Universitätsbibliothek am Hubland. Foto: Pascal Höfig
Universitätsbibliothek am Hubland. Foto: Pascal Höfig

Erfahrungsbericht: Corona, was machst du nur mit unserer Uni?

Sich um 8:15 Uhr hoch ans Hubland quälen, mit Augenringen bis zu den Knien und es dann irgendwie 1 1/2 Stunden am Stück auf den ungemütlichen Holzbänken der Vorlesungssäle aushalten: Auf all das schauen wir Studenten seit diesem Semester wehmütig zurück. Statt Hörsaal heißt es nun WG-Zimmer, und statt Mensa eine Tütensuppe am eigenen 4-Platten-Herd. Was uns Studenten die Corona-Zeit alles bringt und was vor allem nicht – ein Erfahrungsbericht unserer studentischen Aushilfe Sarah von der Home-Uni.

Im Pyjama am Schreibtisch

Aktuell stehe ich gegen 8:00 Uhr auf, denn selbst wenn die erste Vorlesung via Zoom schon um 08:15 Uhr beginnt, muss ich mich ja eigentlich nicht aus dem Bett bewegen oder kann mich zumindest im Pyjama an den Schreibtisch sitzen. Eine Viertelstunde zum Wach werden muss dennoch sein, denn auch wenn der Kater aus der Katze seit Monaten ausbleibt, darf ein anständiger Kaffee nicht fehlen.

So beginnt sie also, die erste Vorlesung via Zoom. Ich muss zugeben: Auch ich war eine derjenigen, die sich schon in den letzten Semestern darüber aufgeregt hat „Warum nehmen die Dozenten ihre Vorlesungen denn nicht auf und stellen diese Online zur Verfügung?“ Schließlich seien wir ja nicht mehr im Mittelalter. Jetzt weiß ich nur zu gut, warum das nie geschah: Eine Vorlesung ohne einen Hörsaal, da fehlt einfach etwas. Sei es nur das kratzende Mikrofon oder der Sitznachbar, der einen dauernd vom Wesentlichen der Veranstaltung abhielt.

Die Dozenten und die Technik

Während der letzten Monate konnte ich eines klar feststellen: Die Dozenten sind entweder wahre Technik-Genies oder wissen kaum, wie man die Wörter Zoom oder Skype buchstabiert. So gibt es Professoren, die richtig kreativ werden, was die verschiedenen Zoom-Hintergründe angeht: Während der Vorlesung wird auf einmal im Hintergrund ein Mann eingeblendet, so getan als wäre er echt und dieser dann Mitten in der Vorlesung begrüßt – eine lustige Abwechslung.

Auf der anderen Seite gibt es dann aber auch Dozenten, die technisch eher weniger gut zurechtkommen: Einmal kam es vor, dass den Studenten fälschlicherweise und ungewollt ein Finanzvortrag gehalten wurde, weil aus Versehen der Ton der Studenten abgeschaltet wurde. Die Einwände der Hörer wurden so leider gekonnt ignoriert.

JMU, du wirst vermisst!

So nimmt der Tag seinen Lauf und ein Seminar nach dem anderen reiht sich an die nächste Vorlesung. Umso später die Uhrzeit, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit auch einmal ein bekanntes Gesicht unter den Kommilitonen zu entdecken. Das ist wohl auch das Schlimmste, das wohl so gut wie alle Studenten so furchtbar vermissen: Der Kontakt zu den Freunden! Über die letzte Klausur in der Mensa diskutieren oder gemeinsam die nächste Partynacht planen – all das fehlt und könnte auch nie durch Zoom und Co ersetzt werden.

Und auch wenn der Campus am Hubland vielleicht keine architektonische Perle sein mag: Der viel zu volle Bus 114, der stickige Seminarraum und die viel zu kleine Schrift auf den Vorlesungsfolien – liebe JMU, trotz allem wirst du dennoch vermisst!

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