Tim, Sebastian und Tobias stecken hinter der Aktion "Matory4Moria". Fotos: Privat
Tim, Sebastian und Tobias stecken hinter der Aktion "Matory4Moria". Fotos: Privat

#Matory4Moria: Spendenlauf für einen guten Zweck

Erst vor wenigen Wochen wurde das Flüchtlingslager in Moria durch einen Großbrand zerstört. Zahlreiche Menschen sind dort mehr als zuvor auf Unterstützung angewiesen. Um zu helfen, haben sich nun drei Würzburger etwas einfallen lassen: Tim und Sebastian von der Würzburger Sportcommunity „Matory“ starten nun gemeinsam mit Tobias von „Liebe im Karton e.V.„, der sich vor Ort ein Bild von der Situation im Lager machen konnte, eine Aktion – mit einem Spendenlauf möchten die Organisatoren Geflüchteten helfen.

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Hilfe für Flüchtlingslager

Würzburg erleben (WE): Was ist „Matory“ und wer steckt dahinter?

Sebastian: Matory ist eine Sportcommunity aus Würzburg. Wir, das sind Tim Nitschke und Sebastian Hagen, hatten schon länger die Idee, in Würzburg etwas rund ums Thema Fitness zu starten. Als es Anfang dieses Jahres mit den Ausgangsbeschränkungen wegen COVID-19 losging, fing Tim an Fitnesstraining für Freunde und Bekannte über Zoom abzuhalten. Schnell wuchs die Gruppe und im Sommer fing Tim damit an Outdoor Trainings auszurichten. Alles kostenlos und nur für den Spaß an der Sache.

Wir sind zwei Studenten aus Würzburg und haben uns durchs Studium kennengelernt. Ich helfe Tim bei den anfallenden organisatorischen Aufgaben und er übernimmt als lizenzierter Trainer den sportlichen Part!

WE: Ihr habt es Euch zum Ziel gesetzt, Spenden für Menschen auf der Flucht zu sammeln: Wie kam es dazu?

Sebastian: Sicher hat jeder den Brand im Flüchtlingslager Moria im September mitbekommen. Zu dieser Zeit war unser Freund und Studienkollege Tobias Winkler direkt vor Ort und stand währenddessen in Kontakt mit uns. Wir haben überlegt, was wir als Studenten mit geringem Einkommen tun können, um etwas zur Unterstützung der Geflüchteten beizutragen. Da kam uns die Idee, unsere Sportcommunity zu mobilisieren und einen Spendenlauf zu initialisieren.

WE: Wem genau soll das Geld hierbei zugutekommen?

Sebastian: Das Geld geht an die Aktion „Liebe im Karton“. Das ist eine Hilfsorganisation, die schon seit Jahren für Menschen, die von Krieg und der daraus resultierenden Flucht betroffen sind, Weihnachtsgeschenke sammelt und diese dann in Flüchtlingslagern verteilt. Das Team hilft auch den geflüchteten Menschen in Moria. Hierfür wird jetzt jeder Cent benötigt.

„Mussten in zusammen getackerten Müllhaufen leben“

WE: Tobias, Du warst direkt vor Ort in Moria: Wie kam es dazu?

Tobias: Ich bin Anfang September 2020 nach Moria gereist, um für unser Weihnachtsprojekt „Liebe im Karton“ alle wichtigen Vorbereitungen zu treffen. Auch dieses Jahr geht es wieder darum Kindern zur Weihnachtszeit eine Freude zu bereiten und tausende Geschenke in verschiedenen Ländern zu verteilen. Damit dies möglich ist, braucht man kompetente Teams vor Ort und Lagerhallen. Ich war auf Lesbos, um dies abzuklären.

WE: Welche Menschen sind in dem Lager untergebracht?

Tobias: Durch den Brand hat sich die Situation für alle schlagartig verändert. In der Nacht des Brandes konnte man gut erkennen, dass ca. 80 % aller Leute dort Familien waren mit Kindern. Die Lage war trotz der Tragik ruhig und die Menschen suchten nur geschützte Stellen, wo sie sich mit Ihren Kindern zum Schlafen legen konnten.

Tobias von "Liebe im Karton" war direkt in Moria vor Ort. Foto: Tobias Winkler

Tobias von „Liebe im Karton“ war direkt in Moria vor Ort. Foto: Tobias Winkler

WE: Wie war Dein erster Eindruck vom Lager? Wie ist die Stimmung der Bewohner?

Tobias: Man kann das alte Camp in Moria schwer beschreiben – aber in etwa könnte das so lauten: Die Menschen mussten in einem zusammen getackerten Müllhaufen leben. Neuankömmlinge suchten sich ein bisschen Holz und ein bisschen Plastikmüll und haben beides verbunden und fertig war das Zuhause für die nächsten Jahre.

Jeder Erwachsene, mit dem man gesprochen hatte, wollte sich am liebsten das Leben nehmen. Das nannten die Leute nicht, um etwas zu bewirken, sondern man merkte, dass es in ihren Gedanken fest verankert war – dass sie müde waren, von dem Ganzen, dass Selbstmord für viele als einziger Ausweg erschien. Trotz alledem waren alle Menschen freundlich, lieb und hilfsbereit. Gewalt habe ich nur von den Einheimischen erfahren.

WE: Was gehört zu Deinen Aufgaben vor Ort bzw. wie genau hilfst Du?

Tobias: Ich habe nach dem Brand eine Deutsche Hilfsbrücke an die Gr.Hilfsorganisation „Stand by Me Lesbos“ aufgebaut. Im Zuge dieser Hilfsbrücke konnten wir innerhalb 10 Tagen 130 Paletten mit Emergency Items generieren und auf die Insel schicken.

Die Verteilungen dieser Hilfsgüter finden seit Wochen an die Leute statt. Momentan planen wir den Kauf und Transport von zwei großen Duschcontainern auf die Insel, damit diese im Camp aufgebaut werden können. Bis heute gibt es dort keine Duschmöglichkeit.

So kann man mitmachen

WE: Wie läuft die Spendenaktion ab?

Sebastian:

  1. Sucht Euch Menschen, welche die Aktion unterstützen möchten und pro von Euch gelaufenem Kilometer einen gewissen Betrag spenden oder belohnt Eure Leistung selbst!
  2. Zähne zusammenbeißen und laufen bis ans Limit! Schon einmal probiert, wie weit Du kommst?
  3. Bereitet mit Eurer Spende den Betroffenen in Not eine Freude.
  4. Postet Euer Ergebnis unter dem Hashtag #matory4moria und macht so noch mehr Menschen auf die Aktion aufmerksam!

WE: Wie kann man mitmachen?

Sebastian: Zum Mitmachen braucht es nicht viel! Installiert Euch einfach eine App, die Eure gelaufene Strecke aufzeichnet und schaut wie weit Ihr kommt. Das gesammelte Geld könnt Ihr dann auf das Spendenkonto überweisen, welches direkt an „Liebe im Karton“ geht.

WE: Kann man auch ohne Laufen unterstützen?

Sebastian: Tobi sucht immer fleißige Helfer, die ihn in der Weihnachtszeit bei seiner Päckchenaktion unterstützen! Wir haben aber auch ein T-Shirt entworfen, was man für den guten Zweck erwerben kann. Das Team vom „Flock-Druck-Service Dieter Feustel“ in Wadlbüttelbrunn sponsort uns den Druck der Shirts und wir spenden den gesamten Gewinn an „Liebe im Karton“.

WE: Sind zukünftig noch mehr dieser Aktionen geplant?

Sebastian: Sicherlich! Wir hoffen, dass der Spendenlauf gut angenommen wird. Wenn wir damit etwas Gutes bewirken können, ist das bestimmt nicht unsere letzte Aktion in dieser Richtung!

WE: Möchtest Du den Lesern noch etwas mitteilen, Tobias?

Tobias: Abschließend würde ich gerne sagen, dass wir alle nur Menschen sind und zusammenhalten sollten und überall wo wir Problemen begegnen, sollten wir gemeinsam schauen wie wir diese zum Wohle aller lösen können. 

Und wer dieses Jahr noch nichts vorhat im Winter, kann bei unseren Päckchenkontrollen mit anpacken, wir suchen noch viele fleißige Helfer. Meldet Euch einfach bei uns an info@liebe-im-karton.de!

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