Am Dienstag bildeten die Demonstrierenden der Kundgebung "Dienst-Tag für Menschen" eine Menschenkette entlang des Juliusspital-Gebäudes. Foto: Jacob Grimm
Am Dienstag bildeten die Demonstrierenden der Kundgebung "Dienst-Tag für Menschen" eine Menschenkette entlang des Juliusspital-Gebäudes. Foto: Jacob Grimm

„Dienst-Tag für Menschen“: Für bessere Bedingungen im Pflegeberuf

Am gestrigen Dienstag war es wieder so weit: Die in der vergangenen Woche gestartete Demonstrationsreihe „Dienst-Tag für Menschen“ ging zum zweiten Mal auf die Straße, um für ihre Forderungen im Bereich der Pflege einzustehen. Dieses Mal bildeten die gut 50 Teilnehmer eine Menschenkette entlang des Juliusspital-Gebäudes an der Juliuspromenade. Ihre Wichtigkeit ist in Zeiten der Corona-Pandemie noch einmal überdeutlich geworden.

Stille Kundgebung an jedem Dienstagabend

In der vergangenen Woche waren es die Führungskräfte höchst selbst, die am Dienstagabend, dem 15. September, am Unteren Markt für ihre Beschäftigten in Würzburg auf die Straße gingen. Gestern folgten dann die Angestellten mit Runde zwei an der Juliuspromenade: „Wir möchten auch erreichen, dass unser Beruf wieder besser angesehen wird“, so Markus Pfannes, Pflegekraft im Seniorenstift des Juliusspitals Würzburg laut einer Pressemitteilung. Die Führungskräfte und Angestellten gehören Einrichtungen der Behindertenhilfe, des Gesundheitswesens und der Pflege an und fordern bessere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit. Mit der stillen Kundgebung unter dem Motto „Dienst-Tag für Menschen“ werden Beschäftigte aus den teilnehmenden Organisationen aus den Regionen Würzburg und Main-Rhön auch in Zukunft jeden Dienstag um 17 Uhr eine halbe Stunde lang für ihre Forderungen auf die Straße gehen.

Bereits am vergangenen Dienstag gingen am Unteren Markt Führungskräfte aus verschiedenen Bereichen des Pflegeberufes für ihre Angestellten auf die Straße. Foto: Dienst-Tag für Menschen

Bereits am vergangenen Dienstag gingen am Unteren Markt Führungskräfte aus verschiedenen Bereichen des Pflegeberufes für ihre Angestellten auf die Straße. Foto: Dienst-Tag für Menschen

Stellung von Patienten und Angestellten in Pflege verbessern

Gemeinsam verfolgen die Demonstrierenden das Ziel, den Mensch wieder in den Mittelpunkt zu rücken anstelle der Ökonomie. Gemeint ist damit zum Beispiel, dass Gesundheits- und Sozialleistungen nicht mit dem Ziel der Gewinnmaximierung und Ausschüttung von Dividenden erfolgen sollen. Wird ein Überschuss erwirtschaftet, muss dieser den behinderten Menschen, den Patientinnen und Patienten oder Seniorinnen und Senioren zugutekommen und darf nicht die Kasse von Aktionären füllen. Andersherum soll aber auch die Stellung der Beschäftigten durch adäquate tarifliche Bezahlung aller aufgewertet werden. Dabei geht es nicht nur um die Pflegeberufe: Es soll allgemein eine spürbare Entlastung in den medizinischen, therapeutischen, pädagogischen und Verwaltungsberufen in der sozialen Sparte erreicht werden.

Arbeitgeber ergreifen Initiative

Ins Leben gerufen haben die Aktion Annette Noffz (Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist), Walter Herberth (Stiftung Juliusspital Würzburg) und Johannes Spielmann (Blindeninstitutsstiftung): „Wir als Arbeitgeber haben das größte Interesse daran, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gute Bedingungen am Arbeitsplatz haben – egal an welcher Stelle. Denn sie alle setzen sich für die Menschen in unseren Einrichtungen mit großem Engagement ein“, führen sie als Beweggrund für den „Dienst-Tag“ an. Dem Bündnis haben sich bislang rund 20 (frei-)gemeinnützige und öffentlich-rechtliche Organisationen mit mehr als 30.000 Mitarbeitenden angeschlossen.

Appell an Politik und die Gesellschaft

Die Initiatoren erhoffen sich von der Protestaktion mehr Aufmerksamkeit für die Zustände in der Pflege, um ein Umsteuern zu erreichen: „Wir können das aber leider nicht aus eigener Kraft sicherstellen, sondern sind darauf angewiesen, dass uns die zuständigen Kostenträger, also staatliche Stellen sowie Pflege- und Krankenkassen, mehr Ressourcen zur Verfügung stellen, um unseren Beschäftigten bessere Bedingungen gewähren zu können.“ Deshalb richten sich die Forderungen an Politik und Gesellschaft zugleich. Nur wenn alle bereit seien, mehr für Behindertenhilfe, Gesundheitswesen und Pflege auszugeben, könne sich dauerhaft etwas zum Guten verändern, so die Initiatoren weiter. Dass dies dringend notwendig sei, habe die Corona-Krise überdeutlich gemacht.

Es soll nicht beim Applaus bleiben

Die „helfenden“ Berufe im Bereich Pflege, Gesundheitswesen und Behindertenhilfe haben zu Hochzeiten der Pandemie viel Beifall und Wertschätzung erfahren. Zum Symbol der Kundgebungen wurde daher der Beifall, den sich die Demonstrierenden während der Kundgebung zeitweise selbst klatschen. Den Forderungen des Aktionsbündnisses zufolge soll sich die Anerkennung dauerhaft in verbesserten Rahmenbedingungen wie einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, der Möglichkeit eines Sabbatjahres und Altersteilzeit sowie weniger Bürokratie niederschlagen. Um dem Berufsfeld wieder mehr Menschlichkeit zu verleihen, soll mehr Wert auf gute Aus- beziehungsweise Fortbildung gelegt und das Personal fachlich und menschlich gestärkt werden.

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