Für einen Menschen in einer Krise kann es lebensrettend sein, wenn jemand aus seinem Umfeld zuhört, nachfragt, mit ihm redet. Darauf weist der Welttag der Suizidprävention am 10. September hin. Symbolfoto: Markus Hauck (POW)
Für einen Menschen in einer Krise kann es lebensrettend sein, wenn jemand aus seinem Umfeld zuhört, nachfragt, mit ihm redet. Darauf weist der Welttag der Suizidprävention am 10. September hin. Symbolfoto: Markus Hauck (POW)

Welttag der Suizidprävention: Die Bedeutung von Offenheit

Der diesjährige Welttag der Suizidprävention am Donnerstag, 10. September, steht unter dem Motto „Schau hin, frag‘ nach, rede drüber“. Suizidprävention setzt bereits ein, bevor ein seelisch belastendes Ereignis eintritt und suizidale Gedanken konkret auslöst. Im Rahmen des diesjährigen Welttages soll für einen aufmerksamen und interessierten Umgang mit dem Verhalten des anderen geworben und sensibilisiert werden.

Persönliches Umfeld besonders wichtig

„Für einen Menschen in einer Krise kann es lebensrettend sein, wenn jemand aus seinem Umfeld so handelt“: Ruth Belzner ist Leiterin der Telefonseelsorge Würzburg und betont die Bedeutung desjenigen, der zum engen Bekanntenkreis eines Betroffenen gehört: „Wenn diese Person aufmerksam ist für Veränderungen im Ausdruck und Verhalten des anderen. Wenn sie dann Fragen stellt, die den anderen dazu ermutigen, sich mit seinen Gefühlen mitzuteilen, und wenn sie mit wirklichem Interesse zuhört. Und wenn sie bereit ist, auch über mögliche Suizidgedanken und Suizidabsichten offen mit dem anderen zu sprechen“, sagt sie. Damit sei ein erster, ganz wichtiger Schritt zur Verhinderung eines Suizids getan.

Unterstützung durch offenes Gespräch

Suizidprävention im Umfeld beginne bereits, bevor sich eine belastende Lebenssituation oder eine akute Verlusterfahrung zu einer suizidalen Krise zuspitzt. „Die Grundlage der Prävention ist Aufmerksamkeit, Interesse und Mut zu einem offenen Gespräch, in dem man den Betroffenen auch darin bestärken kann, sich Hilfe zu suchen.“ Unterstützung und Entlastung, die möglichst unmittelbar und unkompliziert zu bekommen ist, könne in diesen Situationen lebensrettend sein. Weitere Tipps im Umgang hat uns die Leiterin der Telefonseelsorge Würzburg in einem Interview gegeben.

Professionelle Unterstützung bei Suizid-Hinweisen

Das könnten außerdem Gespräche im Würzburger Gesprächsladen oder mit der Telefonseelsorge sein. Wenn die Suizidalität bereits im Vordergrund stehe, sei auf jeden Fall Beratung und Unterstützung durch die Mitarbeitenden des Krisendienstes anzuraten. „An alle drei Stellen können sich auch Menschen wenden, die in Sorge sind um einen Angehörigen oder eine Freundin in der Krise und die klären wollen, was sie tun können“, betont Belzner. Aufgabe von Krisendienst, Gesprächsladen, Telefonseelsorge und der Selbsthilfegruppe AGUS („Angehörige um Suizid“) ist es, Menschen in einer Krise spüren zu lassen, dass sich jemand sorgt, mit ihnen spricht, ihnen zuhört und sie unterstützt.

Krisendienst Würzburg als spezialisierte Beratungsstelle

Der Krisendienst Würzburg ist eine spezialisierte Beratungsstelle für Menschen in akuten Krisen und bei Suizidgefahr. Auch Angehörige und andere Bezugspersonen von Menschen in Krisen finden hier Unterstützung. Im vergangenen Jahr suchten 485 Personen dort telefonische oder persönliche Beratung. Beim 365 Tage im Jahr erreichbaren nächtlichen Bereitschaftsdienst meldeten sich insgesamt 601 Menschen, um Unterstützung in einer akuten Krisensituation zu bekommen.

Suizid: Große Rolle bei Gesprächsanfragen

Bei den knapp 12.000 Gesprächen, die die Mitarbeitenden der Telefonseelsorge Würzburg im vergangenen Jahr führten, spielte in jedem zehnten das Thema Suizid eine Rolle, berichtet Belzner. Meistens ging es um eigene Suizidgedanken der Anrufer. Eher selten sind konkrete Suizidabsichten, frühere Suizidversuche oder ein gefährdeter Angehöriger beziehungsweise Freund. „Aktuell werden täglich im Schnitt 41 Gespräche am Telefon und drei im Chat geführt“, erklärt Belzner die Verteilung der Anfragen.

Im Gesprächsladen suchen an jedem Öffnungstag etwa zehn Personen Hilfe und Entlastung in einer Lebenskrise oder belastenden Lebenssituation. Vielen dieser Menschen fehlen in ihrem Umfeld andere Menschen, die hinschauen, nachfragen und mit ihnen über das, was das Leben schwer macht, reden. Für durch Suizid Hinterbliebene ist die Selbsthilfegruppe AGUS eine wichtige Anlaufstelle: Sie bietet erst einmal Unterstützung für das eigene Weiterleben, Neuorientierung nach einem Verlust und schützt vor eigener Suizidalität.

Der Verein „Trees of Memory e.V.“ engagiert sich für den Umgang mit Suizidenten und Hinterbliebenen

Wichtige Anlaufstellen in Würzburg

Krisendienst am Kardinal-Döpfner-Platz 1

  • von Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr geöffnet
  • Telefonisch erreichbar unter 0931/571717
  • Täglich von 18.30 bis 0.30 Uhr ist unter derselben Nummer ein telefonischer Bereitschaftsdienst erreichbar

Würzburger Gesprächsladen am Dominikanerplatz 1

  • geöffnet von Montag bis Freitag, 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr
  • Mittwochnachmittag geschlossen

Telefonseelsorge rund um die Uhr

AGUS: Ansprechpartnerin bei AGUS ist Helga Mend, unter der Telefonnummer 0931/94362.

Weitere Hilfe bietet außerdem die Krisenkompass-App der Telefonseelsorge.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des POW (Diözese Würzburg).

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