Das Projekt RG6: (v.l.: Nils, Fabian, Luis) Foto: Fabian Faust
Das Projekt RG6: (v.l.: Nils, Fabian, Luis) Foto: Fabian Faust

Projekt RG6: Eine Würzburger Hip-Hop Crew im Interview

Wer sich schon immer die Frage gestellt hat, was einen Psychologen, einen Germanistik- und einen Masterstudenten der Innovation miteinander verbindet, der bekommt hier seine Antwort: Die Musik. Das Rap-Trio, in dem verschiedene Welten aufeinander prallen, nennt sich „RG6″ und liefert seit 2020 facettenreichen Hip-Hop aus Mainfranken. Ihre zuletzt erschienene Single schließt mit dem ereignisreichen Jahr 2020 ab und verspricht viel für die Zukunft des Projekts. Im Interview erzählen uns „SxP“ alias Luis, „slinK“ alias Nils und „Me Fisto“ alias Fabian, wie ihre Verbindung zustande kam, was sie mit der Musik erreichen möchten und wofür „RG6″ eigentlich steht.

Vom Theater und den Mainwiesen zur Rap-Crew

Würzburg Erleben (WE): Hallo Fabian, stell dich und deine Crew-Mitglieder einmal kurz vor, woher kommt ihr und was macht ihr?

RG6: Hallo, erst einmal freuen wir uns, dass ihr uns die Möglichkeit für ein Interview gebt! Unsere Crew besteht aus SxP (Luis), slinK (Nils) und mir, Me Fisto (Fabian). Wir kommen alle aus Würzburg. Luis studiert im Master Innovation im Mittelstand und Nils studiert Germanistik und arbeitet nebenbei am Theater. Ich arbeite als Psychologe in einer Psychiatrie und befinde mich derzeit in der Weiterbildung zum Psychotherapeuten.

(WE): Wann und wie habt ihr euch kennengelernt?

Fabian: Luis und ich kennen uns seit ca. 13 Jahren. Kennengelernt haben wir uns mal auf den Würzburger Mainwiesen, als es dort noch kein Alkoholverbot gab. Wir stellten damals fest, dass er mit seiner Familie in die Nähe von mir ziehen wird. Seitdem blieben wir immer in Kontakt, haben auch das ein oder andere Wochenende gemeinsam zelebriert und wurden gute Freunde. Dass wir einmal zusammen Musik machen werden, haben wir damals aber noch nicht gedacht. Luis und Nils haben sich als Schauspieler am Theater Chambinzky in einer Inszenierung des „Kleinen Prinzen“ kennengelernt. Aufgrund der anstrengenden Proben hingen sie eine ganze Zeit lang viel aufeinander, woraus dann eine gute Freundschaft und der ein oder andere feuchtfröhliche Abend wurde – an einem eben solchen wurde auch die Idee geboren, zusammen zu rappen. Nils und ich haben uns dann tatsächlich erst bei unserem ersten Crew-Treffen kennengelernt, nachdem Luis uns zusammengeführt hatte.

Projekt „RG6“

WE: Wie kam es zu der Projektidee „RG6“?

RG6: Nils hat Luis ein paar seiner Solotracks gezeigt und ihn so motiviert, sich mal wieder mehr der Rap-Musik zu widmen. Zu dem Zeitpunkt kannte ich Nils noch überhaupt nicht. Da ich aber immer in Kontakt zu Luis stand, hatte Luis schon einige Zeit vor unserer Gründung vorgeschlagen, dass wir zu dritt mal etwas starten sollten. Bis es dann endlich zum ersten gemeinsamen Treffen kam, hat es einige Zeit gedauert. Nach der ersten Session war für uns aber relativ schnell klar, dass wir auf jeden Fall dieses Projekt starten wollen.

WE: Hat jeder für sich vor RG6 schon Musik veröffentlicht?

Fabian: Ich hatte in den letzten Jahren zu meinen Studienzeiten in Eichstätt lediglich ein paar Live-Auftritte in kleinerem Rahmen mit einem DJ und Beat-Producer (Etur Usheo). Just for fun haben wir ein paar Tracks in Home-Studio-Version aufgenommen, was qualitativ zunächst überschaubar war. Daher habe ich zurzeit richtig Lust, es jetzt mit den Jungs ein bisschen professioneller anzugehen. Dass der Output jetzt auch qualitativ besser wird, ist vor allem unserem Producer Alexander „Babel“ Renner zu verdanken. Luis hat schon früher als ich angefangen Tracks zu schreiben und auch mal etwas aufzunehmen, aber nie groß irgendwas öffentlich gemacht. In unserem Archiv gibt es sogar ein nicht veröffentlichtes Musikvideo von ihm, da habe ich aber vor einigen Jahren beim Filmen geholfen. Nils hat vor drei Jahren mit Battlerap im Internet angefangen und danach einige Solotracks und eine EP veröffentlicht.

WE: Wofür steht „RG6″?

RG6: RG6 steht für die „Rosengasse 6“ in Würzburg, Luis‘ alte WG, die für alle Freunde und Bekannte von ihm zum ikonischen Codewort für spontane Treffen und Partys war (vor der ganzen Corona-Situation natürlich!). Da war immer gut was los. Dort haben wir uns im Sommer zum ersten Mal getroffen und auch erste Aufnahmen gestartet. Weil das auch der Ort unserer Gründung war, dachten wir uns, wir machen daraus auch gleich unseren Crew-Namen.

Optimismus & Facetten

WE: Am 31.12. habt ihr euren neusten Song veröffentlicht „2020 BYE BYE“: Was für ein Gefühl wollt ihr den Hörern mit dem Song und eurer Musik generell vermitteln?

RG6: Nach dem Corona-Jahr 2020 war unsere Intention zum Jahresabschluss einen Track zu produzieren, der die Stimmung etwas auflockert, Optimismus vermittelt und auf wesentliche wichtige Punkte im Leben verweist (Familie, Freunde u.a.). Die Idee zum Musikvideo, für welches unsere Community Tanzvideos zum Beat des Tracks einsendete, entstand spontan und als Reaktion auf die zu dieser Zeit geltenden Maßnahmen, die uns einen größeren Dreh zusammen leider unmöglich machten. Dass wir so viele Einsendungen erhalten, hätten wir selbst nicht gedacht, wobei viele Videos natürlich aus unserem Freundeskreis stammen.

WE: Werdet ihr bei den zukünftigen Songs beim Hip-Hop bleiben oder wird man noch andere Facetten an euch kennenlernen?

Fabian: Wenn es nach mir geht, würde ich gerne beim Hip-Hop bleiben. Innerhalb unserer Crew treffen hier bereits drei Welten aufeinander, weshalb wir meiner Ansicht nach schon innerhalb des Hip-Hop-Genres facettenreich auftreten. Da steht vor jedem Song auch immer ein ausgiebiger kreativer Findungsprozess, weil der eine mehr auf das steht, der andere mehr auf das, aber genau diese Mischung macht uns ja aus. Aber was wir in Zukunft vielleicht noch alles produzieren werden, können wir jetzt noch nicht vorhersagen. Luis spielt mit dem Gedanken, etwas in die akustische Richtung im Stil von „MTV Unplugged“ zu machen. Aber das wird wie gesagt die Zukunft zeigen.

Musik als Zukunftsperspektive?

WE: Ist es Ziel, hauptberuflich Musik zu machen?

RG6: Aktuell denken wir da realistisch. Unsere Crew existiert noch nicht einmal ein halbes Jahr, wir befinden uns demnach noch in der Startphase. Natürlich träumt man als Musiker davon, irgendwann mit seinen Songs Geld zu verdienen, aber momentan ist die Musik für uns einfach ein Hobby – in das wir jedoch schon viel investieren. Wir würden uns fürs Erste schon mal freuen, wenn wir einen Live-Auftritt spielen könnten, das ist unser nächster großer Schritt.

WE: Bleibt RG6 ein zeitlich begrenztes Projekt oder wollt ihr langfristig gemeinsam Musik machen?

RG6: Auch wenn unser Crew-Name „Projekt RG6“ lautet, sehen wir unsere Zusammenarbeit nicht als zeitlich begrenzt an. Unser Konzept beinhaltet allerdings auch die Möglichkeit, mal etwas solo zu releasen oder coole Features an den Start zu bringen. Wir sind quasi eine Crew mit Label-Strukturen. Man kann natürlich nie sagen, was in der Zukunft noch so passieren wird, aber momentan planen wir auf jeden Fall langfristig miteinander Musik zu machen.

WE: Was ist für die Zukunft noch geplant?

Fabian: Wir arbeiten gerade an zwei Releases, die ein bisschen mehr Aufwand erfordern, ein Release sogar in Kooperation mit der FH Würzburg, für den anderen Release verwenden wir einen Beat von Etur Usheo, meinem Eichstätter Kollegen und Producer. Wir haben noch keine konkreten Dates, wann genau wieder etwas veröffentlicht wird. Wir werden aber auf Instagram unsere Follower immer up to date halten!

Das Cover einer Singel von Projekt RG6. Foto: Projekt RG6

Das Cover einer Single von Projekt RG6. Foto: Projekt RG6

Der Track und das Musikvideo „Lockdown“ sind innerhalb von zwei Wochen entstanden, daher kann es schon sein, dass auch mal kurzfristig wieder etwas produziert und veröffentlicht wird. Für das Jahr 2021 sind wir auf jeden Fall motiviert, neuen Output zu bringen. Luis ist zurzeit fleißig am Schreiben für seine Solo EP, die aber natürlich von Nils und mir gefeatured wird. Geplant ist das Ding auch für 2021, aber wahrscheinlich so Richtung Herbst. Und mit Sicherheit wird jeder auch seinen eigenen Solotrack raushauen dieses Jahr, da werden wir uns aber alle gegenseitig supporten. Auch Nils und ich arbeiten jeweils an einer Solo EP, haben hierfür aber auch noch keinen zeitlichen Rahmen festgelegt.

- ANZEIGE -