Angelika Summa und ihr Kunstprojekt vor der Pleicherkirche. Foto: Lilli Müller
Angelika Summa und ihr Kunstprojekt vor der Pleicherkirche. Foto: Lilli Müller

Kunstperformance in Würzburg: „Die Kugel rollt“

„Die Idee ist nicht neu. Aber sie ist gut und gerade jetzt ist die Zeit, um sie wiederzubeleben“, so Bildhauerin Angelika Summa über ihr Kunstprojekt. Sie ist heute und morgen mit ihrer Kunstperformance in Würzburg unterwegs und lässt die Kugel rollen.

Idee von Pistoletto

Der italienische Künstler Michelangelo Pistoletto, ein Hauptvertreter der Arte Povera, hatte diese Idee 1966: Er rollte eine Kugel aus Zeitungspapier durch die Straßen von Turin. Mit seiner Performance, der er den Titel „Walking Sculpture“ gab, demonstrierte er sein Anliegen: Die Kunst sollte in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Sie sollte demokratische Prozesse anstoßen. Kunst und Alltag sollten eine Einheit bilden.

Ziel: Mehr Kunst im Stadtraum

Also raus aus der Werkstatt und der Atelierumgebung, unter die Leute! „Das Ziel meiner Performance ist, den Würzburgern zu zeigen, wo eine Skulptur, vor allem selbstverständlich von mir, aber natürlich auch von KollegInnen, das Stadtbild bereichern, aufwerten würde. In einer Stadt, die der Kultur, also wohl auch der Bildenden Kunst und nicht nur der Musik, in ihrem Selbstverständnis einen hohen Stellenwert einräumt, sollte dies zu sehen, sollte erlebbar sein. Nur: Würzburg hat zu wenige Skulpturen im Stadtraum!“ – das sagt Künstlerin Angelika Summa.

Vorschläge für Skulpturen-Standorte

Mit ihrer Performance macht sie Vorschläge für Skulpturen-Standorte. Ihre Kugel soll durch die Stadt Würzburg rollen. Sie wird an einigen Plätzen Halt machen und für jeweils eine kurze Zeit den besagten Kunstnotstand beheben. Gespräche und Diskussionen mit den Würzburgerinnen und Würzburgern sind aber aufgrund der derzeitigen Pandemie-Situation nicht möglich.

Angelika Summa und ihr Kunstprojekt vor der Pleicherkirche. Foto: Lilli Müller

Angelika Summa und ihr Kunstprojekt vor der Pleicherkirche. Foto: Lilli Müller

„Trotzdem lässt sich der Zweck meiner Performance erreichen: Der Forderung für mehr Skulptur im Stadtraum, wird durch diese Aktion Nachdruck verliehen. Ich hoffe, dass sich Bürger und Stadtrat schon einmal gedanklich mit meinen Vorschlägen auseinanderzusetzen. Mir ist sehr wohl bewusst, dass sich nicht von jetzt auf gleich etwas ändern kann. Einige Wochen gäbe ich der Stadt schon Zeit“, so Summa.

Kugel aus 2,5 km Kunststoff-Leerrohren

Im Gegensatz zu Pistolettos Kugel sieht Summas Kugel aber anders aus. Sie ist nicht aus leicht zu rollendem Papier, sondern sie besteht aus gewickelten Kunststoff-Leerrohren, die in der Masse und in diesem Durchmesser (ca. 130 cm) ein nicht zu unterschätzendes Eigengewicht haben und demzufolge schwer zu bewegen sein wird. Insgesamt wurden 2,5 km Rohre verarbeitet und es hat eine Woche gedauert, das Kunstwerk fertigzustellen. Sie zu rollen, ist körperliche Arbeit. Auch deswegen, weil die Kugel unrund ist; weil die Wicklung der Kunststoffrohre Unwuchten im Knäuel hervorruft, die ein flüssiges Rollen erschweren.

Route durch Würzburg

Ihre Route führte Summa heute Vom MOZ aus durch die Stadt bis in die Pleich. Am Samstag, 7. November, geht es dann um 10 Uhr an der Pleicherkirche los und über die Juliuspromenade, den Marktplatz und Residenzplatz zum Kardinal-Faulhaber-Platz, der zwischen 13.15 Uhr und 13.30 Uhr erreicht werden soll.

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