Wir fragen Vanessa Treier: Wie sieht der Alltag als "Contact Tracer" aus? Foto: Lucas Kesselhut/ Landratsamt Würzburg
Wir fragen Vanessa Treier: Wie sieht der Alltag als "Contact Tracer" aus? Foto: Lucas Kesselhut/ Landratsamt Würzburg

Wir fragen einen Contact Tracer: Wie sieht der Alltag aus?

Die Nachverfolgung von Kontaktpersonen bei SARS-CoV-2 Infektionen spielt eine Schlüsselrolle in der Pandemie. Insgesamt 53 Personen sind aktuell im Landratsamt Würzburg im „Contact Tracing Team“ tätig – eine davon ist Vanessa Treier aus Retzbach. Uns erzählt die 34-Jährige, wie sie dazu kam und wie ihr Alltag in der Kontaktverfolgung aussieht.

Enge Kontakte bei Infektionen ermitteln

Würzburg erleben (WE): Wie lange sind Sie schon im Contact Tracing Team tätig und wie kamen Sie dazu?

Vanessa Treier: Seit 5. Oktober 2020 arbeite ich als Contact Tracerin. Meine Cousine hatte mir die Stellenanzeige vom Juni weitergeleitet, da ich durch die Pandemie arbeitslos wurde. Auf meine Bewerbung erhielt ich dann Ende September 2020 eine Einladung zum Vorstellungsgespräch und wurde mit anderen Kollegen im Oktober eingestellt.

WE: Welche Aufgaben gehören zum Alltag der Contact Tracer?

Vanessa Treier: Wir unterstützen die Ärzte im Haus bezüglich der Ermittlung der infizierten Personen und deren Kontaktpersonen.

Nach Befundeingang kontaktieren wir die auf SARS-CoV-2 positiv getesteten Personen und ermitteln deren engeren Kontakte. Wir ordnen die Isolation für positiv getestete Personen und Quarantäne für Kontaktpersonen an, organisieren Testtermine und entscheiden in Absprache mit unserem Team, welche weiteren Maßnahmen eingeleitet werden müssen. Manchmal kommt es vor, dass uns keine Kontaktdaten zu den positiv getesteten Personen übermittelt werden. Dann müssen wir diese selbst herausfinden. Dabei können wir auf die Unterstützung der Polizei vertrauen, die in den meisten Fällen weiterhelfen kann.

Tägliches Corona-Update für Würzburg

Daneben stehen wir auch für Rückfragen, die unsere Kollegen vom Bürgertelefon nicht beantworten können, zur Verfügung.
Einer der wichtigsten Punkte für uns ist es, den Infektionskontext herauszufinden, dabei kommt es auf Fingerspitzengefühl bei den Ermittlungen an und vor allem eine sehr gute Kommunikation innerhalb des Teams.

WE: Welche Herausforderungen stellen sich damit den ganzen Tag über?

Vanessa Treier: Es gibt einige Herausforderungen. Zum Beispiel Sprachbarrieren bei Telefonaten, Erreichbarkeit der Personen, Kontaktdaten ermitteln, falsche Angaben der Kontaktpersonen. Dazu kommen oft Aussagen wie: „Ich habe absolut keine Idee, wo ich mich angesteckt haben könnte!“ oder Personen, die keinerlei Verständnis für das Vorgehen des Amtes haben.

WE: Wie viele Anrufe werden täglich im Schnitt getätigt?

Vanessa Treier: Das ist ganz unterschiedlich, ich würde sagen pro Ermittler im Schnitt 10 pro Tag.

WE: Wie schwer ist es, die Personen zu erreichen?

Vanessa Treier: Meistens erreicht man die Index-Personen (= positiv getestete Person) ziemlich gut, da viele Ihre Handynummer zur Verfügung stellen und ja auch auf ihr Ergebnis warten. Auch die Kontaktpersonen sind meist schon von der Index-Person informiert und warten demnach schon auf unseren Anruf und gehen sehr zügig ans Telefon, Ausnahmen bestätigen immer die Regel.

In der Regel viel Verständnis

WE: Wie reagieren die Leute in der Regel? Sind auch Beleidigungen und Querdenker ein Problem?

Vanessa Treier: In der Regel begegnen uns die Personen mit Verständnis, es gibt allerdings auch vereinzelte Fälle, die sich gegen die Quarantäne sträuben und mit den Maßnahmen nicht einverstanden sind und mit Unverständnis reagieren. Da wir hier ein gut eingespieltes Team sind, in dem man sich gegenseitig unterstützt, haben wir die Situation bisher immer in den Griff bekommen. Wir bedienen uns auch den Ressourcen, die uns hier im Haus gegeben sind, durch die Juristen im Haus und eben auch unsere ärztliche Leitung.

Anfänglich sind so gut wie alle Personen sehr nervös und aufgeregt, was auch mehr als verständlich ist. Dann muss man erst einmal beruhigend einwirken und vor allem die Personen, die man am Telefon hat, erzählen lassen. Es kam auch schon vor, dass Personen sehr emotional auf das Ergebnis reagiert haben, was aber wirklich nur vereinzelt vorkommt. Durch die Übermittlung der Ergebnisse via Email oder Anruf des untersuchenden Arztes wissen die positiv getesteten Personen meist schon Bescheid und der erste Schock hat sich gelegt, bis wir sie kontaktieren.

WE: Hat sich die Arbeit im Contact Tracing Team im Laufe der Corona-Pandemie verändert und wenn ja, wie?

Vanessa Treier: Die Strukturen innerhalb des Teams haben sich immer weiter entwickelt, da durch immer wieder neu gewonnene Erkenntnisse Entscheidungen angepasst werden müssen.

Anfangs sollte das Team lediglich für Quarantäne-Maßnahmen dienen und dem Ermitteln der Kontaktpersonen den Ärzten unterstützend zur Seite stehen, durch die Masse an Fällen und den vielen Individualentscheidungen wurde dies dann aber Schritt für Schritt ausgeweitet, sodass immer mehr Aufgaben durch das Team übernommen werden konnten, um ein schnelles und effizientes Arbeiten zu garantieren. Es wurden Strukturen innerhalb des Teams etabliert, wie die Koordinatoren, die Teamsprecher und die Einteilung der Ärzte und Mitarbeiter in verschiedene Bereiche, um immer einen Ansprechpartner für besondere Fälle zur Hand zu haben.

Unsere Rubrik „Wir fragen…“

In unserer Rubrik „Wir fragen…“ stellen wir Personen aus Würzburg und der Umgebung aus den verschiedensten Lebensbereichen vor und fragen sie nach ihren Erfahrungen. Wen wolltest Du schon immer mal etwas Bestimmtes fragen? Schreib uns per Mail an redaktion@wuerzburgerleben.de oder kommentiert unter unserem Facebook-Posting!

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