Der Azubi-Shuttle als sinnvolle Ergänzung des Angebots im öffentlichen Nahverkehr? Die Verkehrsanbindung in ländlichen Gebieten könnte so individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Symbolfoto: Pascal Höfig
Der Azubi-Shuttle als sinnvolle Ergänzung des Angebots im öffentlichen Nahverkehr? Die Verkehrsanbindung in ländlichen Gebieten könnte so individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Symbolfoto: Pascal Höfig

Der Azubi-Shuttle – auch eine Idee für Würzburg?

Sinkende Bewerberzahlen für Ausbildungsstellen, jetzt auch noch Verunsicherung am Arbeitsmarkt durch die Coronakrise: Das Handwerk hat Schwierigkeiten in der Akquise von personellem Nachwuchs und fährt aktuell selbst nur auf Sicht. Um die Attraktivität von Ausbildungsberufen bei jungen Menschen wieder zu steigern, bedarf es kreativer Ansätze. Das gilt insbesondere für schlecht angebundene Ausbildungsstellen in ländlichen Regionen – fehlende Mobilität schließt eine Bewerbung oft von vornherein aus. Ein Modellprojekt des Landkreises Rhön-Grabfeld lässt aufhorchen.

Schlechte ÖPNV-Anbindung in Rhön-Grabfeld

Aufgrund der mäßigen ÖPNV-Anbindung im Landkreis Rhön-Grabfeld ist es für Auszubildende meist nicht leicht, die Mobilitätsanforderungen für eine entferntere Ausbildungsstelle zu erfüllen. Zum Zeitpunkt des Ausbildungsstarts verfügen die meisten aufgrund ihres jungen Alters noch nicht über einen Führerschein oder ein eigenes Auto – was also tun?

„LandMobil“: Mobilitätserweiterung für Azubis

Zwar gehen sowohl die Zahlen der Bewerberinnen und Bewerber als auch die der Stellenangebote zurück, neben den aktuellen arbeitsmarkttechnischen Unsicherheiten liegt dies aber auch am Mismatch aufgrund fehlender regionaler Mobilität: Daher hatte der Landkreis Rhön-Grabfeld beschlossen, die Fördermittel des Bundesprogramms „LandMobil“ für eine Optimierung des ÖPNV zugunsten der Azubis zu nutzen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterstützt in diesem Rahmen Modellprojekte mit einem Beitrag in Höhe von bis zu 180.000 Euro über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren. Dazu zählen praktische Lösungsansätze im Bereich Mobilitätsmanagement und Ride-Sharing.

Einzigartiges Projekt: 25 Anmeldungen

Im Falle des Rhön-Grabfelder Modellprojektes gilt für eine Nutzung des Angebots, dass keine geeignete Bus- oder Zugverbindung zum gewünschten Ausbildungsort besteht. Die vier Minibusse im Landkreis Rhön-Grabfeld funktionieren als Rufbussystem, für das sich laut Main-Post 25 Auszubildende im Vorfeld angemeldet hatten. Diese werden an den jeweiligen Bushaltestellen des ÖPNV-Netzes abgeholt und weiter auf ihre Ausbildungsbetriebe in den peripheren Orten des Landkreises verteilt. Damit sucht das Projekt des Landkreises landesweit seinesgleichen.

Eine Idee für die Region Würzburg?

Ob sich der Azubi-Shuttle bewährt, muss sich noch zeigen. Anhand der Resonanz wird in den nächsten zwei Jahren zu bewerten sein, ob sich das Projekt lohnt und weiter ausgebaut wird. Für die Rekrutierung passender Auszubildender könnte es allerdings ein wichtiger Faktor sein, um die Attraktivität lokaler Betriebe im Landkreis Rhön-Grabfeld zu steigern und Ausbildende und Lehrlinge besser zusammenzubringen. Aber existieren diese Probleme nicht auch in anderen Landkreisen und Gemeinden? Dieses Projekt ist daher möglicherweise für den Würzburger Raum besonders interessant, um außerhalb und in ländlichen Gebieten gelegene Betriebe für Auszubildende attraktiver zu machen, ohne auf das lebendige Stadtleben zu verzichten. Durch die individuelle Anpassung an die Bedürfnisse der Azubis könnten diese möglicherweise eine Ausbildung beginnen, ohne extra den Wohnort in die Nähe des Arbeitsplatzes verlegen zu müssen.

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