Der Biber-und Muschelberater Frank Stierhof. Foto: Frank Stierhof
Der Biber-und Muschelberater Frank Stierhof. Foto: Frank Stierhof

Wir fragen Frank: Was macht ein Biber- und Muschelberater?

Biber- und Muschelberater – Bei dieser Berufsbezeichnung haben auch wir überlegt, was man da eigentlich macht. Diese außergewöhnliche Tätigkeit übt Frank Stierhof aus Iphofen aus: Der 39-jährige Natur- und Landschaftsführer engagiert sich außerdem ehrenamtlich für verschiedene Projekte mit Kindern im Landkreis Kitzingen und ist für den Deutschen Engagement Preis nominiert. So kam er dazu und deshalb nennt man ihn auf der Arbeit „Justin“.

WE: Du bist Biber- und Muschelberater – könntest Du uns kurz erklären, was man in diesen Tätigkeiten macht?

Frank Stierhof: Als Biberberater soll man im Idealfall, bevor ein Biber Schaden anrichtet, Anwohner und Grundstücksbesitzer über geeignete Maßnahmen aufklären, wie man sich vor Schäden schützen kann. Im Prinzip soll das Zusammenleben von Mensch und Biber dadurch gut gestaltet werden. Beim Muschelberater sieht es etwas anders aus, hier geht es bei mir hauptsächlich um die Bachmuschel. An der Bezirksgrenze zu Mittelfranken im Kitzinger Landkreis gibt es das letzte Vorkommen in Unterfranken. Diese Vorkommen müssen besonders geschützt werden, da es hier von Menschen eingeschleppte Fressfeinde (Bisam und Waschbär) gibt, die den Muschelbestand gefährden.

Frank Stierhof erkundet gemeinsam mit Kindern den Bach. Foto: Frank Stierhof

Frank Stierhof erkundet gemeinsam mit Kindern den Bach. Foto: Frank Stierhof

Zusätzlich ist die Wassermenge und Wasserqualität (Temperatur und Nährstoff Eintrag) immer mehr ein Problem. Hier haben wir vor 3 Jahren bei 2 Zeltlagern des KJR ca. 100 Weiden gesteckt, die dort anwachsen sollten, um dem Bachlauf Schatten zu geben.  Als Naturschutzwächter bin ich für die Naturschutzgebiete im südlichen Kitzinger Landkreis zuständig. Diese werden bei Streifengängen von mir immer wieder kontrolliert. Verstöße oder Veränderungen werden der unteren Naturschutzbehörde gemeldet. Bei allen Drei kommt auch noch die Öffentlichkeitsarbeit dazu, die ich am liebsten in Form von Exkursionen/Führungen mit Kindergärten oder Grundschulen mache.

WE: Wie kamst Du dazu?

Frank Stierhof: Ende 2009 in der Finanzkrise wurde ich für Bosch intern 1,5 Jahre nach Stuttgart und 1,5 Jahre nach Crailsheim versetzt. Dabei wurde mir erst bewusst, was wir hier für eine Landschaft vor der Haustüre haben. Zwischenzeitlich habe ich dann schon die Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer gemacht. Es folgten die Ausbildungen zum Erlebnisbauern, Biberberater, Muschelberater, Naturschutzwächter und Streuobstwiesenführer.

Frank Stierhof auf einer Exkursion mit Kindern. Foto: Frank Stierhof

Frank Stierhof auf einer Exkursion mit Kindern. Foto: Frank Stierhof

WE: Gibt es einen Unterschied zwischen Biberberater und Biberbeauftragten? Welche Bedeutung hat die Tätigkeit im Alltag?

Frank Stierhof: Nein, zumindest nicht in Bayern, wir haben in den Landkreisen Biberberater und für Nord- und Südbayern einen Bibermanager. Es kommt immer wieder dazu, dass man neue interessante Menschen kennenlernt und immer wieder in Ecken kommt, die man noch nicht kennt. Ja, und auf der Arbeit hat es mir den Spitznamen „Justin“ von Justin Bieber eingebracht.

WE: Warum sind Biber Deiner Meinung nach besonders schützenswert in unserer Region, obwohl sie auch Schaden verursachen können? Gab es schon witzige Begegnungen mit Bibern?

Frank Stierhof: Zum einen sorgt er mit seinen Bauwerken dafür, dass die Artenvielfalt in seinem Revier steigt und zum anderen hält er das Wasser. So kann es langsam versickern. So tut er dann auch was für unser Grundwasser. Witziges gibt es immer wieder, gerade, wenn man mit Kindern unterwegs ist, aber mit einer Erwachsenen-Gruppe aus der Rhön habe ich es wohl mal etwas übertrieben. Die Führung habe ich unter dem Motto „heimische Exoten“ gemacht. Hier ging es dann so weit, dass mir die Teilnehmer nicht mehr glaubten.

Der Biber-und Muschelbrater Frank Stierhof bietet Führungen und Exkursionen an. Foto: Frank Stierhof

Der Biber-und Muschelbrater Frank Stierhof bietet Führungen und Exkursionen an. Foto: Frank Stierhof

WE: Du bist außerdem für den Deutschen Engagement Preis nominiert: Wie kam es dazu?

Frank Stierhof: Speziell für die Zeltlager Kindergarten- und Schultage, die ich ehrenamtlich bisher gemacht habe, habe ich den Ehrenamtspreis vom Landkreis Kitzingen bekommen. Dadurch war ich dann automatisch für den Deutschen Engagement Preis nominiert.

Nominierung der Rosa-Hilfe

Weitere Punkte waren eben die Weiden-Steck-Aktion, eine Aktion, bei der 40 Nistkästen aufgehängt wurden, die teilweise von Kindern mit ihren Vätern gebaut wurden. Mit anderen Kindern wurden Fledermauskästen gebaut und vieles mehr!

Insgesamt 40 selbstgebaute Nistkästchen. Foto: Frank Stierhof

Insgesamt 40 selbstgebaute Nistkästchen. Foto: Frank Stierhof

WE: Was würdest Du mit dem Preisgeld machen, wenn Du gewinnst?

Frank Stierhof: Ein eventuelles Preisgeld würde in das gemeinsame Streuobstwiesenprojekt (von mir und dem Kreisjugendring) fließen lassen. Zum Beispiel für die Bäume und Hecken, die in Absprache mit dem Landschaftspflegeverband gekauft werden, damit diese auch der Region entsprechen und der Trockenheit standhalten. Da würden dann die nächsten Jahre immer noch was dazu kommen.

Nominierung des Aelius Förderwerk e.V. und Johanniter

WE: Hast Du Pläne für die Zukunft?

Frank Stierhof: Eben diese Streuobstwiese ist mein nächstes Projekt, das zusammen mit Gruppen vom KJR durchgeführt werden soll. Das Projekt würde auf jeden Fall starten, nur ein ganzes Stück kleiner.

Unsere Rubrik „Wir fragen…“

In unserer Rubrik „Wir fragen…“ stellen wir Würzburger Persönlichkeiten aus den verschiedensten Lebensbereichen vor und fragen sie nach ihren Erfahrungen. Wen wolltet ihr schon immer mal etwas Bestimmtes fragen? Schreibt uns per Mail an redaktion@wuerzburgerleben.de oder kommentiert unter unserem Facebook-Posting!

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