Gina vor ihrem Einzug in den Container. Foto: © SAT.1
Gina vor ihrem Einzug in den Container. Foto: © SAT.1

Wir fragen Gina: Wie ist es als Kandidatin bei „Big Brother“?

100 Tage, 95 Kameras und 100.000 Euro: Im Februar stellten sich 14 Bewohnern dem Sozialexperiment „Big Brother“ – unter ihnen auch die Würzburgerin Gina. Von dem Weltgeschehen rund um Corona hat auch sie deshalb zunächst nichts mitbekommen. Uns erzählt sie, wie sie zu einer Teilnahme an der wohl bekanntesten Reality-Show der Welt kommt und wie es war, von den Ausmaßen der Pandemie zu erfahren und in einen veränderten Alltag rund um Maskenpflicht und Abstände entlassen zu werden.

Schon immer ein großer Fan

Würzburg erleben (WE): Wie kommst Du zu einer Teilnahme bei „Big Brother“?

Gina: Ich war schon immer ein großer Fan von „Big Brother“, die Promi-Ausgabe habe ich, seitdem es sie gibt, immer mitverfolgt. Generell finde ich Sozial-Experimente extrem spannend – man weiß nie, was auf einen zukommt. Auch dass man mit Big Brother eine Art „Macht über einen“ besitzt, der man immer gehorchen muss, finde ich sehr interessant. Als ich den Aufruf bei der letzten Staffel Promi-Big Brother gesehen hab, hab ich mich sofort beworben. Die Voraussetzungen habe ich ja erfüllt: Ich bin alt genug, komme gut mit Menschen aus und mag es auch gerne, Menschen um mich herum zu haben. Da dachte ich mir: „Ja, dieses Projekt passt zu mir!“ und wollte mit meiner leicht verrückten Art die Leute aufmischen.

WE: Wie lief die Bewerbung ab?

Gina: Vorab musste man ein dreiminütiges Handy-Video mit Infos über einen selbst einschicken und einen Fragebogen ausfüllen. Nach einer längeren Wartezeit wurde ich schließlich zu einem Casting eingeladen. Das hat dann zum Glück auch geklappt!

WE: Hast Du mit einer Zusage gerechnet? Wie hast Du Dich gefühlt, als Du davon erfahren hast?

Gina: Ich habe auf jeden Fall darauf gehofft – vor allem da man es ja schon zu einer Einladung zum Casting geschafft hat, will man natürlich unbedingt genommen werden. Am Anfang habe ich aufgrund meines Alters nicht mit einer Zusage gerechnet, ich bin ja erst im Big Brother-Haus 20 Jahre alt geworden. Ich dachte, dass eher ältere Bewerber bevorzugt werden und ich deshalb zu jung bin. Als es immer ernster im Castingprozess geworden ist, habe ich mir eine Zusage aber unfassbar stark gewünscht und habe abends im Bett auch an nichts mehr anderes gedacht.

Als ich dann erfahren habe, dass ich als Bewohnerin für das Big Brother-Haus ausgewählt wurde, habe ich erstmal geschrien und den ganzen Tag gezittert, weil ich so happy war. An den Tag werde ich mich für immer erinnern, das war schöner als jeder Geburtstag! Schwierig war es allerdings die Freude für sich zu behalten – man durfte ja niemanden etwas davon erzählen.

WE: Mit welchen Erwartungen bist Du ins Big Brother-Haus eingezogen?

Gina: Ich hatte eigentlich keine hohen Erwartungen, da die Staffeln jedes Jahr anders ausfallen. Deshalb konnte ich mir auch nicht ausmalen, wie das Haus dieses Mal ausfallen würde. Ich habe eher damit gerechnet, dass es wie 2015 einen „krasseren“ Strafbereich gibt. Das war dieses Mal nicht der Fall – das Blockhaus war ja trotzdem recht schön zu bewohnen, auch wenn es hier keinen Luxus gab. Ich war aber natürlich neugierig, wie alles ablaufen wird, wie die Leute so sind und ob ich mich mit ihnen verstehen werde.

Von der Außenwelt abgeschottet

WE: Ist es nicht merkwürdig, wenn einen täglich tausende von Menschen im Fernsehen sehen? Privatsphäre gibt es ja dadurch nicht.

Gina: An sich waren die Kameras kein Problem für mich. Ich hatte hier nicht das Gefühl, im Fernsehen zu sein, da man sich ja die Folgen auch nicht ansehen konnte. Man lebt also ganz normal, die Kameras hat man auch nicht auf dem Schirm. Das einzige, was mich wirklich gestört hat, war das Duschen – hier hat man sich immer extrem beobachtet gefühlt, wenn die Kameras sich auf einen richten. Duschen ist ja auch einfach etwas Privates, wobei man nicht gefilmt werden möchte.

WE: Wie fühlt es sich an, nichts von der Außenwelt mitzubekommen – ist das belastend oder eher eine Erleichterung?

Gina: Es ist schon seltsam, nichts von Außen mitzubekommen. Uns wurde aber versprochen, dass uns Bescheid gegeben wird, wenn z.B. etwas Schlimmeres mit unserem Familien- oder Bekanntenkreis passiert. Das ist schon erleichternd, weil man weiß, dass alles mit seinen Leuten okay ist. Wir haben es immer so genannt, dass man im „Big Brother-Kosmos“ lebt. Hier blendet man alles andere aus und lebt in seiner eigenen Welt. Man denkt dabei auch nicht an die Welt „draußen“.

WE: Von der Außenwelt abgeschottet zu sein, bedeutet aber auch, nichts von der Corona-Pandemie mitzubekommen. Wie hast Du Dich gefühlt, als man Euch von der aktuellen Situation um das Coronavirus erzählte? Was war Dein erster Gedanke?

Gina: Als wir von Corona erfahren haben, waren wir komplett schockiert. Niemals hätten wir damit gerechnet, dass es draußen so abgeht – das konnten wir gar nicht fassen. Corona hat zwar mehr oder weniger schon existiert, bevor wir ins Haus eingezogen sind, aber da hatte noch keiner gedacht, welche Auswirkungen das Coronavirus haben könnte. Das dann von jetzt auf gleich zu erfahren, ist schon heftig.

Befremdlicher Alltag

WE: Der Alltag hat sich nun verändert: Masken im Alltag, 1,5 m Abstand zu anderen Menschen etc. gehören nun dazu – fühlt sich das nicht komisch an, plötzlich in diesen veränderten Alltag zu treten?

Gina: Ja, das ist extrem komisch und gewöhnungsbedürftig. Auch jetzt habe ich die Regelungen häufig noch nicht auf dem Schirm, z.B. habe ich letztens beim Einkaufen an der Kasse nicht auf die Sicherheitsabstände geachtet, bis mir die Markierungen am Boden aufgefallen sind. Da hab ich mich natürlich sofort entschuldigt und wieder nach hinten gegangen, das ist für mich einfach noch immer komisch. Dass Masken nun zum Alltag gehören, fühlt sich für mich auch immer noch sehr befremdlich an und wirkt irgendwie ein bisschen wie in einem Film. Die womöglich krasseste Phase haben wir ja im Haus verbracht, ein ganzes Weltgeschehen zu verpassen, ist da schon sehr merkwürdig.

WE: Was hat Dich an der Show am meisten überrascht?

Gina: An sich wusste ich ja schon ungefähr, wie Big Brother abläuft. Dennoch war eigentlich jeder Tag eine Überraschung, da man nie wusste, was auf einem zukommt. Überrascht hat mich, dass ich die ersten Wochen beim Ranking eher unten lag, und dann am Ende trotzdem noch extrem gestiegen bin und trotzdem noch von „Außen“ gemocht wurde. Die Leute müssen einen ja auch erst kennenlernen – dann ist es ja auch besser geworden.

Auch als Zweitplatzierte zufrieden

WE: Leider hat es nicht für einen Gewinn gereicht – woran ist es gescheitert?

Gina: Dazu muss ich sagen, dass ich überhaupt nicht traurig bin, nicht gewonnen zu haben. Klar ist der Gewinn auch schön – wegen des Geldes habe ich aber nicht mitgemacht. Generell hätte ich nie damit gerechnet, so weit zu kommen und am Ende sogar Zweitplatzierte zu werden, ist eine große Ehre für mich. Damit bin ich auch super zufrieden!

WE: Was hättest Du mit der Gewinnsumme angefangen, wenn Du gewonnen hättest?

Gina: Da ich vorher noch nie so viel Geld besessen habe, kann man das ja nie so genau sagen. Zuerst hätte ich meiner Familie Geld gegeben, da sie mich immer finanziell unterstützt haben. Ich war zum Beispiel auch in Australien usw., da fühle ich mich schon schlecht und deshalb würde ich ihnen gerne etwas zurückgeben. Dann hätte ich mir gerne ein kleines, altes Auto gekauft – was ich mittlerweile auch gemacht habe. Ich interessiere mich nicht wirklich für Autos und kenne mich da nicht aus, deshalb reicht mir auch ein „Schrottauto“ – Hauptsache es fährt!

WE: Hast Du Pläne für die Zukunft?

Gina: Mein erster großer Plan ist es, nach Berlin zu ziehen – das habe ich schon länger vor. Dort will ich mit einem Kumpel von mir in einer WG wohnen und meine Schulabschlüsse nachholen, wenigstens bis zum Realschulabschluss. Und dann mal sehen, was auf mich zukommt! Ich könnte mir vorstellen, in einer Werbeagentur zu arbeiten: Ich habe ja bereits Praktika in diesem Bereich gemacht und das wäre ein großer Traum von mir. Durch Big Brother habe ich außerdem gemerkt, dass eine Arbeit hinter statt vor der Kamera auch ziemlich interessant ist.

WE: Und zu guter Letzt: Wenn Du Würzburg mit drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Ich würde Würzburg zum einen als sehr schön bezeichnen: Durch die Altstadt, unsere Alte Mainbrücke und dem Main ist es hier ja besonders schön! Für mich ist Würzburg aber auch sehr klein, ich brauche einfach eine richtige Großstadt – hier kennt man einfach schon alles. Außerdem würde ich Würzburg auch als bunt bezeichnen: Hier gibt es viele schöne Veranstaltungen wie das Umsonst & Draußen, das Stadtfest, das Kiliani uvm. Dadurch steigt auch das Gemeinschaftsgefühl in der Stadt!

Unsere Rubrik „Wir fragen…“

In unserer Rubrik „Wir fragen…“ stellen wir Würzburger Persönlichkeiten aus den verschiedensten Lebensbereichen vor und fragen sie nach ihren Erfahrungen. Wen wolltet ihr schon immer mal etwas Bestimmtes fragen? Schreibt uns per Mail an redaktion@wuerzburgerleben.de oder kommentiert unter unserem Facebook-Posting!

- ANZEIGE -