Bei der Großdemo von FfF im September gingen Tausende auf die Würzburger Straßen. Foto: Jessica Hänse
Bei der Großdemo von FfF im September gingen Tausende auf die Würzburger Straßen. Foto: Jessica Hänse

Zeugnisübergabe im FFF-Style: Hauptfach Umweltschutz

Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen trafen die „Fridays for Future“-Bewegung an ihrem stärksten Punkt – größere Versammlungen und damit Demos waren nicht erlaubt. Doch FFF nutzte die Zeit, um sich weiterzuentwickeln, und schon Anfang Juni fand unter dem Motto „Systemwandel jetzt!“ der erste Klimastreik unter Coronabedingungen statt. Pünktlich zum Schuljahresende ist nun eine weitere Aktion geplant, wie in einer Pressemitteilung bekannt wird.

Klimazeugnis für die großen Stadtratsfraktionen

Auch wenn sich der Bewegung inzwischen Studierende, Lehrende, Berufstätige und Rentner*innen angeschlossen haben, so war die Bewegung in ihren Anfängen zum Großteil noch von Schüler*innen getragen worden. Somit liegt auch die symbolische Übergabe eines Klimazeugnisses an die Verantwortlichen im Rathaus nahe. Im Hinblick auf Gegner der Bewegung und Klimaverweigerer, die die Schüler*innen lieber im Unterricht sehen statt auf der Straße, begründet Antonia Nitzl, selbst Schülerin der 11. Klasse, die Veranstaltung: „Die sehr viel wichtigere Frage ist in unseren Augen, ob die Politik ihre Hausaufgaben gemacht hat. Warum sollten nur wir uns mit Schulnoten bewerten lassen?“ Man wolle sich schließlich die Zukunft nicht mehr von schlafenden Regierungen zerstören lassen, so Veronika Zirbs, ihres Zeichens Mitorganisatorin bei Fridays For Future Würzburg.

Verärgerung über späten Kohleausstieg

Die vor kurzem auf Bundesebene gefällte Entscheidung über den Kohleausstieg im Jahr 2038 hatte für Wut und Enttäuschung bei FFF gesorgt. Aus Sicht der Bewegung ist das Datum viel zu spät gesetzt. Auch die Inbetriebnahme des Kohlekraftwerks Datteln 4 in NRW läuft konträr zu den Vorstellungen der Klimaschützer*innen. Veronika Zirbs hebt hervor, dass „nicht zuletzt die fortgesetzten fossilen Praktiken die globale Erwärmung immer weiter vorantreiben und die Menschheit in eine beispiellose Katastrophe stürzen“. Wasser auf die Mühlen war außerdem der Fleischskandal in der Tönnies-Fabrik: Weil vegetarische und vegane Ernährung eine bessere Ökobilanz als der Verzehr von Fleisch aus Massenproduktion aufweisen, steht die Fleischindustrie ebenso auf dem Index der Umweltaktivisten.

Fokus auf lokalen Klimaschutz

Mit der Aktion an diesem Freitag um 16 Uhr soll der Fokus jedoch zunächst auf die konkreten Maßnahmen vor Ort gelegt werden. Die Arbeit der Fraktionen in Stadtrat und Kreistag Würzburg wird deshalb in einem Jahreszeugnis bewertet. Die Fraktionsvorsitzenden der beiden größten Stadtratsfraktionen sind laut FFF dazu eingeladen, sich am Freitagnachmittag auf die Mainwiesen zu begeben und sich ihre Bewertung für das vergangene Schuljahr in puncto Nachhaltigkeit abzuholen. Dazu zählen unter anderem Wolfgang Roth (CSU) und die beiden Grünen Karin Miethaner-Vent und Patrick Friedl. Darin wird sich auch zeigen, ob der exakt vor einem Jahr an Oberbürgermeister Christian Schuchardt übergebene Forderungskatalog Wirkung gezeigt hat.

Auch bei der Veranstaltung am Freitag weisen die Veranstalter darauf hin, dass die Abstandsregeln und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu beachten sind. Einen Vorteil hatte die Corona-Zeit dann ja doch: Die angeordneten Schulschließungen nahmen auch denjenigen den Wind aus den Segeln, die den Klimastreik vor allem als Schulschwänzen ansahen. Und in den Sommerferien bleibt auch noch reichlich Zeit für weitere Veranstaltungen. Dem Facebook-Profil von FFF Würzburg nach zu schließen ist die nächste Veranstaltung allerdings erst für 30. Oktober geplant.

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