Mainufer im Sommer. Foto: Pascal Höfig
Sonniges Mainufer. Foto: Pascal Höfig

Kommt nächtliches Alkoholverbot? – Jugendorganisationen dagegen

Ein Thema, das ganz Würzburg derzeit bewegt und heiß diskutiert wird: Die teilweise ausufernde Feierei entlang der Mainufer. Nicht mehr nur der Müll ist das Problem, sondern auch nächtliche Ruhestörungen durch alkoholisierte Partygänger. Am letzten Wochenende wurde deshalb von Stadt und Polizei angekündigt, über ein nächtliches Alkoholverbot in Teilbereichen des Mainkais zu beraten. Auch wird dann in Erwägung gezogen, das erst kürzlich aufgehobene Alkoholverbot an der Leonhard-Frank-Promenade in den Nachtstunden wieder einzuführen.

Laut Berichten der Main-Post solle nun am Mittwoch die aktuelle Lage im Corona-Verwaltungsstab der Stadt mit den Spitzen der Polizei und des Gesundheitsamtes bewertet werden. Auch das weitere Vorgehen vorrangig unter pandemischen Gesichtspunkten werde dann abgestimmt.

Jugendorganisationen üben Kritik

Doch auf ein mögliches Alkoholverbot reagieren nun politische Jugendorganisationen mit Kritik. Grüne Jugend Würzburg, Jusos Würzburg und Linksjugend Würzburg sprechen sich gegen ein Verbot aus, wie sie in einer aktuellen Pressemitteilung erklären.

Hannah Oschmann, Sprecherin der Grünen Jugend Würzburg, äußert sich dazu folgendermaßen: „Selbstverständlich ist es unverantwortlich, seinen Müll in der Natur zurückzulassen. Allerdings verschiebt ein Alkoholverbot an einigen Stellen dieses Problem nur an andere Orte und sorgt schlimmstenfalls dafür, dass in Innenräumen gefeiert wird. Es ist illusorisch, anzunehmen, dass die Leute nach so langer Zeit nicht feiern gehen.“

Durch die Partys steigt auch die Müllbelastung auf den Mainwiesen. Foto: Würzburg erleben

Durch die Partys steigt auch die Müllbelastung auf den Mainwiesen. Foto: Würzburg erleben

„Alkoholverbot kriminalisiert junge Menschen“

Michael Reitmair, Vorsitzender der Jusos Würzburg, sagt: „Ein Alkoholverbot kriminalisiert junge Menschen, stellt sie unter Generalverdacht und dient lediglich zur Befriedigung eines subjektiven Sicherheitsgefühls. Die Stadt schafft es seit Jahren nicht, größere Müllcontainer aufzustellen. Jetzt sucht man scheinbar eine vermeintlich einfache Lösung. Für das Fehlverhalten einiger weniger sollen alle bestraft werden. Die öffentlichen Plätze in unserer Stadt sollten von allen Menschen für Aufenthalt und Freizeitgestaltung genutzt werden können. Nicht alle haben einen großen Balkon oder gar einen eigenen Garten.“

Appell für rücksichtsvolles Verhalten

„Jungen Menschen hat man im vergangenen Corona-Jahr sehr viel abverlangt, die Politik hat sich kaum für ihre Belange interessiert und wenig Unterstützung angeboten. Gleichzeitig hielt sich die große Mehrheit der jungen Leute äußerst vorbildlich an die Kontaktbeschränkungen und haben auch ihren Teil dazu beigetragen, diese Krise zu überwinden. Wir appellieren an alle, sich rücksichtsvoll gegenüber ihren Mitmenschen und der Natur zu verhalten, jedoch ist ein Alkoholverbot unverhältnismäßig und nicht zielführend. Gerade jetzt benötigt es Freiräume, um das Feiern mit Hygienekonzept für junge Menschen möglich zu machen“, so das Statement der Linksjugend Würzburg.

"Gemeinsam achtsam". Foto: Jessica Hänse

„Gemeinsam achtsam“. Foto: Jessica Hänse

Lösungsvorschläge der Jugendorganisationen

Statt einem Alkoholverbot schlagen die drei Jugendorganisationen vor, mit deutlicher Kommunikation, Hinweisschildern und vor allem ausreichenden Mülltonnen diesem Problem entgegenzutreten.

Doch auch die Stadt setzt bereits auf Aufklärung mit Plakaten und sogar sog. AHA-Teams. Seit kurzer Zeit werden die Teams vom Stadtmarketing  „Würzburg macht Spaß“ an den Wochenenden eingesetzt. Zwischen Mainkuh und Altem Kranen und auf der Leonhard-Frank-Promenade bitten die Zweierteams, erkennbar an ihren roten „Würzburg macht Spaß“-Jacken, um Verständnis und die Einhaltung der AHA-Regeln.

Ob es nun zu einem nächtlichen Alkoholverbot kommen wird, werden die ausführlichen Beratungen in dieser Woche zeigen.

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