Banner
Würzburg zeigt Schleife am Welt-AIDS-Tag. Foto: Pascal Höfig
Würzburg zeigt Schleife am Welt-AIDS-Tag. Foto: Pascal Höfig

#WürzburgzeigtSchleife: Welt-Aids-Tag 2020

Das Aktionsbündnis „Würzburg zeigt Schleife“ installiert zum zwölften Mal auf dem Schlossberg unterhalb der Festung eine 100 m lange rote Stoffschleife. Am Abend des 1.12. wird die Schleife beleuchtet und ist so ein weithin sichtbares Zeichen für einen toleranten und vorurteilsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen in unserer Stadt. Die Rote Schleife ist ein Aufruf gegen Diskriminierung und Stigmatisierung – ein Aufruf zur Solidarität!

Gedenken und Impulse zum WAT

Am 1.12. um 18:00 Uhr werden in der St. Johannis-Kirche die aktuellen Entwicklungen vorgestellt und derjenigen gedacht, die an den Folgen ihrer HIV-Infektion verstorben sind. Der Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken, Walter Heußlein, als auch der Hauptgeschäftsführer, Ludwig Paul, werden die Arbeitgeberdeklaration #positivarbeiten zeichnen. Jeder kann per Live-Stream an der Veranstaltung teilnehmen.

#positivarbeiten – Arbeitgeberdeklaration

Es hat sich viel verändert in den letzten Jahrzehnten: Menschen mit HIV könnten heute bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung ein normales Leben führen. Das gilt auch am Arbeitsplatz: HIV-Positive könnten alle Berufe ausüben. Eine HIV-Übertragung am Arbeitsplatz ist ausgeschlossen. Daraus folgt: Menschen mit HIV sind Arbeitnehmer wie alle anderen. Zugleich erfahren sie aber immer wieder Benachteiligung.

Das möchte die Caritas gemeinsam mit der Deutschen Aidshilfe ändern und zwar mit einer Deklaration unter dem Titel: „Respekt und Selbstverständlichkeit: Für einen diskriminierungsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen im Arbeitsleben“. Diese Deklaration setzt ein Zeichen und soll dazu beitragen, Menschen mit HIV im Arbeitsalltag vor Diskriminierung zu schützen.

Rectangle
topmobile2

Diversity und Inklusion

Dabei gilt: HIV ist ein Thema von Diversity und Inklusion. Hier wird beispielhaft deutlich: Zurückweisung, Angst und Heimlichkeit lähmen Menschen und schaden auch der Organisation. Stigmatisierung macht den Einzelnen krank und ist der Nährboden für ein unzumutbares Betriebsklima.

Bundesweit beteiligen sich mittlerweile über 100 große und kleinere Unternehmen, Verbände, Städte, Ministerien, Krankenkassen, Kliniken usw. Die Beratungsstelle für HIV/Aids der Caritas in Unterfranken hat sich zum Ziel gesetzt, zahlreiche unterfränkische Einrichtungen und Unternehmen zu motivieren, diese Deklaration zu zeichnen.

Bisher haben Bischof Dr. Franz Jung für die Einrichtungen der Diözese Würzburg und die Don-Bosco-Berufsschule die Deklaration gezeichnet. Weitere Unternehmen und Verwaltungen haben ihr Interesse bekundet.

1.000 HIV-Infizierte in Unterfranken

Im Regierungsbezirk Unterfranken leben zum aktuellen Zeitpunkt geschätzt 1000 Personen mit einer HIV-Infektion. Etwa 110 Menschen von den 1000 wissen zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts von Ihrer Infektion. Jährlich infizieren sich 25 bis 30 Personen neu mit dem HI-Virus. Die Neudiagnosen lagen für Unterfranken in den vergangenen Jahren im Durchschnitt bei 30. Für das Jahr 2020 rechnet der Caritasverband aufgrund der aktuellen Datenlage wieder mit 30 Neudiagnosen.

HIV-Schnelltest

Im Jahr 2013 bot die Beratungsstelle erstmals einen HIV-Schnelltest an. Seitdem haben mehr als 680 Personen einen anonymen HIV-Antikörpertest durchführen lassen.

Zahlreiche Rückmeldungen von Interessierten bestätigen, dieses öffentliche und anonyme Schnelltestangebot zusätzlich zu den Testmöglichkeiten bei den Gesundheitsämtern weiter aufrechtzuerhalten. „Ich schiebe den Test schon lange vor mir her. Als ich gelesen habe, dass ich das Ganze in nur 20 Minuten haben kann und auch noch am Abend, war die Entscheidung gefallen.“

Caritas Beratungsstelle

Die HIV/Aids-Beratungsstelle der Caritas ist seit vielen Jahren mit einem intensiven Präventionsangebot in Unterfranken präsent. Dies wird von zahlreichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen abgerufen und trägt sicherlich dazu bei, dass der Wissensstand in Bezug auf die Übertragungswege von HIV und die Schutzmöglichkeiten vor einer Infektion auf einem hohen Niveau ist. Aufgrund der Einschränkungen durch Corona mussten in diesem Jahr viele Veranstaltungen abgesagt werden.

Rectangle2
topmobile3

Im Laufe des Jahres 2020 wandten sich 13 Personen (Stand: 25.11.20) mit einer HIV-Diagnose erstmals an die HIV/Aids-Beratungsstelle der Caritas. Einige der neuen Klienten leben schon viele Jahre mit dem Virus, wurden aber erst in diesem Jahr diagnostiziert.

Leben mit Infektion

Das Leben mit der Infektion sei mehr als 30 Jahre nach Beginn der Epidemie vielschichtig, heißt es. In der Beratung geht es darum, diese Komplexität für die ratsuchende Person zu verringern und auf ihrem Weg zu einem erfüllten Leben zu begleiten. Neben der unmittelbaren Krankheitsbewältigung nach dem Schock der Diagnose spielt die Frage „Wem erzähle ich von meiner Infektion?“ bei fast allen Ratsuchenden eine zentrale Rolle. Auch die Angst vor unangemessenen Reaktionen aus dem beruflichen und privaten Umfeld sei bei den meisten Klienten immer wieder Thema in den Beratungsgesprächen.

Medizinische Entwicklung

Sehr erfreulich auch unter dem Aspekt der Prävention sei die Tatsache, dass sich der Anteil der Menschen mit einer HIV-Infektion, die sich in einer erfolgreichen medizinischen Behandlung befinden, kontinuierlich erhöhe. Wird eine HIV-Infektion frühzeitig erkannt und erfolgreich behandelt, könne das Virus nicht mehr übertragen werden. Nach wie vor ist und bleibt die Empfehlung, Kondome zu verwenden, eine der zentralen Botschaften der HIV/STI-Prävention.

Fortschritte in der HIV-Forschung

Die medizinische Entwicklung geht weiter. Große Durchbrüche seien gegenwärtig nicht in Aussicht. Einige Ansätze in der Forschung seien vielversprechend und könnten dazu führen, dass die Behandlung für Betroffene einfacher wird.
Eine Heilung sei auch nach Jahren intensiver Forschung in weiter Ferne.

Banner 2 Topmobile