Symbolfoto Party und Feiern. Foto: Pascal Höfig
Symbolfoto Party und Feiern. Foto: Pascal Höfig

Einladung via Instagram: Vermeintliche Privatpartys auch in Würzburgs Clubs

Zwar sommerlich warm am Tag, doch die Abende werden nun merklich kühler, was auch bedeutet, dass sich das Leben langsam wieder nach drin verlagert. Diese Beobachtungen konnte auch die Polizei Würzburg bereits bei ihren Kontrollen an den vergangenen Wochenenden machen. An den Hotspots Mainkai und Mainwiesen waren deutlich weniger Leute anzutreffen als noch vor ein paar Wochen. Aber wohin dann am Abend gehen, fragen sich mit Sicherheit die ein oder anderen Nachtschwärmer, wenn Clubs und Discos nach wie vor geschlossen sind und nach aktuellen Aussagen des Bayerischen Ministerpräsidenten, auch weiterhin bleiben werden?

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Privatfeiern in Clubs

Doch so ganz geschlossen sind diverse Clubs und Discotheken in Würzburg nicht, denn erlaubt ist eine Vermietung der Räumlichkeiten für private Feiern – oft die einzige Einnahmequelle, die den Clubbetreibern im Moment zur Verfügung steht. Eine private Feier wird in der Infektionsschutzmaßnahmeverordnung als solche definiert, wenn es sich tatsächlich um eine nicht-öffentliche, geschlossene Veranstaltung mit einem verantwortlichen Gastgeber und einem definierten Teilnehmerkreis handelt, der durch persönliche Bekanntschaft und durch den Veranstaltungszweck, z.B. familiärer Anlass, miteinander verbunden ist. Die Anzahl der Gäste ist auf max. 100 begrenzt.

Und was man so hört und liest, wird das Angebot auch angenommen – doch offenbar oft leider auch ausgenutzt, denn so privat wie manche Feier vorgibt zu sein, ist sie nicht.

Öffentlich über Instagram & Co. eingeladen

Immer häufiger werden sog. Privatfeiern via Messengerdiensten oder Social Media Kanälen, vornehmlich Instagram, öffentlich bekannt gemacht und sogar dazu eingeladen. Nachrichten à la „Mal wieder Bock zu feiern? Wir haben noch zehn Plätze auf der Gästeliste frei!“ kursieren im Netz. Auch wurde laut Auskunft der Stadt Würzburg schon teilweise Eintritt für diese Feiern verlangt oder auch Getränkechips verkauft, was natürlich dem Charakter einer bspw. privaten Geburtstagsfeier entschieden widerspricht. Mit den allgemeinen Corona-Auflagen wurde insgesamt sehr leichtfertig umgegangen, heißt es, denn die Gästeliste wurde schnell zu einer Liste, in die sich jedermann eintragen konnte – egal ob bekannt mit dem Gastgeber oder nicht.

Nachlässig mit Vorschriften umgegangen

„Bei vereinzelten Kontrollen wurde festgestellt, dass bei solchen Feiern nachlässig mit den geltenden Vorschriften umgegangen wurde, weil beispielsweise keine Einlasskontrollen erfolgten, Verständigungslisten nicht oder nur lückenhaft geführt wurden oder unkontrolliertes Überwechseln von getrennten Bereichen zur Vermischung unterschiedlicher Personengruppen führen konnte. Im Ernstfall ist es in derartigen Fällen nur noch schwer oder nicht mehr möglich, Infektionsketten nachzuvollziehen“, so das Polizeipräsidium Unterfranken.

Und weiter heißt es über die Vorkommnisse an einem Wochenende: „Bei zwei Diskothekenkontrollen musste erneut festgestellt werden, dass dort jeder beliebigen Person Zutritt zu den angeblich „privaten Veranstaltungen“ gewährt wurde. Gegen die Veranstalter wird von der Polizei Anzeige erstattet.“

Hohes Bußgeld bei Verstoß

Für solche Verstöße sieht der offizielle Bußgeldkatalog „Corona-Pandemie“ vom 25.08.20 im Übrigen einen Regelsatz von 5.000 Euro vor, jeder Teilnehmer einer solchen Veranstaltung kann immer noch mit einem Regelsatz in Höhe von 500 Euro belegt werden – es könnte also eine teure Party werden, sollte sich nicht an die Auflagen gehalten werden. Die Stadt Würzburg hat alle Club- und Diskothekenbetreiber bereits mehrfach schriftlich und mündlich auf die geltenden Auflagen hingewiesen, so ein Sprecher der Stadt. Sie als Vermieter der Räumlichkeiten müssten im Voraus sicherstellen, dass es sich auch wirklich um eine private Feier handele. Aber anscheinend sind erst Anzeigen nötig, um die vermeintlichen Privatfeiern zu unterbinden.

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Teil der Clubszene entschieden gegen Auflagen-Missbrauch

Doch muss das wirklich sein? Muss man sich die Möglichkeit, seinen Club für private Feiern unter Auflagen öffnen zu dürfen und somit zumindest einen kleinen Teil an Einnahmen generieren zu können, durch „Corona-Partys“ mit Gästelisten für jedermann kaputt machen? Und auch innerhalb der Würzburger Clubszene brodelt es bereits. Laut Informationen, die unserer Redaktion vorliegen, positioniert sich ein Teil der Clubszene ganz entschieden gegen diese Art von Partys und gegen die Betreiber, die die Ausnahmegenehmigung ausnutzen und Veranstaltungen über die privaten Social Media Accounts der Angestellten verbreiten. Es sei schließlich unverantwortlich, wie leichtfertig einige mit der Gesundheit der Gesellschaft umgehen, denn darunter würden auch die Clubs leiden, die sich an alle Auflagen halten.

Weiterhin Kontrollen angekündigt

Wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickeln wird, v.a. dann, wenn ein Feiern unter freiem Himmel aufgrund der Temperaturen wirklich nicht mehr möglich ist, bleibt ungewiss. Sicher ist allerdings, dass es weiterhin vermehrt Kontrollen von Polizei und Ordnungsamt bei derartigen Feierlichkeiten in Clubs und Discos geben wird, so die Aussagen von Stadt und Polizeipräsidium. „Insbesondere bei Feiern in geschlossenen Räumen bittet die unterfränkische Polizei daher eindringlich um Einhaltung der geltenden Hygiene- und Schutzvorschriften! Es ist zu unser aller Schutz!“

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