Nach der Wahl zur dritten Bürgermeisterin: Judith Jörg am 4. Mai in der konstituierenden Sitzung des neuen Würzburger Stadtrats. Foto: Thomas Obermeier
Nach der Wahl zur dritten Bürgermeisterin: Judith Jörg am 4. Mai in der konstituierenden Sitzung des neuen Würzburger Stadtrats. Foto: Thomas Obermeier

Bürgermeisterin im Interview: Was plant Judith Jörg für Würzburg?

Judith Jörg hat es als zweite Frau nach Oberbürgermeisterin Pia Beckmann an die Würzburger Stadtspitze geschafft. Sie ist nun hauptamtliche Bürgermeisterin in Würzburg. Aber wie kam es eigentlich dazu und wofür setzt sich die neue Bürgermeisterin heute ein?

Frage: Dass Sie heute im Rathaus ein Büro als dritte Bürgermeisterin haben, war auch nach der Wahl vom 15. März nicht ohne weiteres absehbar. Kneifen Sie sich noch ab und zu, wenn Sie daran denken, dass Sie jetzt einen wichtigen Job in der Stadt haben?

Judith Jörg: Man braucht schon eine Weile, ehe man das realisiert. Für mich kam das auch ziemlich überraschend. Die CSU hatte die Hauptamtlichkeit der Bürgermeister nicht angestrebt. Und zunächst habe ich vor allem gedacht: Wie kriege ich das mit den Kindern hin? Für die war das der krasseste Schritt. Ich selbst freute mich auf das neue Amt und das Gestalten. Aber für die Kinder hieß das erst mal: Die Mama ist jetzt weg. Gleich am ersten Tag war ich zwölf Stunden im Rathaus, in den Folgewochen kaum weniger. Das ging von null auf hundert.

Das Würzburger Rathaus. Foto: Pascal Höfig

Arbeitsplatz von Judith Jörg – das Würzburger Rathaus. Foto: Pascal Höfig

Frage: Sie waren schon früh politisch aktiv. Was hat Sie als junge Frau zur CSU geführt?

Judith Jörg: Ich war schon immer ein politischer Mensch, aber bis zum 18. Lebensjahr eher neutral. Als ich 20 war, hat mich dann meine Mama bei der CSU angemeldet.

Frage: Ihre Mutter?

Judith Jörg: Sie war selbst Mitglied und meinte, dass es jetzt mal Zeit wird, dass ich mich politisch festlege.

Ist Judith Jörg eher liberal oder konservativ?

Frage: Die CSU hatte Anfang der 90er Jahre eher ein angestaubtes Image. Haben Sie sich als junger Mensch in der Partei wohlgefühlt?

Judith Jörg: Als Junge Union haben wir schon immer mal wieder von unten gepiekst und waren auch hier und da auf Krawall gebürstet. Wir haben sogar einmal überlegt, ob wir eine eigene Stadtratsliste aufstellen, weil wir uns in der damaligen Fraktion nicht widergespiegelt sahen. Das kann man mit der heutigen Situation nicht mehr vergleichen, wo mit Rena Schimmer eine 22-Jährige auf Platz fünf der Liste in den Stadtrat eingezogen ist. Außerdem sind wir heute ganz ohne Quote die weiblichste Fraktion, und die Bürgerinnen und Bürger wählen uns. Auf unsere drei neu besetzten Mandate wurden ausschließlich Frauen gewählt.

Frage: Was reizt Sie am Thema Schule?

Judith Jörg: Ich sehe seit Langem, dass es da viel zu tun gibt. Eigentlich sieht das jeder, da muss man ja nur mal in die Schulen reingehen. Ich habe zahlreiche Anfragen im Stadtrat gestellt, da sich für den außenstehenden Beobachter wenig Sichtbares bewegt hat. Als Bürgermeisterin habe ich jetzt die unbearbeiteten Anträge der letzten Periode vorliegen. Viele der Anträge zum Thema Schule sind von mir. Ich bearbeite also jetzt meine eigenen Anträge, das ist schon ein komisches Gefühl.

Wie die hauptamtliche Bürgermeisterin Beruf und Familie unter einen Hut bekommt und was bei ihr im Privaten passiert, erfährt man im Interview der Main-Post: „Plötzlich Bürgermeisterin: Wie Judith Jörg sich und ihr Amt sieht“.

Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel von Main-Post Redakteur Torsten Schleicher. 

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