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Sven Bake ist Hauptorganisator der Regionalmeisterschaften im Debattieren. Foto: Sven Bake
Sven Bake ist Hauptorganisator der Regionalmeisterschaft im Debattieren. Foto: Sven Bake

Wir fragen Sven: Wie ist es als Mitglied beim Würzburger Debattierclub?

Über verschiedene Themen diskutieren: das macht wohl jeder Zuhause! Doch wie ist es, das Debattieren als Hobby zu haben? Sven Bake war schon auf vielen Turnieren für den Würzburger Debattierclub unterwegs und hat sich mit anderen Teams ein Wortgefecht zu einem bestimmten Thema geliefert. Im Interview verrät er, wie er zu dieser Leidenschaft gekommen ist und dass die nächste Regionalmeisterschaft kurz bevor steht.

Austausch und Fortbildung

Würzburg erleben (WE): Stell Dich doch mal kurz vor!

Sven: Ich bin Sven Bake, 27 Jahre alt und bin hauptverantwortlich für die Organisation der Regionalmeisterschaft im Hochschuldebattieren, die am Wochenende digital stattfindet. Ich war mehrere Jahre lang Vorstand beim Debattierclub Würzburg und bin auch als Beirat im Verband für Debattierclubs an Hochschulen tätig. Für den Debattierclub Würzburg war ich auf vielen Turnieren im In- und Ausland, unter anderem auf mehreren Deutschen Meisterschaften und auf einer Europameisterschaft.

WE: Wie bist Du zum Debattieren gekommen?

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Sven: Hier an der Uni habe ich immer wieder vom Debattierclub mitbekommen, sei es über Flyer oder die Erstimesse. So wirklich verstanden, was das war, hatte ich damals nicht, aber ein grundsätzliches Interesse zum Austausch und zur Fortbildung im rhetorischen Bereich war durchaus da. Irgendwann bin ich dann mal hingegangen. Die ersten paar Debatten, haben mir, trotzt etwas Überforderung, viel Spaß gemacht und ich habe einige nette Leute kennen gelernt. Deshalb bin ich dann immer wieder hingegangen.

Debattieren als Sport

WE: Was bedeutet/ist eigentlich Debattieren?

Sven: Debattieren, in unserem Kontext, ist ein formalisiertes Streitgespräch, bei welchem sich zwei oder mehr Teams gegenüberstehen und zu einer festgesetzten Streitfrage Pro- und Contra-Position beziehen. Das heißt konkret für die Regionalmeisterschaften, dass es immer ein festgesetztes Thema gibt, welches die Teilnehmenden 15 Minuten vor der Debatte erfahren. Dann bekommen sie auch ihre Position in der Debatte zugelost, ein Team ist “Regierung”, redet also beispielsweise für die Umsetzung einer Maßnahme, eines ist “Opposition” und ist dagegen.

Nach den 15 Minuten Vorbereitungszeit beginnt eine Debatte, in der die RednerInnen immer abwechselnd und jeweils einmal 7 Minuten reden. Die Teams werden dann von Jurierenden mit Punkten bewertet und ein Team gewinnt die Debatte. Das ist jetzt eine etwas unterkomplexe Darstellung, aber im Grunde ist das Regelwerk nicht sehr schwierig und dient letztendlich dazu die Debatte fair aufzusetzen und ihr auch eine Grundlage zur fairen Bewertung zu geben.

WE: Warum wird es als „Sport“ bezeichnet?

Sven: Ich denke das liegt daran, dass es einige Analogien dazu gibt, und man damit ganz gut bestimmte Aspekte vermitteln kann. Erstmal ist es natürlich ein Wettkampf, in dem sich zwei Teams messen. Es gibt Turniere, Vereine und generell ähnliche Strukturen. Außerdem hat es ein Regelwerk, an das sich die Teilnehmenden klar halten müssen, sowie Jurierende, die in etwa die Rolle von Schieds- und Punktrichter vereinen. Neben der argumentatorischen Überzeugungskraft wird auch das Auftreten, also zum Beispiel Gestik und Mimik, bewertet, was einen gewissen physischen Performance-Aspekt mit sich bringt.

Raus aus der Komfortzone

WE: Was reizt Dich beim Debattieren am meisten?

Sven: Am Anfang war es der wöchentliche Austausch zu immer neuen Themen, in dem ich meinen Horizont erweitert und sehr viel über meine eigene Sicht auf die Welt gelernt habe und vor allem auch über die anderer Menschen. Man muss eben auch mal aus der Komfortzone raus und zumindest versuchen, die Gegenseite nachzuvollziehen, was natürlich in der Realität nicht immer möglich ist. Aber im Debattieren werden entsprechend auch nur die Themen behandelt, für die es eben nicht die eine klare Lösung gibt und für die man auf beiden Seiten Argumente finden kann.

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Die Süddeutsche Meisterschaft im Jahr 2019. Foto: Colloquia Herbipolensia e.V.

Die Süddeutsche Meisterschaft im Jahr 2019. Foto: Colloquia Herbipolensia e.V.

Dann später waren es vor allem die nationalen Turniere, bei denen man sehr viele nette Menschen trifft und die auch kompetitiv noch einmal eine zusätzliche Ebene eröffnen. Wenn man schon sehr viele Debatten geführt hat, freut man sich über ein Thema, das einen besonders herausfordert oder wo man nicht auf Anhieb versteht, wie die Debatte ablaufen wird. Zum Beispiel wenn man sich plötzlich Gedanken über Währungsumtausch zur Wiedervereinigung machen muss oder über “Night-Moving”-Companies, die in Japan Menschen beim Verschwinden helfen.

WE: Wie übst Du und wie viel Zeit pro Woche nimmst du Dir zum Üben?

Sven: Wir treffen uns zweimal die Woche immer Dienstag- und Donnerstagabend zur Online-Debatte.
Oft gibt es davor auch Workshops und spezifische Trainings. Am meisten lernt man jedoch, wenn man regelmäßig auf Turniere fährt und sich dort mit den besten Redner Deutschlands oder sogar der Welt misst. Da hat man einfach mehr Praxis und sieht Dinge, die man sonst eher nicht mitbekommt.

Ich fahre meistens nur noch als Juror auf Turniere, weshalb ich selbst aktuell keine Zeit mehr dahingehend investiere, als Redner noch besser zu werden. Aber auch hier kann man natürlich außerhalb des Trainings viel Zeit reinstecken, indem man Reden hält oder sich Theorie und Wissen aneignet. Was man sicherlich auch sollte wenn man mit der Spitze mithalten will.

Privat ganz anders

WE: reagiert Dein Umfeld (Familie, Freunde) auf dieses Hobby?

Sven: Die meisten reagieren mit positivem Interesse und finden es ziemlich cool. Auch wenn mittlerweile auch in Deutschland durch Jugend debattiert und die vielen Clubs an Hochschulen schon viel mehr Leute vom Debattieren gehört haben, ist es oft den meisten nicht ganz klar, wie es genau abläuft. Wie bei jedem Hobby kann man natürlich beliebig Zeit investieren, aber wenn man auf viele Turniere fährt, gibt es schon das eine oder andere Wochenende, an dem man für Familie und Freunde weniger Zeit hat.

WE: Diskutierst Du privat auch sehr gerne?

Sven: Mal mehr, mal weniger. Das Debattieren hat mir geholfen, bewusster zu entscheiden, über was ich mit wem debattiere. Ich habe das Gefühl, schneller zu erkennen, ob die andere Person tatsächlich offen dafür ist, sich auf die Argumente in der Sache einzulassen oder ob stur ideologisch auf einer Meinung beharrt wird. Der argumentative Diskurs ist dann ein ganz anderer.

Zusammenhalt ist wichtig

WE: Die Regionalmeisterschaften stehen bevor: Wie bereitest Du Dich mit deinem Team darauf vor?

Sven: Als Organisator kann ich leider nicht selbst Reden, ich werde aber als Juror Debatten bewerten.
Generell ist es wichtig, sich als Team gemeinsam auf eine solche Meisterschaft vorzubereiten, indem man viel zusammen debattiert und sich klare konkrete Vorstellungen von den eigenen Zielen setzt.
Nicht nur in der Vorbereitungszeit, sondern auch während der Debatte ist der Zusammenhalt als Team für den Erfolg und auch Spaß an der Debatte sehr wichtig. Im Idealfall hat man im Vorfeld schon zusammen an anderen Turnieren teilgenommen.

WE: Wie gestaltet sich die Meisterschaft? Vor allem in Zeiten von Corona?

Sven: Es hat sich relativ schnell am Anfang der Pandemie ergeben, dass wir über Plattformen wie Discord und Zoom erste Debattenkonzepte erarbeiten konnten, die im Wesentlichen den Präsenzdebatten sehr ähnlich sind. Das nutzen wir auch jetzt noch. Die Teams aus ganz Deutschland und Österreich kommen für vier Vorrunden, ein Halbfinale und ein Finale von Freitagabend bis Sonntagvormittag online zusammen.

Zu jeder Runde gibt es ein neues Thema und die Teams werden Räumen zugeteilt, in denen sie dann ihre Debatte führen. Der große Unterschied zu früher ist eigentlich weniger im kompetitiven, als im sozialen Bereich – wir hätten uns gefreut, die ganzen Teams wie schon 2019, auch dieses Jahr wieder hier in Würzburg zu begrüßen.

Das große Ganze muss stimmen

WE: Auf was kommt es bei der Bewertung der einzelnen Teams bei einer Debatte an

Sven: Pro Team gibt es 3 Redner, die jeweils eine Rede halten. Jede Rede wird nach inhaltlichen und rhetorischen Kriterien bewertet; der Maßstab ist dabei, wie überzeugend sie war. Hier muss alles im Kontext der Situation ganzheitlich bewertet werden: Wie kommt das Gesagte jeweils bei den Zuhörenden an? Dann gibt es noch eine zusätzliche Komponente, nämlich Teampunkte, die sich auf die Gesamtstrategie des Teams und die Interaktion mit der Gegenseite beziehen.

WE: Welche Themen werden aktuell oft zum Debattieren herangezogen?

Sven: Es gibt natürlich ein paar ganz tagespolitisch aktuelle Trendthemen, wie zum Beispiel bei Corona die “Impfprivilegien” oder ein Patentschutz für Impfstoffe. Generell bewegen sich die Themen oft entlang den Fragen, die man sich auch in der Gesellschaft stellt, in ihrer gesamten Vielfalt.

Beispiele für wiederkehrende Themenbereiche sind beispielsweise: wie Künstliche Intelligenz unseren Alltag gestaltet, wie die Zukunft der europäischen Union aussieht, wie medizinischer Fortschritt unser Leben verändert, die Rolle Chinas in der Welt, oder der Klimawandel.

Jährliches Spaß-Turnier

WE: Was ist bisher Dein spannendstes (oder lustigstes) Thema beim Debattieren gewesen?

Sven: Zuletzt gut gefallen hat mir ein Thema, welches sich mit der gesellschaftlichen Bedeutung von Vergebung beschäftigt hat. Es gibt jährlich ein Spaß-Turnier mit nicht ganz so ernsten Themen, wie zum Beispiel “Sollte Disneyland seine Unabhängigkeit von den USA erklären?”. Das macht sehr viel Freude, sich die besten Reden im Finale anzuhören.

WE: Was sind Deine Pläne für die Zukunft? Wo soll es mit dem Debattieren noch hingehen?

Sven: Wie ich schon erwähnt hatte, liegt mein Fokus nicht mehr so sehr auf dem Reden, auch wenn ich noch ab und an an Turnieren teilnehme. Ich freue mich zum Beispiel auf die Weltmeisterschaft im Sommer, die jetzt leider auch, statt live in Korea, digital stattfinden muss. Im Club und Verband geht es viel darum, Gelerntes weiterzuvermitteln und Verantwortung zu übernehmen.

WE: Was verbindest Du mit Würzburg?

Sven: Mit Würzburg verbinde ich eine Vielzahl von tollen Menschen die kulturell und gesellschaftlich engagiert sind. Ich glaube, der Main und der Uni-Standort spielt natürlich eine große Rolle, aber die Menschen haben sicherlich den größten Einfluss darauf, die Stadt lebenswert zu machen.

Was Sven noch sagen wollte

„Falls euch das Debattieren interessieren sollte, könnt ihr euch das Finale der Regionalmeisterschaft am Sonntag um 14:00 als Livestream auf Youtube anschauen. Ihr könnt auch jederzeit zu einem unserer Termine (Donnerstag ab 20:00) vorbeischauen, dafür einfach bei Facebook oder per E-Mail bei uns melden.

Unsere Rubrik „Wir fragen…“

In unserer Rubrik „Wir fragen…“ stellen wir Persönlichkeiten aus Würzburg und der Umgebung aus den verschiedensten Lebensbereichen vor und fragen sie nach ihren Erfahrungen. Wen wolltest Du schon immer mal etwas Bestimmtes fragen? Schreib uns per Mail an redaktion@wuerzburgerleben.de oder kommentiert unter unserem Facebook-Posting!

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