„Brauchbar“-Geschäftsführer Thomas Johannes führt Ursula von Stockhausen durch die soeben eröffnete Weihnachtsabteilung des Grombühler Sozialkaufhauses. Bild: Brauchbar
„Brauchbar“-Geschäftsführer Thomas Johannes führt Ursula von Stockhausen durch die soeben eröffnete Weihnachtsabteilung des Grombühler Sozialkaufhauses. Bild: Brauchbar

Die beiden Weihnachtsmärkte von „Brauchbar“ laden zum Stöbern ein

Es gehört ein großes Quantum Feingefühl dazu, alles derart schön zu dekorieren. In einem bauchigen Glas sind lila Weihnachtskugeln versammelt. Auf einem Regalbrett tummeln sich Engelchen und kleine Weihnachtsmänner. Gegenüber wurden Weihnachtsdosen aller Art gestapelt. „Wie wunderschön!“, ruft Frau von Stockhausen. Auch ihre Spenden sind irgendwo zwischen all den schönen Dingen in der Weihnachtsabteilung des Sozialkaufhauses „Brauchbar“ verborgen.

Dreimalige Märkte

Der Weihnachtsmarkt ist für „Brauchbar“ jedes Jahr ein besonderes Projekt. „Alle helfen zusammen, um ihn aufzubauen“, berichtet Geschäftsführer Thomas Johannes. Dies geschieht sowohl im Hauptgeschäft in Grombühl als auch in der Lengfelder „Pfundgrube“. Bestückt werden die Weihnachtsmärkte mit allem, was übers Jahr gesammelt wurde. Dutzende Kisten stapeln sich in den Depots der Sozialkaufhäuser. Nach und nach werden sie ausgepackt. Insgesamt sind genug gebrauchte Weihnachtsartikel vorhanden, um beide Märkte bis 23. Dezember mindestens dreimal komplett neu aufzulegen, so Johannes anlässlich der Eröffnung der Weihnachtsmärkte am 2. November.

Gute erhaltene Weihnachtsdeko

Wer wegen der Pandemie noch nicht in der rechten Stimmung für Advent ist, sollte sich einfach mal zwangslos in die Weihnachtsabteilung von „Brauchbar“ begeben. Die Atmosphäre nimmt einen sofort gefangen, bestätigt Frau von Stockhausen, die den Weihnachtsmarkt heuer zum ersten Mal besuchte. Weil sich die 84-Jährige seit mehr als drei Jahrzehnten für arbeitslose Menschen engagiert, durfte sie den Markt heuer noch vor der Eröffnung inspizieren. Auch Frau von Stockhausen steuerte eine Menge bestens erhaltener Waren bei. „Ich fand bei mir sogar noch eine Tüte mit 50 unbenutzten Weihnachtskarten“, erzählte sie beim Rundgang durch die Abteilung.

In den letzten Wochen hatte Ursula von Stockhausen viel um die Ohren. Nachdem sie und ihr Mann nun fast 40 Jahre in Würzburg gelebt haben, entschloss sich das Paar umzuziehen. Nach und nach wird die Wohnung aufgelöst. Gut Erhaltenes, welches von Stockhausen nicht mit ins neue Domizil nehmen möchte, wird an Freunde, Nachbarn und Verwandte verschenkt – oder an „Brauchbar“ gegeben. Beim Aussortieren der Weihnachtsdeko kamen etliche Erinnerungen an frühere Weihnachtsfeste hoch. Besonders lebhaft ist Frau von Stockhausen ein Christfest in Erinnerung, das sie mit acht Jahren erlebt hat. Das war im Dezember 1944.

Weihnachten im Krieg

Der Krieg war noch immer nicht zu Ende, das Leben der Menschen war voller Entbehrungen, es gab kaum noch etwas zu kaufen. „Anstelle eines Weihnachtsbaumes hatten wir nur einen Strauß von Tannenzweigen mit Puppenkerzen“, berichtet von Stockhausen. „Puppenkerzen“ – der Ausdruck sagt den meisten Menschen heute nichts mehr: „Doch so hießen die kleinen Kerzen, die wir damals hatten.“ Sie verbreiteten bloß einen schwachen Lichtschein. Und verhalfen uns dennoch zu einem Glücklichsein in einer düsteren Zeit.

Auch nach dem Ende der NS-Herrschaft gab es kaum etwas zu kaufen. Weihnachten im Jahr 1945 – Frau von Stockhausen erinnert sich an einen uralten Puppenwagen, den ihre Mutter gebraucht aufgetrieben hatte: „Wohl in einer der damaligen Tauschzentralen.“ Sie sieht ihn noch vor sich und erinnert sich, wie sehr sie sich damals gefreut hat.

Hilfe in Coronazeit

Derzeit befinden sich viele Menschen pandemiebedingt auf einem seelischen Tiefpunkt: Die Distanz, die nun schon seit Monaten gefordert wird, die Unsicherheit und der neue teilweise Lockdown deprimieren. Vor allem für Langzeitarbeitslose ist die Situation sehr belastend, weiß Frau von Stockhausen, die sich als Mitglied der Gemeinde St. Johannis mehr als 30 Jahre lang für den Würzburger Arbeitslosentreff (WAT) von „Brauchbar“ engagierte. Die Männer und Frauen, die bei „Brauchbar“ beschäftigt sind, haben oft kaum soziale Kontakte. Viele sind seelisch instabil, bestätigt Thomas Johannes: „Manche fielen im März in ein Loch, aus dem sie es bis heute nicht heraus geschafft haben.“

Noch immer gibt es keinen Grund, die Zukunft allzu rosig zu malen. Wahrscheinlich wird das Virus die Menschen noch lange fest im Griff haben. Umso wichtiger ist es für „Brauchbar“, Menschen in prekären Lebensverhältnissen und mit mangelnden sozialen und seelischen Ressourcen einen Raum zu geben, wo sie ihrer Isolation entfliehen können. Durch die Pandemie wuchs auch noch einmal der Zusammenhalt unter der „Brauchbar“-Belegschaft. „Als wir im Mai wieder öffnen konnten, zogen alle an einem Strang, um das reinzuholen, was wir durch die Schließung beim letzten Lockdown verloren hatten“, berichtet Thomas Johannes.

Liebevoll gestaltet

Wer denkt, Erwerbslose seien Menschen, die prinzipiell nur höchst ungern arbeiten, tut den Betroffenen großes Unrecht. Bei „Brauchbar“ erleben Kunden, wie engagiert sich Männer und Frauen, denen es im Leben oft nicht gut ging, einsetzen können. Die liebevoll gestalteten Weihnachtsmärkte sprechen ebenso Bände wie die Geduld, mit der das ausgefeilte Hygienekonzept den Besuchern nahegebracht wird – um einen abermaligen Lockdown zu verhindern.

Geöffnet sind die Sozialkaufhäuser in Grombühl und Lengfeld montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 15 Uhr.

Artikel beruht auf eine Pressemitteilung der BRAUCHBAR. 

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