Wohnen in der Würzburger Innenstadt? Foto: Pascal Höfig
Wird Wohnen mit Zweitwohnsitz bald besteuert? Foto: Pascal Höfig

Kostet der Zweitwohnsitz bald zusätzliche Steuern?

Eine schöne Wohnung in Würzburg zu finden, gleicht einer unlösbaren Aufgabe, denn die Nachfrage nach Wohnungen in Stadtnähe ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Vor allem junge Studierende sind auf der Suche nach der passenden Wohnung, um ihr Studium in Uni-Nähe zu absolvieren. Im Jahr 2016 wurde das städtische Handlungskonzept Wohnen vorgestellt, dass die Wohnungslage in Würzburg verbessern sollte. Aber ist das Vorhaben wirklich gelungen? Und was tut die SPD eigentlich für den Würzburger Wohnungsmarkt? Die Wohnungsfrage war schließlich das Kernargument des Kommunalwahlkampfs der Partei.

Das Handlungskonzept Wohnen

Im Jahr 2016 hatte Würzburg ein Wohnungsangebot von circa 75.000 Wohnungen. Damals wurde festgestellt, dass bis zum Jahr 2030 6.100 neue Wohnungen entstehen müssen, um der großen Nachfrage, die vor allem von Studierenden ausgeht, gerecht zu werden. Ein anderer Teil des Konzepts verdeutlicht, dass zu diesem Zeitpunkt sogar bereits 9.000 Wohnungen benötigt werden.

Welchen finanziellen Vorteil hätte die Kommune?

Dieses Konzept war Grundlage für das Bauen von Wohnkomplexen im neuen Stadtteil Hubland. Hier sollten 2.500 Wohnungen in unmittelbarer Nähe zur Julius-Maximilian-Universität entstehen. Das reicht jedoch bei weitem nicht aus, denn an der schwierigen Würzburger Wohnsituation hat sich bislang noch nichts geändert. Die SPD möchte hier jetzt ansetzen, indem sie auf bereits bestehenden Wohnraum zielt. Zweitwohnsitze sollen nach Meinung der Partei in Zukunft besteuert werden.

Der neue Stadtteil Hubland wächst. Foto: Katharina Kraus

Der neue Stadtteil Hubland wächst. Foto: Katharina Kraus

Die Zweitwohnsitzsteuer

Aber wen betrifft diese Steuer eigentlich? Die Steuer sollen Personen zahlen, die in der jeweiligen Kommune eine Zweitwohnung besitzen, jedoch mit ihrem Erstwohnsitz in einer anderen Kommune gemeldet sind. Davon sind in Würzburg natürlich vor allem die Studierenden betroffen, da diese häufig ihren Erstwohnsitz bei ihren Eltern haben. Die Steuer muss aber auch gezahlt werden, wenn sich die Zweitwohnung am Erstwohnsitz befindet. Es ist also egal, ob der Erstwohnsitz bei den Eltern innerhalb oder außerhalb Würzburgs angemeldet ist. Diese Regelung ist in München und Nürnberg schon in Kraft getreten. Hier werden zehn Prozent der Nettokaltmiete für den Zweitwohnsitz als Steuer fällig.

Die Zweitwohnsitzsteuer wurde bereits von über 100 bayerischen Kommunen eingeführt. Die Steuer wird an der Jahreskaltmiete und bei einer Eigentumswohnung an einer Vergleichsmiete festgemacht. Jede Kommune darf über den Prozentsatz selbst entscheiden. In Würzburg wurde zuletzt 2006 darüber diskutiert, allerdings wäre die Durchführung der Stadt damals zu aufwendig gewesen.

Wohnungen aufgeben wegen Zweitwohnsitzsteuer?

SPD-Fraktionschef Alexander Kolbow appelliert nun an die Bürger: „Es geht auch darum, dass Menschen, die in Würzburg eine Zweitwohnung haben, vielleicht darüber nachdenken, ob sie die Wohnung aufgeben.“ Dadurch würden die Wohnungen zurück auf den Markt kommen, was die Wohnungslage deutlich verbessern könnte.

Steuer für Zweitwohnsitz in der Praxis

Bevor die SPD die neue Steuer einführt, möchte sie erst prüfen, ob sie in Würzburg anwendbar ist. Kolbow meint: „Aus anderen Kommunen gibt es jedoch auch Berichte über den hohen Verwaltungsaufwand bei der Umsetzung einer derartigen Steuer. Die Stadtverwaltung soll daher den Nutzen und die erwarteten Kosten gegeneinander abwägen, um dem Stadtrat eine fundierte Diskussion über das Thema Zweitwohnsitzsteuer zu ermöglichen“.

In Nürnberg hat sich die Zweitwohnsitzsteuer bereits ausgezahlt, denn etwa 500 Wohnungsnutzer haben deswegen ihren Nebenwohnsitz zum Hauptwohnsitz umgewandelt. Wie die Debatte in Würzburg ausgehen wird, bleibt abzuwarten.

Was nützt es der Kommune, wenn Zweitwohnsitze in Würzburg zum Erstwohnsitz werden? Details dazu sowie zum Thema Finanzausgleich sowie weitere Anträge zum Wohnen in Würzburg kann man im Artikel der Main-Post „Wohnungsmarkt: Kommt in Würzburg eine Steuer auf Zweitwohnungen?“ nachlesen.

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel des Main-Post Redakteurs Torsten Schleicher.

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