiefstes Beileid mit den Angehörigen, wünschen eine schnelle psychische und physische Genesung der Opfer, sondern richten auch einen großen Dank an couragierte Passanten, die vor Ort Schlimmeres verhinderten.

 

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Menschenkette zum Gedenken

Mit einer Menschenkette vom Barbarossaplatz zum Rathaus laden das Würzburger Bündnis für Demokratie und Zivilcourage und der Würzburger Ombudsrat am Freitag, 2. Juli, von 16.45 bis 17.45 Uhr zu einem stillen Gedenken ein. Bischof Dr. Franz Jung und Dompfarrer Stefan Gessner werden sich gegen 17 Uhr einreihen. Die Veranstalter ermuntern, mit der Menschenkette genau eine Woche nach der Gewalttat – nach der Gedenkfeier im Dom vom Sonntag – noch einmal im öffentlichen, nicht-religiösen Raum zusammenzukommen. „Wir rufen dazu auf, Schilder mit nur zwei Botschaften in verschiedenen Sprachen mitzubringen: ‚Würzburg trauert‘ und ‚Würzburg hält zusammen‘. Außerdem laden wir dazu ein, Blumen in den Händen zu halten. Es werden keine Reden gehalten“, heißt es in einer Mitteilung. Um 17 Uhr läutet die Salvatorglocke des Doms als Aufruf zum Gebet.

„Die Wege werden für die Besucher mit Kreide markiert sein“, so ein Sprecher des Bündnisses. Aufgrund der Corona-Pandemie bitten die Veranstalter alle Teilnehmer, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, sich nicht an einer Stelle zu sammeln, und sich in der Kette nicht bei den Händen zu nehmen.

Laut Bündnissprecher werden seitens der Veranstalter 27 Ordner im Einsatz sein, die auch das Einhalten der Corona-Regeln im Blick haben werden. Die Organisatoren rechnen mit 400 bis 600 Teilnehmern, „die ihre Solidarität mit den Opfern ausdrücken wollen“.

Zahlreiche Menschen nahmen an der Aktion "Würzburg trauert" teil. Viele trugen Schilder mit der Aufschrift "Würzburg trauert" und "Würzburg hält zusammen" oder Blumen in den Händen. Foto: Markus Hauck/ POW

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Auch Weihbischof Ulrich Boom (3. von links) nahm an der Menschenkette teil. Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß/ POW

Bischof Dr. Franz Jung (links) reihte sich in die Menschenkette mit ein. Foto: Markus Hauck/ POW

Kleine Gesten für Mitgefühl

Auch kleine Gesten bewegen die Bevölkerung: Eine Leserin teilte uns mit, sie sei von einer besonderen Aktion beeindruckt gewesen, die sie am Wochenende beobachten konnte. Ein Rumäne, der sein Geld mit Flaschen sammeln verdiente, hatte auch Mitgefühl die Kerzen, die am Tatort zum Gedenken abgelegt wurden, wieder angezündet.

Ein Mann, der Pfandflaschen sammelte, zündete aus Mitgefühl die Kerzen wieder an. Foto: @lea.sooophie_b

Ein Mann, der Pfandflaschen sammelte, zündete aus Mitgefühl die Kerzen wieder an. Foto: @lea.sooophie_b

Polizei: „Keine Fotos und Namen veröffentlichen“

Auch kursieren derzeit vermehrt Bilder und Namen der Opfer. Die Polizei Unterfranken kritisiert das nun. „Gedenken wir den Opfern, indem wir Fotos und Namen veröffentlichen?“, heißt es in einem Facebook-Posting. Es sei richtig, den Opfern und Angehörigen zu gedenken und zu trauern. „Nicht richtig ist es aus unserer Sicht, die Namen und noch schlimmer Fotos der Verstorbenen im Internet zu verbreiten und teilweise für politische Botschaften zu missbrauchen.“ Das sei auch nicht hilfreich für die Angehörigen, die gerade den Verlust eines geliebten Menschen verarbeiten und verkraften müssen, heißt es. „Die Verbreitung der Namen und Fotos in den sozialen Medien ist hier nicht hilfreich und zeugt eben nicht von wirklicher Anteilnahme.“

Wir gedenken der Opfer und wünschen den Angehörigen, die durch diese schreckliche Gewalttat einen nahestehenden Menschen verloren haben, viel Kraft und den Verletzten eine schnelle Genesung. Auch wir positionieren uns klar gegen Hass, Rassismus und Hetze und tolerieren diese Art der Äußerung auf unseren Plattformen nicht. Wir bitten außerdem darum, aufgrund des Respekts den Verstorbenen gegenüber keine Bilder und Namen der Opfer zu veröffentlichen.

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