Parkplätze am Paradeplatz. Foto: Dominik Ziegler
Parkplätze am Paradeplatz. Foto: Dominik Ziegler

„Grüner Platz am Dom“: Bessere Aufenthaltsqualität am Paradeplatz gefordert

Wie bereits berichtet, wird in einem interfraktionellen Antrag gefordert, im Rahmen der Neugestaltung der Residenz-Dom-Achse in Würzburg Parkplätze um den Dom zu entfernen. Das wurde v.a. von der CSU scharf kritisiert. Unter anderem sehe man einen großen Nachteil für den Einzelhandel heißt es. Nun äußern sich auch die Gegenparteien: Der Bund Naturschutz fordert eine „größere Anstrengung bei der Durchgrünung Würzburgs“ und spricht sich damit für eine Begrünung des Paradeplatzes aus.

Die Neugestaltung der Residenz-Dom-Achse war Thema der letzten PUMA-Sitzung und wurde auf die nächste Sitzung des Stadtrates am Donnerstag, 28. Januar, vertagt.

Würzburg als „Klimahotspot Bayerns“

„Würzburg ist der Klimahotspot Bayerns“, so das Pressestatement des Bund Naturschutz (BN). Besonders die Innenstadt soll im Sommer besonders unter der Hitzebelastung leiden, heißt es. Eine Lösung sieht der BN in einer Begrünung der Innenstadt und insbesondere des Paradeplatzes nach dem Vorbild des Kardinal-Faulhaber-Platzes. „Spätestens nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren zum Grünen Platz am Theater ist klar, dass die Würzburger mehr Lebensqualität in ihrer Stadt haben möchten“, so Vorsitzender Armin Amrehn. Seit 1920 habe sich die Temperatur in Franken stetig erhöht, in Würzburg würden die Abweichungen im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961 bis 1990 zum Teil schon bei bis zu + 5 Grad im Monat liegen, heißt es. Das würde auch den menschlichen Körper belasten, da durch sogenannte „Tropennächte“ beispielsweise auch der Schlaf fehle.

Entwurf des Garteamtes zur Gestaltung des Kardinal-Faulhaber-Platzes. Grafik: Gartenamt Stadt Würzburg

Entwurf des Garteamtes zur Gestaltung des Kardinal-Faulhaber-Platzes. Grafik: Gartenamt Stadt Würzburg

Der BN Würzburg sehe „einen Wegfall der Parkplätze am Paradeplatz bei knapp 7.800 Parkplätzen im Innenstadtbereich“ als unproblematisch an. „Zudem ist die Innenstadt mit der Straßenbahn gut erreichbar“, heißt es. Der BN fordere daher alle Stadtverantwortlichen auf, sich für „eine lebenswerte Stadt, mit viel Grün, wenig Verkehr, gesunder Luft und einem verträglichen Klima“ einzusetzen, so das Statement. „Davon profitieren alle Bürgerinnen und Bürger – nicht zuletzt der Einzelhandel“, heißt es weiter.

Bündnis Verkehrswende freut sich

Auch das Bündnis Verkehrswende äußert sich in einer Pressemitteilung zum Antrag. Hier heißt es im Wortlaut:

„Wir freuen uns sehr, dass der interfraktionelle Antrag zur Neugestaltung der Achse Dom-Residenz, dessen Grundlage das Konzept zur Verkehrsberuhigung der Innenstadt des Bündnisses Verkehrswende jetzt ist, am Donnerstag im Stadtrat besprochen wird“, so Dr. Volker Glöckner, Pressesprecher des Bündnisses. „Die Aufwertung der Achse Dom-Residenz und besonders des Paradeplatzes verspricht nicht nur mehr Lebensqualität für die Anwohnerinnen und Anwohner, sondern auch eine Erhöhung der Attraktivität für Gäste. Bei jeder Erweiterung der Fußgängerzone gab es anfangs auch Kritik, letztendlich hat sie sich für Würzburg als Stadt, wie gerade auch für den Einzelhandel, immer bezahlt gemacht. Heute ist es kaum noch vorstellbar, dass auf dem Marktplatz oder in der Eichhornstraße vor allem Autos geparkt haben.“

Auch zur Erreichbarkeit der Innenstadt äußert sich das Bündnis:

„Vor allem ältere und mobilitätseingeschränkte Personen benötigen Möglichkeiten, innenstadtnah zu parken, weshalb wir den Vorschlag, die Anzahl der Behindertenparkplätze zu erhöhen, ausdrücklich begrüßen“, so Volker Glöckner weiter. Auch möchte das Bündnis daran erinnern, dass es mit knapp 7.800 Parkplätzen im Innenstadtbereich kaum eine andere Stadt dieser Größe gibt, die Würzburg in dieser Hinsicht das Wasser reichen kann. Dabei liegt die maximal zurückzulegende Entfernung – je nach Wahl des Parkplatzes – zwischen 50 und 250 Metern, was einer maximalen Laufzeit von 4 min entspricht.“

Aufwertung der Innenstadt

Auch die Linke-Fraktion erklärt, dass sie es wichtig finden, die Innenstadt weiter aufzuwerten. „Es sind eben gerade die Fußgänger, ÖPNV-Nutzer und Radfahrer, die deutlich mehr Umsatz generieren als diejenigen, die mit dem Auto zum Einkaufen in die Innenstadt fahren“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Wären Parkplätze keine Geldeinnahmequelle, müssten wir längst nicht darüber diskutieren und jeder Arzt hätte selbstverständlich seine nötigen Patienten-Parkplätze“, konkretisiert Stadträtin Anna-Maria Dürr und ergänzt: „Wir sollten vielmehr darauf achten, was wir gewinnen können, mehr Fläche für die Menschen, denn denen gehört doch die Stadt und nicht dem Blech auf den Parkplätzen. Dieses sollte ein Grundgedanke der Freiflächenplanungen für unsere Stadt sein!“

Paradeplatz als Teil der touristischen Achse

Damit sprechen sich die Linken aber nicht gegen eine Verbesserung des Verkehrskonzeptes aus. „Wir nehmen den Appell des Einzelhandelsverbandes WümS gerne auf und werden in Zukunft eine noch schnellere Aufwertung des ÖPNV und einen zügigen Aufbau angeschlossener P+R-Plätze fordern. Unsere verkehrspolitische Zielrichtung ist es, allen Verkehrsteilnehmern eine möglichst sichere und angenehme Mobilität zu gewährleisten“, heißt es weiter.

Auch der touristische Aspekt soll hierbei Beachtung finden „Der Paradeplatz ist Teil der touristischen Achse Residenz-Dom, die durch Nutzung als Rondell für Parkplatzsuchende keinerlei Charme für Besucher der Stadt versprüht“, ergänzt Stadträtin Barbara Meyer. „Zur Förderung des Tourismus reicht es einfach nicht aus, dass auch am Paradeplatz ein neues Hotel entstehen soll. Vielmehr wiegt dabei, die fußläufigen Verbindungen zwischen Würzburger Sehenswürdigkeiten attraktiv zu gestalten. Und in Sachen Attraktivität zeigen hier gerade die verkehrsberuhigten Änderungen der alten Mainbrücke und des für verschiedene Anlässe genutzten Marktplatzes, was mit einer neuen Nutzung des Paradeplatzes entstehen kann – gegen diese Möglichkeiten scheint der Wegfall der Parkplätze nur ein minimales Problem zu sein“, heißt es abschließend.

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