Gedenken an die jüdische Gemeinde in Heidingsfeld vor den Deportationen: Initiatorin Benita Stolz, Zentralratsvorsitzender Dr. Josef Schuster, Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Schulleiter Johann Schweiger und Kulturreferent Achim Könneke. Foto: Georg Wagenbrenner
Gedenken an die jüdische Gemeinde in Heidingsfeld vor den Deportationen: Initiatorin Benita Stolz, Zentralratsvorsitzender Dr. Josef Schuster, Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Schulleiter Johann Schweiger und Kulturreferent Achim Könneke. Foto: Georg Wagenbrenner

Ein Koffer aus Beton als Gedenkstätte

In Heidingsfeld erinnert nun am Dürrenberg (Kreuzung Zindelgasse) ein Koffer aus Beton an unfassbares Leid und Unrecht in der Zeit des Nationalsozialismus. Oberbürgermeister Christian Schuchardt sprach in seiner Rede vom „Spiegelstückkoffer zum DenkOrt Deportationen“ auf dem Vorplatz des Würzburger Hauptbahnhofs.

Knotenpunkt für ganz Unterfranken

Hauptsächlicher Bestandteil des DenkOrtes sind Skulpturen in Form von Gepäckstücken, die an 2069 Männer, Frauen und Kinder erinnern. Sie wurden zwischen 1941 und 1943 aus Unterfranken in die Durchgangs- und Vernichtungslager im besetzten Osteuropa deportiert und nur 63 von ihnen – soweit dies bekannt ist – sollten überlebten. Das Denkmal am Bahnhof bilde laut Schuchardt einen Knotenpunkt für ganz Unterfranken.

Heidingsfeld damals bedeutender

Erinnert werden soll an die einst 109 jüdischen Gemeinden, die vor der Machtergreifung der Nazis prägend für die Region waren. Dr. Josef Schuster, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Würzburg und Unterfranken und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, zeigte auf, dass Heidingsfeld vor der Eingemeindung des „Städtles“ 1930 sogar die bedeutendere der beiden Kultusgemeinden im heutigen Stadtgebiet war. Hier und nicht in Würzburg war lange Zeit der Sitz des Oberrabbiners. 700 Jahre jüdische Geschichte haben im Ort viele Spuren hinterlassen, in der Hochzeit war rund ein Fünftel der Bevölkerung
jüdischen Glaubens.

Zentral und dezentral wachsen

Mit der Ergänzung der Gepäckstücke aus diesen Gemeinden werde der DenkOrt laut Dr. Schuster nun nach und nach komplett. Aktuell sind 47 Kommunen in das zentrale Mahnmal integriert, das Architekt Matthias Braun entworfen hat. Und der DenkOrt wird zentral und dezentral weiter wachsen. Alle Redner betonten, dass diese Vernetzung hinein in die Region das einzigartige an diesem Konzept der Erinnerungskultur sei. Ausgedacht hat sich dieses Zwillingsmodell der Verein „DenkOrt Deportationen“.

Greifbar für die nächste Generation

Beim Wachsen des Erinnerungs-Netzwerks können nun viele einen Beitrag leisten. Im aktuellen Fall ist dies die städtische Berufsschule „Josef Greising“ vor Ort. Fachlehrer Mario Metz und seine Straßenbaulehrlinge fertigten den Betonkoffer, der laut Schulleiter Johann Schweiger in der Schule in der Phase der Entstehung selbst wie ein „Stolperstein“ wirkte. Die Vermittlung des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte werde durch solche Projekte für die nächste Generation greifbarer.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg.

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