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Das Jibbern-Team: Ammar Nahli, Anya Nahli, Heba Krkoutli, Rasha Alhomsi, Serpil Güçlü. Foto: Basel Asideh
Das Jibbern-Team: Ammar Nahli, Anna Sizova, Heba Krkoutli, Rasha Alhomsi, Serpil Güçlü. Foto: Basel Asideh

Wahl zum Ausländer- und Integrationsbeirat: Team Jibbern kandidiert

Bereits im Juni berichteten wir über Osama Albernawi und Basel Asideh und ihre Initiative „Jibbern“. Als Team Jibbern treten nun fünf Studenten zur Wahl des Ausländer- und Integrationsbeirats Würzburg am 28.03.21 an. Dabei verfolgt die Gruppe gemeinsame Ziele, aber setzt auch untereinander jeweils individuelle Schwerpunkte. Um mehr über die Wahl, die Ziele und das Engagement der Kandidaten zu erfahren haben wir ihnen ein paar Fragen gestellt.

Ausländer- und Integrationsbeirat Würzburg

Der Beirat besteht in Würzburg aus 15 Mitgliedern und setzt sich vor allem für drei wichtige Ziele ein. Durch den Beirat sollen die Lebensverhältnisse von Nicht-Deutschen verbessert werden, die freie Entfaltung unterschiedlicher kultureller Gemeinschaften soll gefördert werden und die volle gegenseitige Wertschätzung zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen soll erreicht werden.

Auf der Seite der Stadt Würzburg wird ausdrücklich festgestellt: „Der Beirat engagiert sich für Integration sowie gegen Rassismus und Intoleranz gegenüber Andersaussehenden und Andersdenkenden. Er tritt dafür ein, dass niemand wegen seiner Herkunft, seines Glaubens oder seines Geschlechts diskriminiert wird.“

Um diese Ziele voranzutreiben organisiert und entwickelt der Beirat soziale, kulturelle und politische Projekte, berät Migranten, die Diskriminierung erfahren haben, stellt Anträge oder Anfragen an den Oberbürgermeister und vieles mehr.

Wer kann wählen? 

Wahlberechtigt ist jeder, der/die eine ausländische Staatsangehörigkeit und Aufenthaltserlaubnis hat, EU-Bürger ist, seit mindestens drei Monaten in Würzburg wohnhaft ist, sich im Asylverfahren befindet und seit mindestens drei Jahren in Deutschland ist oder eine doppelte Staatsangehörigkeit hat.

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Aufgrund der Corona-Pandemie wird in diesem Jahr vorrangig per Briefwahl gewählt, die Briefwahlunterlagen müssen bis spätestens zum 28.03.21 im Rathaus eintreffen. Am Wahltag wird aber auch eine Wahlkabine im Rathaus bereitstehen.

Jibbern

Das Jibbern-Team kandidiert für die Wahl, doch was ist „Jibbern“ eigentlich? Die beiden Gründer, Osama Albernawi und Basel Asideh haben uns erzählt, was das Wort bedeutet und wofür die Initiative und auch das Team Jibbern steht. Demnach bedeutet „Jibbern“ wörtlich übernommen „etwas sehnsüchtig haben wollen“, Basel erklärt dazu, dass Jibbern als Initiative „nach einem harmonischen interkulturellen Zusammenleben strebt, bei dem alle Menschen wertgeschätzte Teile der Gesellschaft sind und ihre Potenziale ausschöpfen können.“ Um dem harmonischen Zusammenleben näherzukommen, engagiert sich Jibbern vorrangig für Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung, in dem sie Konzepte und Projekte gestalten, die auf unterschiedliche Art und Weise die persönliche und kulturelle Weiterentwicklung fördern.

Aber nicht nur das ist ein Teil von Jibbern, auch soziale Organisationen, öffentliche Einrichtungen und engagierte Menschen zu fördern und zu unterstützen, die selbst einen Beitrag zur Integration leisten möchten, ist Bestandteil der Initiative. Osama sagt dazu selbst: „Dies ist uns möglich da wir selbst sowohl die Herausforderungen eines Neuanfangs in einem anderen Land als auch die Strukturen und Kultur des Emigrations- sowie Immigrationslandes kennen.“

Team Jibbern

Zwischen Jibbern und dem Team Jibbern gibt es einen Unterschied. Gegründet wurde „Jibbern“ von Basel und Osama, das Team Jibbern wurde für die Wahl zum Ausländer- und Integrationsbeirat ins Leben gerufen. Es besteht aus Anna Sizovas, Ammar Nahli, Serpil Güçlü, Heba Krkouti und Rasha Alhomsi.

Vielfältige Schwerpunkte 

Bei der Team-Zusammenstellung war den beiden Gründern nicht eine Vielfalt an Nationalitäten wichtig, sondern eine Vielfalt an Themen. So setzte sich Anna bereits in Russland für Menschenrechte ein, studiert nun in Würzburg Political and Social Studies und setzt auch bei ihrer Kandidatur den Schwerpunkt auf Menschenrechte. Serpil studiert soziale Arbeit in Würzburg und engagiert sich vor allem in der Integration, sie möchte sich für mehr Integrationsprojekte einsetzen, um das Ankommen und Einleben für Migranten in Würzburg zu erleichtern. Heba ist Zahnmedizin-Studentin und setzt sich vor allem für Bildung und freie Entfaltung unterschiedlicher Kulturen ein. Rasha engagiert sich mit dem Projekt „Life back home“ für antirassistische Bildungsarbeit. Die Medizinstudentin möchte sich im Ausländerbeirat vor allem für Vielfalt und Frauenrechte einsetzen. Ammar ist Student der angewandten Mathematik und engagiert sich bei diversen Organisationen unter anderem der Seebrücke. Sein Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Bedingungen in Geflüchtetenunterkünften und den Rechten von Geflüchteten und Migranten.

Gemeinsame Ziele

Aber auch gemeinsame Schwerpunkte verbinden das Team. Laut Basel sind diese „der Abbau von Vorurteilen, die Bekämpfung von Rassismus und die Schaffung von mehr Hilfestellungen für internationale Studierende. Mit unserem vielfältigen Engagement, unterschiedlichen Schwerpunkten und Perspektiven glauben wir daran, dass wir in der Lage sind, hilfreiche Anfragen und Anträge an den Stadtrat zu stellen und gewinnbringende Stellungnahmen und Empfehlungen abzugeben. Wir glauben daran, so einen wertvollen Beitrag zum interkulturellen Zusammenleben zu leisten.“ Das Team Jibbern bildet damit ein Themen-diverses Gesamtpaket für den neuen Beirat.

Kandidatur 

Würzburg erleben: Was hat euch dazu bewegt, für die Wahl zu kandidieren? Gab es Erfahrungen, die diese Entscheidung beeinflusst haben?

Basel: Wir freuen uns unglaublich, in Deutschland Demokratie zu erleben und sogar aktiv mitgestalten zu dürfen. Als wir vor einem halben Jahr gemeinsam mit dem Ausländer- und Integrationsbeirat Würzburg eine Informationsveranstaltung durchführten, stand für uns schnell fest, dass wir diese Möglichkeit kommunale Entscheidungen mitzugestalten durch eine Kandidatur als Jibbern-Team unbedingt nutzen wollen. Wir stellten dabei aber fest, dass unsere Möglichkeiten, etwas im größeren Sinne zu bewegen oder eine große Zahl von Menschen zu erreichen eher begrenzt waren. Wir hoffen darauf, uns auf Ebene des Ausländerbeirats nun auch politisch einbringen zu können und auch hier die Gesellschaft mitgestalten zu können.

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Osama: Eine große Motivation für unsere Kandidatur war außerdem, dass wir Ausländer*innen die Demokratie Deutschlands näherbringen wollen. Es gibt Wahlberechtigte des Ausländer- und Integrationsbeirats Würzburg, die in ihrem Leben bisher keine Demokratie erlebt haben. Wir wollen ihnen zeigen, dass ihre Stimme zählt und etwas bewirkt. Wir wollen sie an die Demokratie Deutschlands heranführen und ihnen Glauben an demokratische Wahlen geben. Die Wahl des AIW ist eine tolle Gelegenheit, Ausländer*innen die Möglichkeit zu geben, Demokratie positiv zu erleben und sie so zu motivieren, auch bei anderen Wahlen ihre Stimme abzugeben. Es freut uns auch sehr, dass viele Menschen bereits an unsere Ziele glauben: schon über 600 Menschen haben unsere Jibbern- Ausländerbeirat Facebookseite abonniert, auf der wir Vorstellungsvideos der Kandidat*innen, Live-Videos zur Beantwortung von offenen Fragen und Informationen zur korrekten Briefwahl veröffentlichten.

Team-Kandidatur – Teamberatung 

Osama erzählt uns außerdem, dass anders als bei anderen Listen des Ausländer- und Integrationsbeirats die fünf Kandidat*innen vom Team Jibbern nicht unabhängig voneinander kandidieren, sondern als Team. Aus diesem Grund wird auch weiterhin das Team bei Entscheidungen miteinbezogen werden und zusammenarbeiten, auch wenn nicht alle einen Platz im Beirat erhalten sollten. Osama betont dazu: „Das ist uns wichtig, da wir auch weiterhin alle unsere Perspektiven und Themen vertreten wollen.“

Integration und Inklusion in Würzburg

Als Letztes wollten wir wissen, ob das Team Jibbern glaubt, dass in Würzburg aktuell genug für Integration und Migranten getan wird. Osama und Basel sind sich einig, dass es divers NGOs gibt, die Veranstaltungen und Projekte organisieren und umsetzen, die bereits ihren Beitrag zu dem Thema leisten und das auch sehr schätzen. Allerdings ist Integration ein langer Prozess, bei dem man langfristig dranbleiben muss. Denn trotz des bestehenden Angebots glauben die Beiden, dass noch reichlich Bedarf an Hilfestellungen für Migranten besteht. Zudem streben sie nicht nur die Integration, sondern vor allem die Inklusion der Migrant*innen in die Gesellschaft an.

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