Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten: die Großeltern des heutigen Inhabers Grete und Otto Drescher ca. 1925 vor ihrem Laden in Schweinfurt (links). | Das damals noch kleine Geschäft 1982 in der Würzburger Schustergasse 12. Fotos: Drescher
Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten: die Großeltern des heutigen Inhabers Grete und Otto Drescher ca. 1925 vor ihrem Laden in Schweinfurt (links). | Das damals noch kleine Geschäft 1982 in der Würzburger Schustergasse 12. Fotos: Drescher

Ende von 366 Jahren Firmengeschichte: Pelze und Leder Drescher schließt

366 Jahre Firmengeschichte gehen zu Ende – im Frühjahr 2021 schließt die Firma Pelze und Leder Drescher ihr Geschäft in der Eichhornstraße. „Mit einem Joachim hat es 1654 begonnen und mit einem Joachim wird es 2021 auch enden“, resümiert Joachim Drescher, Inhaber der Firma Pelze und Leder Drescher. Im Frühjahr 2021 wird Drescher das Geschäft in der Eichhornstraße schließen.

Jahrhundertealter Familienbetrieb

Der „Urvater“ des Familienbetriebs hatte sich kurz nach dem 30-jährigen Krieg in Schweinfurt niedergelassen und dort eine Kürschnerei in der Kesslergasse gegründet – heute das Elternhaus Joachim Dreschers. Anfang der 1980er Jahre eröffnete sein Vater Hansgeorg eine Filiale in der Würzburger Schustergasse. Weil die Geschäfte gut gingen, musste schnell vergrößert werden: 1986 folgte der Umzug in die Eichhornstraße. „Seit der Gründung sind wir Kürschnermeister von Beruf, in direkter Ahnenfolge seit vielen Generationen“, erzählt Drescher. Dass nun ausgerechnet er den jahrhundertealten Familienbetrieb schließen muss, schmerzt.
Pelz Drescher in Schweinfurt. Foto: Dominik Ziegler

Pelz Drescher in Schweinfurt. Foto: Dominik Ziegler

Ergänzung des Sortiments

Doch Drescher ist nicht nur Kürschnermeister, sondern auch Diplom-Kaufmann. Und unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten blieb kaum eine Wahl. So ist der Handel mit Pelzen grundsätzlich ein Saisongeschäft, im Winter muss der Großteil des Umsatzes erwirtschaftet werden. Daher ergänzte Drescher das Sortiment schon vor Jahren um Artikel wie Taschen, Geldbeutel, Strohhüte sowie Dirndl und Tracht, die auch im Sommer gehen. „Darüber hinaus führen wir eine große Kollektion an Lederbekleidung“, fügt Drescher hinzu.

Markt für Pelz klein geworden

Dennoch erschwerten die zunehmend warmen Winter und die heißen Sommer der letzten Jahren den Absatz der Waren. Auch wenn Pelz aus nachhaltiger, sauberer Erzeugung nach wie vor seine Liebhaber findet, so ist der Markt doch zu klein geworden. Hinzu kommt ein Wertewandel in der Gesellschaft, der einhergeht mit Veränderungen im Konsumentenverhalten. Dass vor allem die auswärtige Kundschaft zunehmend über die schlechte Erreichbarkeit der Innenstadt klagt, erschwert die Situation weiter.

Fachkundige Beratung und handwerkliches Können

Nicht zuletzt hinterlässt auch der boomende Internethandel deutliche Spuren bei den alteingesessenen Geschäften in den Innenstädten. „Der Online-Handel kommt für uns nicht in Frage“, erklärt Drescher. Dazu sei das Produkt zu hochwertig. „Unsere Stärken waren und sind seit jeher fachkundige Beratung und Service gepaart mit handwerklichem Können,“ erklärt Drescher. „Das finden Sie nicht im Internet.“ Außerdem müsse die Ware gefühlt und erlebt werden, um eine vernünftige Kaufentscheidung treffen zu können: „Das kann ein Computerbildschirm nicht bieten“.
Fast 100 Jahre später: der heutige Laden in der Würzburger Eichhornstraße 15-17. Foto: Drescher

Fast 100 Jahre später: der heutige Laden in der Würzburger Eichhornstraße 15-17. Foto: Drescher

Umbau als große Herausforderung

Auch der Umbau der Eichhornstraße zur Fußgängerzone sitzt den dort ansässigen Geschäftsleuten noch in den Knochen. „Dieser Herausforderung haben wir uns gestellt“, sagt Drescher, trotz eines zeitweiligen Umsatzrückgangs von 30 % bis 50 %. „Die Jahre der Baustelle konnten wir mit unseren Rücklagen auffangen, da wir immer sparsam und umsichtig gewirtschaftet haben“, so der Kaufmann. Geholfen habe auch das gute Baustellenmanagement in der Eichhornstraße: „Ende 2019 waren wir eigentlich wieder ganz gut dabei“.

Ausgebremst durch Corona-Pandemie

Dann kam Corona. „Die Pandemie hat uns regelrecht ausgebremst“, kommentiert Drescher. Nach dem Shut-Down war nichts mehr wie vorher. Lieferanten konnten teilweise nicht liefern, weil Fabriken still standen. Kollektionen wurden gekürzt, der Dirndl- und Trachtenmarkt brach völlig zusammen. Tagestouristen blieben aus, auch die heimische Laufkundschaft nahm ab. Steigende  Inzidenzienzahlen führen zu einem sofortigen Rückgang der Geschäfte, beobachtet Drescher.

Zeitpunkt der Schließung bewusst gewählt

Gleichzeitig laufen die Kosten weiter. „Unter diesen Voraussetzungen hat ein inhabergeführtes Unternehmen unserer Ausrichtung und Größenordnung kaum eine Überlebenschance“, urteilt Drescher. Den Zeitpunkt der Schließung hat der Geschäftsmann bewusst gewählt: „Es war mir ein großes Anliegen, dass meine langjährigen Mitarbeiterinnen, die kurz vor der Altersgrenze standen, noch geregelt in Rente gehen konnten, ohne kurz vor Schluss noch arbeitslos zu werden“, sagt Drescher. „Das hat gut geklappt!“
Einblick ins Geschäft: Über 1000 Teile erwarten auf über 150 m2 den letzten Ausverkauf. Foto: Drescher

Einblick ins Geschäft: Über 1000 Teile erwarten auf über 150 m2 den letzten Ausverkauf. Foto: Drescher

Ein Dank an treue Stammkunden

Ein herzliches Dankeschön möchte Drescher noch an seine treuen Stammkunden loswerden. „Um die tut es mir wirklich leid. Bisweilen sind aufgrund der jahrelangen Bindung schon so etwas wie Freundschaften entstanden“. Nun bereitet Drescher den Ausverkauf vor, spätestens Frühjahr 2021 soll dann Schluss sein.
Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Pelzhaus Drescher.
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