Nadia Fiedler, Geschäftsführerin Christophorus Gesellschaft, Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Simone Bernhard-Schwarz (BRK) und Johanna Anken bei der Besichtigung der Wärmehalle. Foto: Christian Weiß
Nadia Fiedler, Geschäftsführerin Christophorus Gesellschaft, Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Simone Bernhard-Schwarz (BRK) und Johanna Anken bei der Besichtigung der Wärmehalle. Foto: Christian Weiß

Minusgrade: Unterstützung für obdachlose Menschen in Würzburg

Für obdachlose Menschen birgt der Winter und vor allem Temperaturen unter null Grad besondere Gefahren. Durch die Folgen der Coronapandemie haben sich die Rahmenbedingungen für Menschen ohne festen Wohnsitz nochmals verschärft: Wegen Hygieneschutz und Abstandsregeln haben Anlaufstellen und Einrichtungen sowohl in der Nacht als auch am Tag geringere Kapazitäten, so eine Pressemitteilung der Stadt Würzburg.

Kapazitäten für Notübernachtungen erhöht

Um ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen zu können hat die Stadt Würzburg in den letzten Monaten die Kapazitäten für Notübernachtungen in der städtischen Obdachloseneinrichtung deutlich erhöht. Darüber hinaus wurde ein Sicherheitsdienst installiert, der auch eine Erreichbarkeit in den Nachtstunden gewährleistet. So ist es in diesem Winter auch möglich Notschlafplätze über Nacht anzubieten bzw. bei Bedarf mittels Feldbetten zu erweitern, heißt es in der Presseinformation weiter.

Daneben bietet weiterhin auch die Kurzzeitübernachtung der Christophorus-Gesellschaft Aufenthalts- und Schlafgelegenheiten für Männer an. Speziell für Frauen dient das Haus Antonie Werr (Oberzeller Schwestern) am Haugerring als Anlaufstelle mit Kurzzeitübernachtung, Vermittlungsarbeit in Verfügungswohnraum oder für eine kurzfristige Übernachtung in der Bahnhofsmission. Ebenfalls in der Bahnhofsmission finden Frauen mit Kindern in Notsituationen ein Obdach über Nacht.

Bahnhofsmission Würzburg

Bahnhofsmission Würzburg. Foto: Darja Schano

Angebot der Wärmehalle ausgeweitet

Seit Januar ist in der Posthalle für bedürftige Menschen eine Wärmehalle eingerichtet. Neben Wärme, einem Tee und einer warmen Suppe ist dieser Ort für viele Menschen oft die einzige Möglichkeit einer Ansprache, einer Beratung und der Vermittlung zu medizinischen Diensten. Das Angebot wird von den Bedürftigen sehr gut angenommen, wie sich Oberbürgermeister Christian Schuchardt vor Ort bei den Projektleiterinnen Johanna Anken von der Bahnhofsmission sowie Simone Bernhard-Schwarz vom BRK in Begleitung der Geschäftsführerin der Christophorus Gesellschaft, Nadia Fiedler, informierte.

„Der Zuspruch, den die Wärmehalle erhält, zeigt, wie stark der Bedarf gerade in der Zeit der Pandemie ist“, so Schuchardt: „Deshalb freue ich mich, dass dieses Angebot nun von fünf auf sechs Tage ausgeweitet werden kann und wir den Menschen in Notlagen wichtige Anknüpfungspunkte und auch soziale Kontakte bieten können.“ Die Bahnhofsmission hat in enger Zusammenarbeit mit dem Sozialreferat die Planung für die Wärmehalle übernommen, ein Hygienekonzept erstellt, die Finanzierung für die erste Zeit sichergestellt und weitere Partner gewinnen können, informiert die Stadt. Die Wärmehalle bietet Platz für 16 gleichzeitig anwesende hilfesuchende Menschen.

Die Halle wird ab sofort von Montag bis Samstag von 11 bis 15 Uhr geöffnet sein.

Die Posthallen am Hauptbahnhof Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Die Posthallen am Hauptbahnhof Würzburg. Foto: Pascal Höfig

Spenden erwünscht

Neben unterstützenden Unternehmen sind bisher 140 kleine und größere Geld- und Sachspenden eingegangen und zur Aufrechterhaltung des Schutz- und Wärmeraums sind weitere Geld und Sachspenden herzlich willkommen, heißt es außerdem. Ansprechpartner sind unter den Telefonnummern 0931/73 04 88 01 (Bahnhofsmission) oder 0931/372527 (Sozialreferat der Stadt Würzburg) erreichbar.

Privatpersonen und Personen können das Projekt unter folgenden Bankverbindung unterstützen: Christophorus-Gesellschaft LIGA Bank, IBAN DE82 7509 0300 0103 0018 81, Verwendungszweck: Wärmehalle Coronawinter.

Pandemie besonders hart für Obdachlose

Die neu eröffnete Wärmehalle am Würzburger Hauptbahnhof sei eine wichtige Initiative für Obdachlose, wie der Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Würzburg e. V. in einer Pressemitteilung informiert. Der seit fünf Jahren durch die youncaritas organisierte Stadtrundgang „Würzburg offside“ zum Thema Wohnungslosigkeit fand am 1. Februar nun online statt. Ein inhaltlicher Schwerpunkt war dieses Mal die aktuellen Herausforderungen durch die Pandemie: „Wohnungslose Menschen trifft die Corona-Pandemie besonders hart“, erklärte youngcaritas-Koordinatorin Esther Schießer. „Soziale Einrichtungen, Geschäfte, Büchereien, Universitäten und Beratungsstellen sind teilweise geschlossen. Daher fehlt es an Orten, wo wohnungslose Menschen sich aufwärmen und Zeit verbringen können.“ , so die Pressemitteilung weiter.

Die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen haben aber noch weitergehende Auswirkungen, so Esther Schießer. Dass zurzeit deutlich weniger Menschen in der Innenstadt unterwegs sind, bedeute für wohnungslose und arme Menschen gleichzeitig auch weniger Einnahmen. Denn: Es gibt dementsprechend weniger Menschen, die Geld in die Spendenbox werfen oder die „Straßen Gazette“ kaufen und es gibt auch weniger Pfandflaschen, die gesammelt werden können.

Ausgangsbeschränkungen kaum einzuhalten

Hinzu kommt, dass für wohnungslose Menschen die Ausgangsbeschränkung kaum einzuhalten sei. Wer kein festes Zuhause habe, könne auch nicht Zuhause bleiben, so der Caritas Verband. Wenn dann mehrere Personen an szeneinternen Treffpunkten zusammenkommen, geraten sie wegen der geltenden Kontaktbeschränkung schnell ins Visier von Ordnungsamt und Polizei. Auf rein digitalen oder telefonischen Kontakt zu Freund und Bekannten können die meisten wohnungslosen Menschen ebenfalls nicht ausweichen; es fehlt schlicht an Geld für elektronische Geräte inklusive der entsprechenden Verträge bei Telefon-/Internetanbietern.

„Die Corona-Pandemie hat die Situation von armen und wohnungslosen Menschen verschärft. Es ist wichtig, dass gerade in Krisenzeiten benachteiligte Menschen ausreichend Unterstützung erhalten“, so die youngcaritas-Koordinatorin laut Pressemitteilung am Ende des virtuellen Rundgangs.

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