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Symbolfoto Arzt. Foto: Pascal Höfig
Symbolfoto Arzt. Foto: Pascal Höfig

Drogenersatztherapie vorantreiben: 100.000 Substituierte bis 2022

In Deutschland sind mindestens 160.000 Menschen von Opioiden – meist Heroin – abhängig. Etwas weniger als die Hälfte von ihnen macht derzeit eine Drogenersatztherapie. Diese Therapie, auch Substitution genannt, ist in Kombination mit der psychosozialen Betreuung die häufigste Behandlungsart bei Opioidabhängigkeit. Obwohl wissenschaftliche Daten die positiven Auswirkungen der Behandlung belegen, hat Deutschland, im europäischen Vergleich, eine deutlich geringere Behandlungsquote. Zum Vergleich – In Frankreich, Spanien und Norwegen liegt diese bei etwa 85 Prozent.

Hilfe auch in Würzburg

Auch in Würzburg und Umgebung können bisher längst nicht alle Abhängigen behandelt werden. Die Jugend- und Drogenberatung geht von ungefähr 450 Personen aus, lediglich 235 davon werden aktuell von drei Schwerpunktpraxen und einigen wenigen Hausärzten wegen ihrer Abhängigkeit behandelt. Nun will eine Kampagne die Quote erhöhen.

Als Ersatz für Heroin

Jeden Morgen trinkt Stefan K.  nach dem Aufstehen zum Frühstück eine Tasse Tee und schluckt dazu 6 ml Saft. Wenn er vergisst, den Saft zu nehmen, meldet sich sein Körper spätestens am nächsten Tag mit Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Der Würzburger konsumiert seit über 20 Jahren Methadon – ein Ersatzmittel für Heroin. Rauschzustände bekommt Herr K. davon nicht. Er sagt: „Das Methadon macht mich leistungsfähig und nicht dicht. So kann ich arbeiten und leben, wie andere Menschen auch.“

Er hat mittlerweile Frau und zwei Kinder und seit über sieben Jahren einen festen Job. Einmal die Woche geht er zu seinem behandelten Arzt und auch regelmäßig zur Drogenberatung. Ohne die Drogenersatztherapie wäre er gezwungen, wie am Anfang seiner Sucht, sich die Substanzen illegal zu beschaffen. Ein Arbeiten wäre dann nicht möglich.

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Bis 2022 rund 60 % der Abhängigen behandeln

Für viele ist die Substitutionstherapie eine Chance, dem Teufelskreis aus Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität zu entkommen. Leider gibt es in ganz Deutschland wenig Behandlungsplätze. Mit der Kampagne „100.000 Substituierte bis 2022“ wollen die Deutsche Aidshilfe, der Akzept-Bundesverband und das Selbsthilfenetzwerk JES die Substitution in Deutschland vorantreiben. Bis 2022 sollen mindestens 60 Prozent der Opioid-Abhängigen behandelt werden – ein ehrgeiziges Ziel.

Große Skepsis

Es herrscht immer noch eine große Skepsis gegenüber dieser Behandlungsmethode. In Deutschland führte dies zunächst zu einem sehr strengen Regelwerk – das sowohl Ärzte als auch Opioid-Abhängige vor der Therapie zurückschrecken ließ. Vor zweieinhalb Jahren traten neue Richtlinien des Substitutionsrechts in Kraft. Vieles läuft nun unkomplizierter. Gerade für Hausärzte ist vieles einfacher geworden. So dürfen stabile Patienten ihr Substitutionsmittel entweder mit nach Hause nehmen und dort selbst einnehmen oder sie können sich für eine Medikation mit einem Depotsubstitut entscheiden.

Außerdem gibt es durch die Veränderungen mehr Rechtssicherheit für Ärzte und die Möglichkeit, Patienten individueller zu behandeln. Die Drogenhilfe in Würzburg unterstützt dieses Vorhaben und hat zum bundesweiten „Aktionstag Substitution“ am 5. Mai 2021 mit einer Plakataktion rund um das Kontaktcafé „Flow“ dafür geworben, dass mehr Ärzte in Würzburg und Umgebung opiatabhängige Menschen behandeln.

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Pressemitteilung der Stadt Würzburg.
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