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Der Zug zur Aumühle in der Schweinfurter Straße. Archiv: Willi Dürrnagel
Der Zug zur Aumühle in der Schweinfurter Straße. Archiv: Willi Dürrnagel

Menschenkette mit Abstand: Gedenken an die Deportation von Juden aus Würzburg

Die Gemeinschaft Sant’Egidio wird auch in diesem Jahr an die erste Deportation von Juden aus Würzburg am 27.11.1941 erinnern. Wegen der Corona-Pandemie kann erstmals das Gedenken nicht in der Form wie jedes Jahr seit dem Jahr 2000 stattfinden. Gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde hat Sant’Egidio in diesem Jahr ein anderes Format gewählt.

Mit Blumen und Plakaten gedenken

Am Freitag, den 27.11.2020 werden Schüler aus verschiedenen Würzburger Schulen, etwa 130 Personen, von 12.30 bis 13.00 Uhr am Oberen Mainkai eine „Menschenkette mit Abstand“ bilden. Mit Blumen und Plakaten werden sie der Menschen gedenken, die 1941 aus ihrer Stadt deportiert wurden und von denen die meisten getötet wurden.

DenkOrt Deportationen um Koffer in der Spiegelstraße erweitert

Kurzvideo von der Gemeinschaft Sant’Egidio

In vielen Würzburger Schulen wird in diesen Tagen im Unterricht über die Ereignisse von 1941 gesprochen. Die Initiative „Jugend für den Frieden“ von Sant’Egidio hat hierfür ein Kurzvideo gedreht und allen Schulen zur Verfügung gestellt. In dem Video sprechen Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Stadtrat Aaron Schuster und Jugendliche der Gemeinschaft Sant‘Egidio und erklären die Bedeutung des Gedenkens.

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Wichtige Personen nehmen teil

Am 27.11. werden zur Menschenkette auch der stellv. Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Herr Marat Gerchikov, der Würzburger Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran und der Dekan der evangelisch-lutherischen Kirche Dr. Wenrich Slenczka hinzukommen. Ob Herr Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Herr Stadtrat Aron Schuster teilnehmen können, ist aufgrund einer Stadtratssitzung noch unsicher.

Erste Deportationen am 27. November 1941

Am 27. November 1941 wurde die erste größere Gruppe von Juden aus Würzburg deportiert. Seit dem 1. September 1941 war die Polizeiverordnung der nationalsozialistischen Behörden in Kraft, wonach Juden in der Öffentlichkeit mit einem Judenstern gekennzeichnet sein mussten. In Würzburg wurde ein Merkblatt bezüglich der „Evakuierung“ an die Betroffenen verteilt. Darin wurde ihnen mitgeteilt, dass ihr gesamtes Vermögen beschlagnahmt ist und sie in einer Erklärung eine Aufstellung ihres Vermögens anzugeben hatten.

„DenkOrt Deportationen 1941-1944“ eingeweiht

Merkblatt mit eindeutigen Anweisungen

Sie mussten sich mit Marschverpflegung ausrüsten, die für mindestens drei Wochen ausreichend sein sollte. Ein Transportkoffer mit maximal 50 kg Gewicht sollte zum Güterbahnhof Aumühle gebracht werden; Transportkosten von 60 Reichsmark waren zu zahlen. Die Nazibehörden zögerten nicht, Anweisungen zu geben, aus denen zu ahnen war, dass die Empfänger des „Merkblattes“ ihre Würzburger Heimat wohl nicht wiedersehen würden: Leitungen waren abzustellen, Gas- und Lichtrechnungen sollten bei den städtischen Werken bezahlt werden, die Wohnungsschlüssel mussten der Polizei übergeben werden.

Ein Koffer aus Beton als Gedenkstätte

Bargeld und Wertgegenstände abgenommen

In der Stadthalle, die auch Schrannenhalle genannt wurde und am heutigen Kardinal-Faulhaber-Platz stand, hatten sich die 202 Männer, Frauen und Kinder einzufinden. Sie wurden genauestens durchsucht; jegliches Bargeld und Wertgegenstände wurden ihnen abgenommen. Von dort wurden sie ins Sammellager Nürnberg-Langwasser und von dort nach Schirotawa bei Riga gebracht. Ihr weiteres Schicksal kann man nicht rekonstruieren. Es wird vermutet, dass sie Opfer der zwischen Februar und August 1942 in Riga durchgeführten Erschießungskommandos der Sicherheitspolizei wurden.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Gemeinschaft Sant’Egidio.

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