Die Gründer Simon und Filip von STUR. Foto: STUR.
Die Gründer Simon und Filip von STUR. Foto: STUR.

Pfannen-Startup „STUR“: Fünfhunderttausend Euro durch Crowdfunding

Über das Studium in Würzburg kennengelernt, entwickeln und verkaufen Simon und Filip nun ihre eigenen Einsteigerpfannen aus Gusseisen. Alles fing an, als die Beiden an der FHWS in Würzburg im Studiengang E-Commerce miteinander Bekanntschaft machten. Nach dem Studium gründeten sie schließlich einen Blog, auf dem sie Kochgeschirr kritisch beleuchten und wissenschaftlich analysieren. Ihr Konzept war so erfolgreich, dass sie sogar bei Fernsehsendungen wie Galileo eingeladen wurden. Doch um ein Start-up aufrechtzuerhalten, braucht es auch finanzielle Mittel!

Deshalb starteten Simon und Filip eine Crowdfunding Kampagne, in der sie bereits nach drei Tagen 500.00 € einsammeln konnten – und somit auf Platz 7 der am meist finanzierten deutschen Crowdfundingkampagnen auf Kickstarter landeten. Doch wie kommen zwei Würzburger Studenten dazu, Pfannen zu bewerten und selbst welche zu verkaufen? Und wie läuft so ein Crowdfunding ab? Das und weitere Fragen haben uns die beiden in einem Interview verraten.

Abgenutztes Kochgeschirr in WGs

Würzburg erleben (WE): Erzählt doch mal etwas über Euch: Wer seid Ihr? Was macht Ihr? Was verbindet Euch mit Würzburg?

STUR: Wir sind Simon und Filip und wir lieben gutes Essen! Ende 2012 haben wir uns im Studium in Würzburg kennengelernt und vier Jahre dort gewohnt und uns in Würzburg als Studentenstadt verliebt. Inzwischen wohnen wir aber in Berlin und arbeiten gemeinsam an unserem Kochgeschirr-Startup STUR.

WE: Wie kamt Ihr zu der Idee? Seid Ihr selber begeisterte Köche?

STUR: Zum Kochen braucht man natürlich das richtige Werkzeug und so fing alles an. Wir zogen beide zum ersten Mal in Wohngemeinschaften und stellten schnell fest, dass das Kochgeschirr dort ziemlich abgenutzt war. Also mussten wir uns damit beschäftigen, was man denn überhaupt an Küchenausstattung braucht – und das mit einem ziemlich eingeschränkten Budget.

Begeisterte Hobbyköche waren wir beide von klein auf (an dieser Stelle liebe Grüße an unsere Mamas!) und Simon hat inzwischen auch eine Kochausbildung an der renommierten Gastronomie-Fachschule Ferrandi in Paris absolviert und danach im Sterne-Restaurant Septime gearbeitet, das gerade auf Platz 15 der weltbesten Restaurants gelistet wird.

Experten bei „Galileo“ und „Der Vorkoster“

WE: Wann habt Ihr mit dem Ganzen angefangen?

STUR: Bei unserer Suche nach Kochgeschirr mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis stellten wir fest, dass es nur wenige und oft sehr widersprüchliche Quellen im Internet und im Fachhandel gibt. Gleichzeitig lernten wir zur selben Zeit in unserem E-Commerce-Studium, wie man Websites baut. So kam eins zum anderen und wir gründeten unseren Blog Pfannenhelden.de, auf dem wir unsere Aussagen mit Studien belegen und das ganze Thema Kochgeschirr etwas wissenschaftlicher angehen. Dieses Konzept kam bei unseren Lesern sehr gut an und wir wurden innerhalb kurzer Zeit nach unserem Start schon als Experten ins Fernsehen zu Galileo (ProSieben) und Der Vorkoster (WDR) eingeladen.

Als "Experten" eingeladen zu Fernsehshows wie Galileo. Foto: STUR.

Als „Experten“ eingeladen zu Fernsehshows wie Galileo. Foto: STUR.

WE: Warum eine Pfanne?

STUR: Das ist witzig, denn da wo wir jetzt sind, hat auch alles angefangen. Die beschichteten Pfannen in Simons WG waren abgenutzt und er machte sich auf die Suche nach einem langlebigen Ersatz. Er stieß auf das Thema Eisenpfannen und stellte fest, dass diese 1) gute Antihafteigenschaften bieten, 2) gerne von Profi-Köchen genutzt werden und 3) umweltfreundlich sind, weil Eisen nahezu 100 % recyclebar ist und über Jahrzehnte hält. Also fingen wir an, diese Pfannen zu empfehlen und immer mehr Pfannen zu testen.

Gusseisenpfanne für Einsteiger

WE: Pfannen gibt es auf der Welt viele – was ist an Eurer so besonders? Habt Ihr ein Alleinstellungsmerkmal?

STUR: Die Erkenntnis, dass Eisenpfannen super sind, haben wir fortan mit unseren Lesern geteilt. Jetzt sind wir noch einen Schritt weiter gegangen und haben mit der STUR-Pfanne unsere eigene perfekte Gusseisenpfanne entwickelt.

Unser Ziel ist, die beste Eisenpfanne für Einsteiger anzubieten und ihnen zu zeigen, wie man damit umgeht. Mit Gusseisen haben wir deshalb ein robustes Material gewählt, das nicht so verzugsanfällig ist. Das sorgt dafür, dass die Pfanne immer plan auf dem Herd steht und nicht wackelt. Gusseisen ist typischerweise aber schwer, was einerseits gut ist, denn die Wärmespeicherung sorgt für super Brateigenschaften. Aber den meisten Hobbyköchen sind Gusseisenpfannen zu schwer. Wir lösen das Problem, indem wir die STUR-Pfanne nach dem Guss abdrehen (ähnlich wie Fräsen) und dadurch Material entfernen. Gleichzeitig entsteht so eine feine Rillenstruktur auf der Oberfläche, die für die hervorragenden Antihafteigenschaften sorgt. Unsere STUR-Pfanne hat keine Beschichtung, sondern wird eingebrannt und entwickelt eine Patina: eine glasartige, dünne Ölschicht, die immer wieder zu Hause erneuert werden kann. Ab Werk kommt die Pfanne aber schon eingebrannt, sodass man direkt mit ihr braten kann. In unserem Videokurs zeigen wir, wie der Umgang mit der Pfanne, die Pflege und das Erneuern der Einbrennschicht funktioniert. Dieser Videokurs ist für alle Vorbesteller inklusive.

WE: Wer ist Eure Zielgruppe?

STUR: Wir haben unsere STUR-Pfanne mit über 12.000 Lesern von Pfannenhelden.de entwickelt. Die meisten Interessierten kommen zu uns, weil sie auf der Suche nach einer neuen beschichteten Pfanne sind. Wir zeigen ihnen, warum wir Eisenpfannen für eine gute, langlebige und umweltfreundliche Alternative halten.

Nachhaltiges Material

WE: Spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle bei Euch?

STUR: Ja, definitiv. Aus diesem Grund haben wir uns für Gusseisen entschieden. Wir verwenden bei der Produktion 70 – 80 % kontrolliertes Recyclingeisen und die Langlebigkeit von Eisenpfannen beträgt in der Regel mehrere Jahrzehnte. Wir selbst haben eine Gusseisenpfanne, die über 100 Jahre alt ist und immer noch leckere Gerichte zaubert. Wir stellen außerdem zu 100 % in Deutschland her und achten selbst bei unserer Verpackung darauf, kein Plastik zu verwenden und die Verpackung so minimal wie notwendig zu halten.

Entwicklungsprozess der Gusseisenpfanne. Foto: STUR.

Entwicklungsprozess der Gusseisenpfanne. Foto: STUR.

Erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne

WE: Wie konntet Ihr das alles finanzieren?

STUR: Wir haben vom Land Berlin eine Förderung erhalten, die einen Großteil der Zusammenarbeit mit Industriedesignern gedeckt hat. Den Rest haben Simon und ich bisher aus unseren eigenen Ersparnissen finanziert. Jetzt haben wir uns an unsere Fans gewandt und eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die Serienfertigung durch unsere Kunden vorzufinanzieren. Da sie schon bei der Entwicklung mitgeholfen haben, sind unsere Fans begeistert und wir konnten bereits über 500.000 € innerhalb von drei Tagen einsammeln. Inzwischen sind wir auf Platz 7 der am meisten finanzierten deutschen Crowdfunding-Kampagnen auf Kickstarter.

WE: Wie läuft so ein Crowdfunding ab?

STUR: Crowdfunding bedeutet so viel wie „Schwarmfinanzierung“ und ermöglicht uns, unsere Serienproduktion vorzufinanzieren ohne Kredite aufzunehmen oder Investoren mit ins Boot zu holen. Das funktioniert, indem wir unsere STUR-Pfannen zu einem vergünstigten Preis auf Kickstarter zur Vorbestellung anbieten. Unsere Unterstützer sind bereit, etwas länger auf ihre Pfanne zu warten, erhalten sie dafür dann als Erstes und eben zu einem guten Preis. Wir können das Geld nutzen, um den Auftrag bei unseren Herstellern zu platzieren und zu bezahlen.

WE: Kann jeder einfach so ein Crowdfunding starten oder gibt es da bestimmte Voraussetzungen bzw. Regeln?

STUR: Grundsätzlich kann jeder eine solche Kampagne starten. Bei Kickstarter muss man gewisse Regeln einhalten und bei physischen Produkten einen funktionierenden Prototyp vorweisen können. Wir haben glücklicherweise schon zwei Testserien gegossen und brauchen das Geld wirklich nur, um unsere Serienfertigung zu finanzieren – die Produktentwicklung ist abgeschlossen, unsere Pfannen wurden ausgiebig erprobt und auch von einem großen deutschen Prüfinstitut ohne Mängel untersucht.

Gusseisenpfannen-Startup bekommt 500.000 € durch Crowdfunding innnerhlab von drei Tagen. Foto: STUR.

Gusseisenpfannen-Startup bekommt 500.000 € durch Crowdfunding innnerhalb von drei Tagen. Foto: STUR.

Studium an FHWS als gute Vorbereitung?

WE: Hat Euch das Studium an der FHWS Vorteile zur Gründung eines Start-ups gebracht? Konntet Ihr Gelerntes anwenden?

STUR: Ja, auf jeden Fall. Wir haben etwa gelernt, wie man schon in der Entwicklungsphase seines Produktes validiert, dass genug Kaufinteresse besteht (Product-Market-Fit). Außerdem auch, wie man erfolgreich Websites baut und vermarktet.

Corona-Einschränkungen

WE: Wie sieht es zurzeit aus? Gibt es Einschränkungen aufgrund von Corona?

STUR: Tatsächlich waren wir diesen Sommer bei unserer Testproduktion von der Corona-Pandemie betroffen, weil die Werke unseres Herstellers zeitweise geschlossen waren. Jedoch haben wir uns nicht entmutigen lassen und konnten nun vor kurzem, mit etwas Verspätung, unsere Kickstarter-Kampagne starten.

WE: Was sind Eure Pläne und Ziele für die Zukunft?

STUR: Zunächst wollen wir mehr Hobbyköche davon überzeugen, dass das Kochen mit unserer STUR-Pfanne super viel Spaß macht, hervorragende Bratergebnisse liefert und noch dazu nachhaltig ist. Im nächsten Schritt wollen wir zusammen mit unseren Kunden und Interessierten weiteres Kochgeschirr und Zubehör entwickeln und so langfristig eine hochwertige Kochgeschirrmarke aufbauen, die vor allem auf den Direktvertrieb über E-Commerce setzt.

- ANZEIGE -