Das Studentenhaus am Exerzierplatz mit Burse und Stadtmensa. Foto: Studentenwerk Würzburg/ Andrea Bala
Das Studentenhaus am Exerzierplatz mit Burse und Stadtmensa. Foto: Studentenwerk Würzburg/ Andrea Bala

Sieben Monate mit Corona beim Studentenwerk Würzburg

Die Corona-Pandemie hat die Welt auf den Kopf gestellt und was noch Anfang des Jahres undenkbar erschien, gehört heute fast schon zur Normalität. Das Virus brachte unseren Alltag in weiten Teilen zum Erliegen – gesellschaftlich und wirtschaftlich. Auch das Studentenwerk Würzburg hat die Folgen der Corona-Krise zu spüren bekommen: Die meisten Mensen und Cafeterien mussten teilweise mehrere Monate geschlossen bleiben, hunderte Wohnheimplätze blieben leer, Veranstaltungen wurden abgesagt und kulturelle Einrichtungen geschlossen.

Dennoch wurden in den letzten Wochen umfassende Vorkehrungen für den Start in das Wintersemester unter besonderen Infektionsschutzvorkehrungen getroffen. Auf das nun anstehende Hybridsemester unter Corona-Bedingungen sieht sich das Studentenwerk Würzburg gut vorbereitet, um die Studierenden bestmöglich unterstützen und fördern zu können.

Auswirkungen auf  Hochschulgastronomie

Aktuelle Essenszahlen aus den Mensen zeigen, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie für das Studentenwerk Würzburg hatte. In den Monaten März bis September 2019 wurden insgesamt 730.645 Essen in den Mensen des Studentenwerks serviert. 2020 hingegen konnten bisher lediglich 112.151 Essen ausgegeben werden, was einen Rückgang von rund 85 % bedeutet. Mehrere Monate lang mussten die meisten Mensen und Cafeterien geschlossen bleiben. Grund hierfür waren einerseits die verhängten Ausgangsbeschränkungen und Hygienestimmungen, die zunächst keinen, später nur einen eingeschränkten Betrieb erlaubten, beispielsweise die „Mensa To-Go“.

Anzahl an Gästen gesunken

Ein weiterer Grund für die monatelangen Schließungen war die stark gesunkene Anzahl der Gäste. Nachdem die Hochschulen und Universitäten das Sommersemester 2020 aufgrund der Corona-Pandemie als Online-Semester weiterführten, blieben viele Studierende nicht mehr an den Hochschulstandorten, sondern zogen zeitweise zurück in die Heimat, um von dort an den Online-Vorlesungen teilzunehmen. Andere blieben aufgrund der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen den Mensen fern. Von den insgesamt 24 Einrichtungen waren zeitweise nur drei bis vier Mensen geöffnet, an denen man unter bestimmten Sicherheits- und Hygienevorschriften sein Essen vorbestellen, abholen oder auch vor Ort essen konnte.

Mensa-Check

Im Zuge dessen wurde die Besucherregistrierung in den Mensen digital mittels QR-Code eingeführt, sodass im Bedarfsfall eine Kontaktnachverfolgung sichergestellt werden kann. Insgesamt summierten sich die Umsatzausfälle im Bereich der Hochschulgastronomie des Studentenwerks Würzburg in den Monaten März bis September auf rund 3,26 Mio. Euro (- 86,2%). So wurde für alle Beschäftigten in der Hochschulgastronomie Kurzarbeit angeordnet und Kurzarbeitergeld beantragt, um die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen zu begrenzen und diesen entgegenzuwirken.

Herausforderungen für Studentisches Wohnen

Auch der Bereich Studentisches Wohnen steht aufgrund der Pandemie seit über einem halben Jahr vor vielen neuen Herausforderungen. Gab es in den vergangenen Jahren für gewöhnlich lange Wartelisten für Wohnheimplätze, standen mehrere Monate lang über 240 der insgesamt 3.904 Wohnplätze in unseren Wohnheimen leer. Viele internationale Studierende konnten aufgrund von Einreiseverboten nicht aus ihren Heimatländern nach Deutschland einreisen, zahlreiche Studierende zogen wiederum aufgrund des Online-Semesters von Würzburg weg oder blieben gleich an ihren Heimatorten. Die Mietausfälle summierten sich auf bisher 305 T€.

So teuer ist das Wohnen als Student in Würzburg

Studentenwohnheim Zürnstraße. Foto: Pascal Höfig

Studentenwohnheim Zürnstraße. Foto: Pascal Höfig

Hygienekonzept umgesetzt

Aktuell verringern sich diese Leerstände, sodass ab 1. November 2020, bis auf den Standort Aschaffenburg, wieder mit einer Vollbelegung gerechnet werden kann. Ähnlich wie in den gastronomischen Einrichtungen des Studentenwerks Würzburg wurden auch in den Wohnheimen bestimmte Sicherheits- und Hygienemaßnahmen getroffen. So wurde zum Beispiel für alle Gemeinschaftsräume ein Hygienekonzept bezüglich Nutzung und Desinfektion eingeführt, in den Musik-, Fitness- oder Tischtennisräumen ist nur eine begrenzte Personenzahl (maximal 2 Personen gleichzeitig) erlaubt. Alle anderen Gemeinschaftsräume sind gesperrt, genauso wie die Party- und Mehrzweckräume.

Eingeschränkte Beratungsangebote

Die Rechtsberatung, Sozialberatung und die Psychotherapeutische Beratungsstelle des Studentenwerks Würzburg mussten aufgrund der Corona-Pandemie ebenfalls umstrukturiert werden. Anstatt der persönlichen Beratung der Studierenden, die einen direkten Austausch ermöglicht und oftmals dadurch auch zu einer gezielteren Unterstützung führt, mussten in den vergangenen Monaten alle Beratungsgespräche per E-Mail oder telefonisch durchgeführt werden. Videosprechstunden wurden ebenso genutzt. Dennoch sind die Beratungszahlen insgesamt kaum gesunken – was wiederum verdeutlicht, wie hoch der Bedarf der Studierenden auch während der Pandemie war.

Kinderbetreuung wieder im Regelbetrieb

Die vier Kinderkrippen in Bamberg und Würzburg mussten auf Anordnung des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege vom 16. März bis in den April 2020 geschlossen werden. Die Mitarbeiterinnen gingen, nach Abbau der Mehrarbeitsstunden und des Urlaubs, ebenfalls in Kurzarbeit. Ab dem 6. April in Würzburg und ab dem 20. April in Bamberg erfolgte eine Notbetreuung einzelner Kinder, die schrittweise, aufgrund der Ausweitung der berechtigten Eltern, erweitert wurde. Der eingeschränkte Regelbetrieb für alle Kinder wurde schließlich ab Juli 2020 aufgenommen.

Baby im Bällebad. Symbolfoto: Sabine Brummer

Kindertagespflege umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes durch eine Tagespflegeperson. Symbolfoto: Sabine Brummer

Überbrückungshilfe sorgt für Mehraufwand

Zusätzlich zu den ohnehin großen Herausforderungen durch das Online-Semester kam es für viele Studierende zu finanziellen Problemen, da sie aufgrund der Pandemie ihre Jobs beispielsweise in der Gastronomie verloren und somit wichtige Finanzierungsgrundlagen für sie wegbrachen. Mithilfe der Überbrückungshilfe des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sollten daraufhin Studierende, die aufgrund der Corona-Pandemie nachweislich in akuter Notlage geraten waren, finanziell unterstützt werden. Die Zuschüsse wurden gesondert für die Monate Juni, Juli, August und September online beantragt und je nach nachgewiesener Bedürftigkeit zwischen 100 Euro und 500 Euro als nicht rückzahlbarer Zuschuss pro Monat ausgezahlt. Allein im Juni 2020 stellten deutschlandweit 82.000 Studierende ihre Anträge auf Überbrückungshilfe.

Geldscheine und Münzen. Symbolfoto: Pascal Höfig

Geldscheine und Münzen. Symbolfoto: Pascal Höfig

72 % der Anträge bewilligt

Die Überprüfung und Bearbeitung aller Anträge, sowie die Auszahlung der Zuschüsse wurde von den Studentenwerken übernommen. Bayernweit gingen zwischen Juni und September insgesamt rund 30.000 Anträge bei den Studentenwerken ein. Hiervon wurden bereits 21.000 Anträge genehmigt und eine Gesamtsumme in Höhe von ca. 9 Mio. Euro an die Studierenden ausgezahlt. Rund 70 % der Anträge wurden angenommen. Im Studentenwerk Würzburg wurden in dem Antragszeitraum 4.592 Anträge auf Überbrückungshilfe gestellt. Hierbei konnten ca. 72 % der Anträge bewilligt und eine Fördersumme von rund 1,4 Mio. Euro an die jeweiligen Studierenden überwiesen werden. Der durchschnittliche Auszahlungsbetrag je Studierenden beträgt ca. 416 Euro/Monat.

Überbrückungshilfe für Studenten

Wie geht es weiter?

Unter Einhaltung der jeweils aktuell geltenden Sicherheits- und Hygienebestimmungen sowie zu verkürzten Öffnungszeiten werden bis zum 1. November 2020 fast alle Mensen und Cafeterien (Ausnahme vorerst Interimsmensa Sprachenzentrum in Würzburg) des Studentenwerks an allen vier Hochschulstandorten wieder öffnen. Allerdings gibt es aufgrund der einzuhaltenden Hygieneregelungen weiterhin Einschränkungen, wie Registrierung der Essensteilnehmer (am besten und schnellsten digital über den QR-Code), Maskenpflicht, reduziertes Angebot (kein Salatbüffet), und weniger Plätze (die allerdings aufgrund des Nachfragerückgangs derzeit kein Platzproblem bedingen).

Die derzeitige Reduzierung der Öffnungszeiten ist neben betriebswirtschaftlichen Aspekten (Anpassung an Nachfrage) auch der Sicherheit geschuldet, indem in den großen Mensen getrennte Küchenteams gebildet wurden, um im Fall von Ansteckungen und Quarantäne- notwendigkeiten das Personal austauschen und den Betrieb weiterführen zu können. Das Ziel ist: den Gästen auch in den Pandemiezeiten ein sicheres, gesundes und möglichst vielfältiges Leistungsangebot in unserer Hochschulgastronomie bieten.

Pläne für Wohn- und Beratungsbereich

Im Wohnheimbereich entwickeln sich wieder kleinere Wartelisten, sodass zumindest für das Wintersemester keine Probleme gesehen werden und man zu einer Vollbelegung zurückkehren kann. Sofern die Corona-Pandemie weiterhin mit Kontaktbeschränkungen für erschwerte Beratungssituationen sorgen wird, planen die Mitarbeiterinnen eine Erweiterung ihrer Beratungsangebote beispielsweise durch regelmäßig stattfindende Schreib- oder Video-Chats. Bei Bedarf, über den die Beraterinnen entscheiden, soll es in der Psychotherapeutischen Beratung auch wieder persönliche Beratungsgespräche geben.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Studentenwerks Würzburg.

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