Die Alte Mainbrücke bei Nacht. Symbolfoto: Pascal Höfig
Die Alte Mainbrücke bei Nacht. Symbolfoto: Pascal Höfig

Winkelgasse & Co: Mystische Ortsbezeichnungen in und um Würzburg

Winkelgasse, Hexenbruch oder Dornröschenweg – man mag es kaum glauben, aber das gibt es wirklich in und um Würzburg! Doch was hat es damit auf sich? Diese Orte in der Region sind wahrlich mystisch – zumindest vom Namen her.

Würzburger Straßennamen: Geschichten zu Straßen, Plätzen und Gassen

Winkelgasse in Gramschatz

Na bei wem klingelt es beim Straßennamen „Winkelgasse“? Einen Namensableger der berühmten Einkaufsstraße aus Harry Potter gibt es auch im Landkreis Würzburg zu finden – ca. 20 km entfernt in Gramschatz, um genau zu sein. Auf Zauberer und Hexen wird man hier aber natürlich nicht stoßen, denn die Namensgebung erfolgte eher nach optischen Faktoren: Die verkehrsberuhigte Straße verläuft nämlich hakenförmig – daher der Name „Winkelgasse“.

Hexenbruch in Höchberg

Heute ein Neubaugebiet, damals ein Steinbruch: Im sogenannten „Hexenbruch“ in Höchberg fanden vor mehreren Hundert Jahren Hexenverbrennungen auf dem Scheiterhaufen statt. Erinnert werden soll an die Subpriorin des Klosters Unterzell Maria Renata Singer von Mossau. Sie wurde im letzten Hexenprozess des Hochstift Würzburg 1749 der Hexerei bezichtigt und im „Hexenbruch“ verbrannt, heißt es.

Ein Hexenmahnmal auch für Würzburg?

Bereits 1819 war der Ortsname auch auf einem alten Stadtplan von Würzburg zu finden – in den 50er Jahren wurde ein Teil des Steinbruchs aufgelassen und verschüttet.

„Teufelsloch“ an der Alten Mainbrücke

Schon mal vom „Teufelsloch“ gehört? Es mag sicherlich keinen Würzburger geben, der nicht schon einmal auf der Alten Mainbrücke stand und auf den Main blickte. Zwischen zwei Brückenpfeilern unter dem Brückenheiligen St. Nepomuk soll es hierbei einen besonderen Strudel im Wasser geben: Einer Sage nach hatte der Teufel dem Bauleiter der Alten Mainbrücke einen Tausch angeboten. Er bot an, beim Bau der Brücke zu helfen – im Gegenzug wolle er allerdings die Seele des Bauleiters. Dieses Angebot lehnte er allerdings ab – ganz zum Zorn des Teufels: Dieser wollte aus Rache den Brückenbau verhindern und grub daher ein Loch zwischen den Brückenpfeilern, das Menschen ins Verderben reißen soll – das sogenannte „Teufelsloch“. Es heißt, Schiffsfahrer mögen deshalb noch heute einen großen Bogen darum machen.

Von Rübezahl und Dornröschen in Heidingsfeld

In Heidingsfeld wird es besonders zauberhaft: In der Lehmgrubensiedlung wurden zahlreiche Straßen nach Märchenfiguren benannt. Rotkäppchenweg, Schneewittchenweg, Frau-Holle-Weg oder Rübezahlweg – hier finden sich alle erdenklichen Helden aus der Kindheit wieder. Zurück geht der Name des Viertels auf die Zieglerei Georg Siegler, welche an diesem Standort eine Lehmgrube eröffnete. Zu Beginn des Siedlungsbaus (1932 „Kupsch-Siedlung“) und im Zuge der Erweiterung durch die Nationalsozialisten (bis 1936 „Reichssiedlung“) erhielten die Straßen noch andere Namen wie „Lothringer Weg“ (heute „Frau-Holle-Weg“)  oder „Elsässer-Weg“ (heute Rübezahlweg), bis diese nach dem Zweiten Weltkrieg unbenannt wurden. Warum den Straßen Märchennamen zugeführt wurden, ist uns leider nicht bekannt.

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