FFP2-Masken tragen und Gemüse ohne Handschuhe anfassen? Ein Widerspruch - so der Autor. Foto: Jessica Hänse
FFP2-Masken tragen und Gemüse ohne Handschuhe anfassen? Ein Widerspruch - so der Autor. Foto: Jessica Hänse

Kommentar: FFP2-Masken – und dennoch tatschen wir dasselbe Gemüse an

Ein Kommentar von Manuel Scholze.

Ab heute dürfte er starten, der Run auf FFP2. Drei Buchstaben, eine Zahl, ein weiteres hausgemachtes Problem. Denn der neueste Beschluss des söderschen Regierungskonzepts „Eiserne Hand“ ist nicht zu Ende gedacht. Was zum Schutz der Bevölkerung vielleicht gut gemeint ist, befeuert sozialen Neid und ist weit weg von dem totalen Schutz, den die FFP2-Masken-Pflicht beim Einkaufen und ÖPNV darstellen soll.

Länger benutzt als empfohlen

FFP2-Masken schützen, das ist wissenschaftlich erwiesen, nicht nur andere, sondern auch einen selbst. Zumindest, wenn sie richtig angewendet werden. Das bedeutet, dass FFP2-Masken grundsätzlich nach einem Arbeitstag, also acht Stunden Tragezeit oder vorheriger Durchfeuchtung entsorgt werden müssen. So teilt es das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit.

Bei Kosten von mindestens einem Euro pro Maske, in Apotheken sogar bis zu fünf Euro pro Stück, werden Gutverdiener gönnerhaft sagen: „Für meine Gesundheit gebe ich doch gerne Geld aus.“ Der allgemeine Effekt kann schon heute prophezeit werden. FFP2-Masken werden weit über die empfohlene Anwendungszeit benutzt werden. Im Gegensatz zu den Community-Masken dürfen sie auch nicht mit kochendem Wasser übergossen werden, da sie dadurch ihren Schutz verlieren. Das wird dennoch passieren. Und das wäre schlecht, wirklich schlecht – für alle.

Kein Konzept für die Arbeit

Mal ehrlich: Wenn wir uns beim Einkaufen nun alle schön in der weißen Supermaske begegnen, pfeffern wir das Ding am Arbeitsplatz ohnehin wieder munter in die Ecke und  hauen fleißig im Großraumbüro in die Tasten. In dieser, gesetzlich nahezu regelfreien, Zone, ist das schließlich möglich. Wenn Markus Söder im Supermarkt schützen will, muss er auch ein passendes Konzept für die Arbeitssituation mitliefern. Daran hakt es seit Monaten, da reicht keine Empfehlung und Bitte für das Homeoffice bei denjenigen, bei denen das möglich ist. Und Homeoffice ist nach wie vor für viele Teile der Arbeitnehmer nicht möglich.

„Willkürlich doppelt moppeln“

Was spricht eigentlich gegen die Community-Masken aus Stoff, die doch von allen im Supermarkt getragen werden? Diese  Antwort ist uns der Freistaat ebenfalls schuldig. Wenn ich andere damit schütze und die anderen mich durch ihre Maske schützen, sollte es doch zu keiner Übertragung kommen? So zumindest die bisherige Ansicht. Der neue Vorstoß aus München lässt vermissen, klare wissenschaftliche Erkenntnisse zur neuen Maßnahme darzustellen. Es klingt, als müssten wir uns jetzt willkürlich doppelt moppeln.

„Am Ende tatschen wir alle weiterhin dasselbe Gemüse an“

Anstelle eines Securitys braucht es künftig wohl eher einen Apotheker an der Discounter-Pforte. Wer sonst soll genau erkennen, welche Maske FFP2-Standards erfüllt? Schließlich gibt es auch gleichwertige KN95-Masken. Oder eben einfache weiße OP-Masken, die, auf den ersten Blick zumindest, an FFP2-Masken erinnern könnten. Zuvor war das einfacher. Wer ein Stück Stoff im Gesicht hat, handelt korrekt. Die Polizei, Security oder Einzelhändler selbst werden die neue Regel-Kontrolle kaum leisten können. Man verlässt sich eben  eher gutgläubig darauf, dass sich der jeweilige Bürger an den neuen Standard hält.

Markus Söder möchte angesichts der steigenden Zahlen ohne Kompromisse regieren. Doch diesen Versuch einer totalen Sicherheit wird es auch mit einer FFP2-Maskenpflicht nicht geben. Am Ende tatschen wir alle weiterhin dasselbe Gemüse an. Von einer Handschuhpflicht ist aber nichts zu sehen. Oder kommen sie noch, die Geister die ich rief?

Artikel von Manuel Scholze zuerst auf mainding.de erschienen. 

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