Pizza-Lieferservice: Pascal Höfig
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Pfandsystem für Pizzakartons: Eine Idee für Würzburg?

In den Debatten um die Müllproblematik auf den Grünflächen im Würzburger Stadtgebiet hatte sich schnell ein klarer Spitzenreiter unter den liegengebliebenen Verpackungen herauskristallisiert: Pizzakartons. Besonders während der warmen Sommermonate erfreute sich der italienische Exportschlager als To-go-Essen im quadratischen Pappkarton großer Beliebtheit.

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Würzburgs erster „Pizzakartonmülleimer“

Bereits vor über zwei Jahren präsentierte das Gartenamt Würzburg den ersten Prototypen eines „Pizzakartonmülleimers“. Diese wurden jeweils an beiden Mainufern entlang der Leonhard-Frank-Promenade sowie des Unteren Mainkais aufgestellt und sind eigens für die Entsorgung der fettigen Pappkartons gedacht. Das Projekt sollte schon zum damaligen Zeitpunkt das Gelände rund um den alten Kranen von herumliegenden Kartons befreien und je nach Resonanz weiter vorangetrieben werden. Während der Coronapandemie brachten die Massen an quadratischen Schachteln und andere Verpackungen sowie Flaschen die örtlichen Mülleimer dann schnell zum Explodieren. Da konnten auch die vereinzelten Pizzakartonmülleimer freilich wenig ausrichten.

Pizza-Mülleimer an der Leonhard-Frank-Promenade. Foto: Jessica Hänse

Pizza-Mülleimer an der Leonhard-Frank-Promenade. Foto: Jessica Hänse

Auch andere bayerische Städte betroffen

Dass es sich dabei nicht allein um eine Würzburger Thematik handelt, zeigt ein Blick in andere Städte: Wie der Bayerische Rundfunk vergangene Woche berichtet, kämpfen in Bayern Städte aus unterschiedlichen Regierungsbezirken mit einem ähnlichen Problem. Ob in Augsburg (Schwaben), Regensburg (Oberpfalz) oder Deggendorf (Niederbayern) – das Corona-Phänomen aus steigendem To-go-Verpackungsmüll hat sich vielerorts eingestellt: „Pizzakartons sind zu einem Symbol für den Anstieg beim Müllaufkommen in der Coronazeit geworden“, wird die Stadtsprecherin vom mittelfränkischen Nachbarn aus Nürnberg vom Bayerischen Rundfunk (BR) zitiert.

Vorschlag: Pfandsystem für Pizzakartons

Auch die Stadt Nürnberg ächzt demnach unter der Flut an Pizzakartons. Sie schlägt nun Alarm und will die sperrigen Pizzakartons reformieren. Da nur die wenigsten die Pappbehältnisse platzsparend zusammenfalten, soll das Liegenbleiben der Kartonagen und die Mülleimerüberlastung gleich ganz vermieden werden.

Mit einem Pfandsystem könnte die Müllbelastung reduziert werden, indem Verbraucher die Verpackung gegen einen Geldbetrag wieder zurückbringen, so die Überlegungen der Stadt Nürnberg. „Hier sollte es eine einheitliche Regelung für alle Städte und Kommunen geben“, so der Dritte Bürgermeister der Stadt laut BR.

Verpackungsmüll schwer abbaubar und umweltschädlich

Eine Pfandpflicht klingt zunächst nach einer guten Idee, die Pizzafans zur Rückgabe der Quadratschachteln zu animieren. Denn landet der kunststoffhaltige Einweg-Verpackungsmüll erst mal in der freien Natur, baut er sich über die Jahrzehnte nur langsam ab und ist daher besonders umweltschädlich. Auch Pizzakartons sind oftmals mit Kunststoff versehen, um das Durchweichen und Auslaufen von Fett zu verhindern. Es bleibt aber offen, ob ein solches Pfandsystem tatsächlich ähnlich wie gut wie beim Flaschenpfand funktionieren würde oder eher den Charme von To-go-Essen verringert. Generell gilt übrigens für die Entsorgung zu Hause: Mit Speiseresten oder Öl behaftete Pappkartons sind im Restmüll und nicht im Papiermüll zu entsorgen, wie der BR herausgefunden hat.

Traurige Realität: Überquellende Mülleimer und Einwegbecher so weit man schauen kann. Foto: Inka

Das kann Würzburg besser! Foto: Inka

Alternativ wäre die Verwendung von Mehrweg-Pizzakartons eine Möglichkeit, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Dies sei jedoch allein schon hygienetechnisch schwer umsetzbar, wie der Pizzabäcker und Mitglied der Pizza-Nationalmannschaft, Antonio Furnari, laut Mainpost zu bedenken gibt. Es gebe allerdings bereits Erfolge in der Herstellung von biologisch abbaubaren Pizzakartons. Dass dieser Weg erfolgreich sein kann, zeigt schließlich das Beispiel Recup: Die recycelbaren Coffee-to-go-Becher werden deutschlandweit als Pfandsystem angeboten – auch in Würzburg. Diese zählen sonst ebenfalls zu den Verursachern großer Mengen Einwegmüll

Was meinst Du?

Ob sich ein Pfandsystem für Würzburg bewähren würde? Schreib uns Deine Meinung dazu in die Kommentare oder schreibe uns eine Mail an redaktion@wuerzburgerleben.de!

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