Das Würzburger Rathaus. Foto: Pascal Höfig
Das Würzburger Rathaus. Foto: Pascal Höfig

In NS-Regime verstrickt: Würzburger Straßen werden umbenannt

Fünf Würzburger Straßennamen sollen geändert, drei weitere kontextualisiert werden: Das hat der Stadtrat in der letzten Sitzung auf Empfehlung der Straßennamenskommission beschlossen. Begründet wird dies mit den NS-Verstrickungen der Namensgeber.

Problematische Vergangenheit

Betroffen seien laut Beschlussvorlage der letzten Stadtratssitzung folgende Straßen:

  • Heiner-Dikreiter-Weg
  • Nikolaus-Fey-Straße
  • Schadewitzstraße
  • Hermann-Zilcher-Straße
  • Karl-Ritter-von-Frisch-Weg.

Letztere sei in Grundbesitz der Universität Würzburg und nicht des Freistaates Bayern, weshalb die Verwaltung beauftragt werden, eine Erlaubnis zur Umbenennung einzuholen. Aufgrund der problematischen Haltung in von Frischs Werk „Du und das Leben“ und der aktuellen Debatten rund um Rassismus und Inklusion habe man sich auch hier entschieden, die Benennung nach Karl Ritter von Frisch aufzuheben, heißt es.

Kriterien für neue Namen

Nun geht es an die Findung neuer Namen. Für neue Vorschläge wurden Kriterien festgelegt, so soll mindestens die Hälfte der Straßen nach Frauen benannt werden. Zudem sollen die Wege möglichst Gegnern oder Opfern des NS-Regimes gewidmet werden und auch die umliegenden Straßen berücksichtigt werden, z.B. wenn diese einer bestimmten Berufsgruppe zugeordnet sind. So können Würzburgern, ortsfremden, aber auch Rettungskräften die Orientierung erleichtert werden, heißt es in der Empfehlung der Straßennamenskommission.

Betroffene Anwohner, Grundstückseigentümer sowie Nachkommen der bisherigen Namensgeber sollen nun im Vorfeld in einer Informationsveranstaltung über die Umbenennungen und den Sachverhalt in Kenntnis gesetzt werden. Kosten für Maßnahmen zur Umbenennung entstehen ihnen allerdings nicht.

Mit Hinweisen kontextualisieren

Neben der Umbenennung einiger Straßen in Würzburg sollen auch einige kontextualisiert werden. Das betrifft bisher die Straßen

  • Armin-Knab-Straße
  • Peter-Schneider-Straße
  • Richard-Strauss-Straße.

Hier werden unter den Straßenschilder entsprechende Hinweise platziert, die auf weitere Infos zu den Namensgeber wie z.B. auf Websites verweisen sollen. Für die Erstellung und Verfügbarkeit der Texte hat ebenfalls die Stadt Sorge zu tragen.

 

Hearing am Kardinal-Faulhaber-Platz

Auch der Kardinal-Faulhaber-Platz soll nicht unberücksichtigt bleiben: Die Kommission empfiehlt hier die Durchführung eines sogenannten „Experten-Hearing“ bzw. ein „Fachsymposium“, um über eine Umbenennung oder Kontextualisierung zu entscheiden. Mit eingebunden werden soll auch der Münchner Stadtrat: In der bayerischen Hauptstadt habe man bereits in der Vergangenheit die Frage nach der Kardinal-Faulhaber-Straße intensiv diskutiert.

Im ersten Schritt sollen die Kontextualisierungen bereits im Frühjahr 2021 erfolgen, die Umbenennungen sollen bis Februar 2022 abgeschlossen werden. Das Hearing bzw. Symposium zum Kardinal-Faulhaber-Platz soll allerdings erst zum Sommer oder Herbst 2021 durchgeführt werden: Aufgrund der aktuellen Pandemielage möchte man möglichst vielen Interessenten die Möglichkeit geben, teilzunehmen.

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