Weinbau. Symbolbild: Dominik Ziegler
Weinbau. Symbolbild: Dominik Ziegler

Qualität statt Masse im fränkischen Wein-Jahrgang 2019

Die für die Qualitätsprüfung der hiesigen Weine zuständige Regierung von Unterfranken zieht in einer Pressemitteilung Bilanz für das abgelaufene Weinjahr 2019 und vermeldet einen Zwischenstand bezüglich des ersten Halbjahres 2020. Waren bereits in 2018 die Sommermonate durch Hitze und Trockenheit geprägt, so änderte sich daran im Jahr 2019 nichts. Ein gravierender Unterschied zeigte sich aber im Herbst bei der Lese. Nach einer Erntemenge, wie sie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr vermeldet wurde, im Jahr 2018 (circa 52,5 Millionen Liter) fiel 2019 die Erntemenge im fränkischen Weinbaugebiet auf circa 33,5 Millionen Liter.

Klimawandel spürbar: Sonnenbrandschäden

Grund war der sich immer deutlicher abzeichnende Klimawandel: Das Wetter war im Frühjahr aufgrund eines milden Winters zunächst zu warm – was einen frühen Austrieb der Reben nach sich zog –, dann im Mai zu kalt mit gravierenden Spätfrösten und im Sommer zu heiß mit bis zu 40 ° Celsius bei fehlendem Regen: Trockenstress bei den Reben und Sonnenbrandschäden aufgrund hoher UV-Strahlung in bislang ungekanntem Ausmaß waren die Folge. Diese Witterung hatte immerhin als positiven Effekt, dass in den Rebzeilen nur wenig Krankheiten und auch kaum Schädlinge auftraten. Alles zusammen ergab einen Weinjahrgang mit einer geringen Ertragsmenge wie seit 1985 nicht mehr bei einer sehr guten Qualität der daraus erzeugten Weine.

Weinberge. Symbolfoto: Pascal Höfig

Weinberge. Symbolfoto: Pascal Höfig

Silvaner bleibt typischer Frankenwein

Auch der Wein-Jahrgang 2019 brachte insgesamt nahezu die gesamte Bandbreite der Qualitäten. So wurden von ansprechenden Schoppenweinen bis hin zu edelsüßen Raritäten Weine aller Qualitätsstufen geprüft.  Erneut hat sich der Silvaner sehr deutlich als „die“ fränkische Rebsorte erwiesen. Nach den Zahlen zur Qualitätsprüfung für Weine zum Stichtag 30.06.2020 liegt der Silvaner bei einer Weinmenge von 5,8 Millionen Litern wieder weit vor dem Müller-Thurgau (4,6 Mio.), der zweitwichtigsten Rebsorte hierzulande. Gemessen am Eingang der Anträge für die Qualitätsprüfung folgen dahinter als weitere relevante Weine in Franken die Rebsorten Bacchus, Riesling und die rote Rebe Domina.  Das Aufkommen an Rotlingen zeigt sich in diesem Jahr sehr stabil. Heuer wurden im 1. Halbjahr rund 9,9 % der Weinmenge von Weinen dieser Weinart angestellt. Rotlinge sind frische, fruchtige Sommerweine, die aus dem Verschnitt von weißen und roten Trauben gewonnen werden und insbesondere als vergleichsweise leichte Schoppenweine ihre Liebhaber finden.

Symbolbild Wein. Foto: Pascal Höfig

Symbolbild Wein. Foto: Pascal Höfig

Corona erschwert Bedingungen für Weinprüfer

Die Qualitätsprüfungen selbst liefen im 1. Halbjahr 2020 ab Mitte März auf Grund der Corona-Pandemie unter erschwerten Bedingungen ab. Die Weinprüfstelle der Regierung von Unterfranken musste nach dem 16./17.03.2020 ihre Arbeit zunächst aussetzen, weil das Personal aufgrund der Pandemie teilweise im Katastrophenschutz und für die Beratung in mit der Pandemie zusammenhängenden Rechtsfragen benötigt wurde. Nach der Gewöhnung an die veränderten Umstände im Zeichen des Pandemiegeschehens konnten seit Mitte Mai alle übertragenen Arbeiten von der Weinprüfstelle der Regierung von Unterfranken zurückübernommen werden.

Weinmarkt im Umbruch: Sinkende Qualitätsprüfungen

Im 1. Halbjahr 2020 absolvierten bislang rund 22,5 % der Weinmenge die Qualitätsprüfungen als Prädikatsweine, ein Rückgang gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 mit damals 24,4 %. Dieser Rückgang ist damit zu erklären, dass immer mehr Weinbaubetriebe darauf verzichten, ihre trocken ausgebauten Weine als Prädikatsweine zur Qualitätsprüfung anzustellen, obwohl die Weine dafür die Voraussetzungen an sich erfüllen. Dies geschieht, weil sich der Weinmarkt aufgrund der Vorgaben der EU insoweit derzeit in einem Umbruch hin zu einem Herkunftssystem befindet. In der deutschen Ausprägung ist danach zwar auch künftig die Verwendung der Prädikate rechtlich zulässig und wird insbesondere bei den lieblichen und süßen Weinen beibehalten, verliert aber insgesamt zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Mit lediglich 36 Anträgen auf Sektprüfung gegenüber 50 im Vergleichszeitraum 2019 war auch ein deutlicher Rückgang an geprüften Sekten zu verzeichnen.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Regierung von Unterfranken.

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