Auch dieses Jahr findet das Internationale Filmwochenende statt. Die Organisation läuft bei Vivi und Max eben über Videocalls und Co. Foto: Max Trompeter
Auch dieses Jahr findet das Internationale Filmwochenende statt. Die Organisation läuft bei Vivi und Max eben über Videocalls und Co. Foto: Max Trompeter

47. Internationales Filmwochenende – dieses Mal komplett digital

2020 ist von der Corona-Pandemie geprägt und auch 2021 ist (noch) kein Ende in Sicht: Ins Kino gehen und Events besuchen ist im aktuell noch andauernden Lockdown nicht möglich. Doch die Kulturbranche lässt sich in Würzburg nicht unterkriegen: Trotz des Lockdowns findet beispielsweise das 47. Internationale Filmwochenende Würzburg statt – nur eben anders. Die Organisatoren Vivi und Max über das diesjährige Festival, das auch ohne Gäste die Stadt mit Kultur bereichern soll.

Seit 47 Jahren organisiert

Würzburg erleben (WE): Was ist das Internationale Filmwochenende Würzburg?

Vivi Bogumil: Ein Festival, das seit 47 Jahren am letzten Januarwochenende Filmproduktionen und Filmschaffende aus der ganzen Welt nach Würzburg holt. Dabei werden vier Tage lang Spielfilme, Dokumentationen und Kurzfilme quer durch alle Genres gezeigt, die manchmal noch keinen deutschen Verleih gefunden haben oder nie sonst hier auf der großen Leinwand zu sehen sein werden. Also ein langes Wochenende von, mit und für Filmfans, die sich auch an vermeintlich Fremdes und Abwegiges wagen.

WE: Wer steckt dahinter?

Max Trompeter: Erstmals organisiert haben das FiWo 1974 zwei Würzburger Studenten namens Meinhard Zumfelde und Norbert Westenrieder, die ein Forum für Fremdsprachenkino und Gespräche zwischen Zuschauern und Regisseuren schaffen wollten. Die beiden gründeten mit Freunden die Filminitiative Würzburg, die seitdem das Festival jährlich rein ehrenamtlich auf die Beine stellt. So vielfältig die Aufgaben dabei sind, ist auch der Verein: Es gibt alte Hasen, die seit Jahrzehnten dabei sind, sowie jedes Jahr neue Mitglieder, die mit anpacken.

Filmwoche als Stream

WE: Dieses Jahr ist alles anders: Inwiefern beeinflusst die Pandemie Euer Event?

Vivi: Ein Festival lebt eigentlich von seinen Gästen und der besonderen Atmosphäre vor Ort. Da nun Gewissheit besteht, dass Kinos und andere Veranstaltungsstätten den ganzen Januar geschlossen bleiben müssen, wird auch beim FiWo alles anders. Bereits in den letzten Monaten konnten wir nicht blauäugig mit Tausenden Festivalbesuchern in vier Spielstätten planen. Also haben wir uns rechtzeitig etwa um einen Streamingpartner bemüht.

Noch im letzten Jahr besuchten zahlreiche Gäste das Internationale Filmwochenende in Würzburg vor Ort. Foto: Internationales Filmwochenende Würzburg

Noch im letzten Jahr besuchten zahlreiche Gäste das Internationale Filmwochenende in Würzburg vor Ort. Foto: Internationales Filmwochenende Würzburg

WE: Wie soll die Alternative nun aussehen?

Vivi: Das 47. Internationale Filmwochenende wird 2021 vom 28. Januar bis 3. Februar stattfinden – und das vollkommen digital. Zudem wird aus dem Filmwochenende erstmals eine Filmwoche. Eigentlich wollten wir damit den Spielplan zeitlich entzerren, um kein Gedränge im Kino-Foyer zu produzieren. Nun bedeutet dies einfach, dass unsere Zuschauer das Programm mit 25 Filmen sieben Tage lang unter www.filmwochenende.de streamen können.

WE: Gab es auch Überlegungen, das Filmwochenende aufgrund der lange unsicheren Lage komplett abzusagen?

Max: Das stand zur Debatte, klar. Wenn ich mich aber recht entsinne, war bei unserer Abstimmung keiner dafür, das FiWo 2021 komplett abzublasen.

Vivi: Das stimmt. Wir waren uns alle einig, dass unserer Stadt und der Region gerade in solch kulturarmen Zeiten eine Internationale Filmwoche gut zu Gesicht steht.

WE: Welche Probleme und Schwierigkeiten zog die Organisation mit sich?

Max: Auch wir besprechen uns dieses Jahr weitgehend über Video-Chats, Mails und Telefonate. Das hat Vorteile, so können Vereinsmitglieder, die nicht in Würzburg wohnen, leichter an den großen Treffen teilnehmen. Der Wermutstropfen dabei ist allerdings, dass uns der direkte Austausch schon arg abgeht. Gerade in der Programmgruppe können wir nicht wie sonst Filme gemeinsam sichten und diskutieren. Die Auswahl leidet aber ganz sicher nicht darunter, keine Sorge.

Vivi: Außerdem konnten wir zu keinem Zeitpunkt langfristige Entscheidungen treffen, weil daran jeweils ein Rattenschwanz an weiteren unkalkulierbaren Entscheidungen hing. Einfaches Beispiel: Programmheft. Schalten heuer alle unsere Werbepartner wieder eine Anzeige? Falls nicht, müssten wir die Auflage runterfahren, was sich wiederum auf die Akquise auswirkt. Und wie kriegen wir die Programmhefte dann unter die Leute? Sind im Januar Kneipen und Geschäfte, wo diese sonst ausliegen, überhaupt geöffnet?

WE: Was sind Eure diesjährigen Programmhighlights?

Max: Ich bin großer Dokumentationen-Fan und mag es besonders, wenn sie große, kinowürdige Bilder liefern. „Winterreise“ ist so ein Film, ein Mix aus Doku und Spielfilm über einen jüdischen Musiker zurzeit der Shoah. Zudem ist es der letzte Auftritt von Bruno Ganz, der vor knapp zwei Jahren verstarb. Den kennen viele vor allem als Hitler in „Der Untergang“ oder aus „Der Himmel über Berlin“ von Wim Wenders.

Vivi: Mich begeistern jedes Jahr unsere Kurzfilmblöcke. Die Programmgruppe sucht nach unterschiedlichsten Kurzfilmen aus aller Welt und komponiert daraus einen harmonischen Filmblock, bei dem immer was dabei ist, das ich nicht hätte missen wollen. 2021 kann man sich auf eine bunte Mischung aus Drama und Satire, Stop-Motion und Animation, Stummfilm und Originalton freuen. Unsere acht Kurzfilme kommen dabei aus Deutschland, Schweden, Italien, den USA und Puerto Rico und gehen so richtig an Herz und Nieren.

Mit Spenden und Ehrenamt unterstützen

WE: Wo seht Ihr das aktuelle Problem in der Kulturbranche?

Vivi: Kultur steht für so vieles – nicht nur Film, auch Theater, Musik, Kunst. Und daran hängt wiederum noch mehr: Freizeit, Bildung, Therapie und vor allem Jobs. Wer von Kultur lebt, fühlt sich gerade an den Rand gedrängt, hat sogar Existenzangst. Wer mit Kultur lebt, verliert gerade ein großes Stück von sich selbst. Es ist ein Spiel auf Zeit – und viel Zeit hat die Kultur nicht mehr.

WE: Wie kann man Euch bzw. allgemein Kulturschaffende unterstützen?

Max: Natürlich ist jeder eingeladen – egal wie alt, egal wie erfahren – sich bei uns zu engagieren. Wie jede ehrenamtliche Organisation können wir immer Nachwuchskräfte gebrauchen. Auch Spenden sind jederzeit willkommen. Neben unserem regulären Festivalticket gibt es in diesem Jahr z.B. die Option, freiwillig ein Soli-Ticket zu kaufen und die Filminitiative damit zu unterstützen. In der Corona-Zeit geht es uns aber umso mehr darum, die Kultur wieder ins kollektive Gedächtnis zu rufen. Wir freuen uns dieses Jahr tatsächlich noch mehr über jeden, der unser Angebot wahrnimmt und sich von unseren Filmen unterhalten lässt.

- ANZEIGE -