Jugendhaus Windrad mit altem und neuem Windrad. Fotos: Jugendbegegnungshaus Windrad e.V. / Dominik Großmann
Jugendhaus Windrad mit altem und neuem Windrad. Foto: Jugendbegegnungshaus Windrad e.V. / Dominik Großmann

Wiederaufbau des Windrads am Gut Heuchelhof

Nach gut zwei Jahren Reparaturzeit wurde am Freitag, dem 5. Juni 2020, das Windrad auf der Scheunenkirche St. Hedwig im Gut Heuchelhof wiederaufgebaut.

Die Geschichte des Windrads reicht weit zurück und im Lauf der Zeit wurde das Windrad auf dem ehemaligen Gutshof u.a. zur Wasserförderung und Stromgewinnung genutzt. In den 1990er Jahren wurde das alte und beschädigte Windrad von Prof. Walter Baur von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt gemeinsam mit Studierenden nachgebaut und  drehte sich dort, bis bei einem Sturm im Februar 2017 ein Flügel ausgebrochen ist. Daraufhin musste das Windrad abgebaut und renoviert werden.

Renovierung

Nachdem Prof. Walter Baur 12 neue Flügel angefertigt, die anderen Teile des Windrads überprüft und neu lackiert hatte sowie ein neues Getriebe eingebaut hat, wurde das Windrad am Donnerstagabend im Gutshof aus seinen Einzelteilen zusammengebaut. Die Vormontage wurde mithilfe von Valentin Lang, ehrenamtliches Vorstandsmitglied im Jugendbegegnungshaus Windrad e.V. und Andreas Dedio, Hausmeister der Pfarrei St. Sebastian am Freitagmorgen fertiggestellt. Vor den Augen der Kinder der Kindertagesstätte Gut Heuchelhof und der Kinderkrippe Windrädchen wurde dann das Windrad mit dem Baukran der Fa. Riedel-Bau auf den Turm von St. Hedwig gehoben.

Endmontage mit dem Baukran der Fa. Riedel-Bau auf der Scheunenkirche St. Hedwig. Foto: Jugendbegegnungshaus Windrad e.V. / Dominik Großmann

Endmontage mit dem Baukran auf der Scheunenkirche St. Hedwig. Foto: Jugendbegegnungshaus Windrad e.V. / Dominik Großmann

Geschichte Gut Heuchelhof

Früher als landwirtschaftliches Anwesen genutzt, bildete der fränkische Gutshof Heuchelhof neben zwei weiteren Höfen die Reste des Dorfes Heuchelheim. Dieses wurde erstmals 856 urkundlich erwähnt. 1811 kauft Freiherr Groß zu Trockau den Gutshof Heuchelhof, die Familie bewirtschaftete ihn zuletzt selbst bis in die 1960er Jahre. Er war ca. 228 ha groß und beschäftigte 25-30 Personen. Der Gutshof wurde zudem im Zweiten Weltkrieg zu einem Treffpunkt der Widerstandsgruppe in den Vorbereitungen des Hitler Attentats vom 20. Juli 1944. Mit dem Verkauf der Ackerflächen am Heuchelhof an die Stadt Würzburg im Jahre 1961 wurde der Stadtteil neu besiedelt. Der alte Gutshof Heuchelhof lag zuletzt ungenutzt am Rande des neuen Stadtteils und wurde von der gerade neu gegründeten Kirchenstiftung St. Sebastian erworben.

Unterstützung der Fa. Riedel Bau beim Aufbau. Foto: Jugendbegegnungshaus Windrad e.V. / Dominik Großmann

Aufbau des Windrads. Foto: Jugendbegegnungshaus Windrad e.V. / Dominik Großmann

Geschichte Windrad

Wie weit die Geschichte des Windrads auf dem Dach der ehemaligen Scheune zurückreicht, lässt sich nur schwer herausfinden. Dokumentiert ist es u.a. auf einem historischen Foto von 1894. Vermutlich wurde das Windrad damals in Verbindung mit einem Brunnen oder Zisterne genutzt, um den Gutshof mit Wasser zu versorgen. Damit begegnete man den schwierigen Wasserversorgungsverhältnissen an dem hoch gelegenen Ort. Außerdem soll es zum Antrieb einer Säge sowie zum schroten von Getreide genutzt worden sein. In den 1940er Jahren wurde das Windrad laut Zeitzeugen auch zur Stromerzeugung genutzt.

Nachdem das Windrad nicht mehr benutzt wurde, ist es zerfallen. 1995 wurden die Überreste gefunden und erste Überlegungen angestellt, wie eine Wiederaufrichtung möglich wäre. Prof. Baur und Studierende der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt bauten das Windrad anhand von alten Fotos nach. So wurde das Windrad 1997 wieder an seinem alten Ort aufgestellt. Dort drehte es sich gut 20 Jahre bis es im Februar 2017 bei einem Sturm schwer beschädigt wurde: Einer der 12 Flügel ist ausgebrochen und vom Dach gefallen. Daraufhin musste das Windrad demontiert werden.

Wahrzeichen und Denkmal

Das Windrad ist weithin sichtbar, quasi das Wahrzeichen für den Stadtteil Heuchelhof.  Vom Gut Heuchelhof steht heute nur das ehemalige Hauptwohnhaus im Kopfbau unter Denkmalschutz. Dadurch konnten die anderen Teile des Gut Heuchlhof zweckmäßig umgebaut werden und so die heutige Nutzung erst ermöglicht werden. Auch schon kurz nach der Fertigstellung 1997 beschreibt Barbara Kahle das Windrad als bereits als „ein für die Würzburger Gegend relativ einzigartiges technisches Denkmal“

Außerdem wurden die Kinderkrippe Windrädchen sowie das Jugendbegegnungshaus Windrad nach dem Windrad auf dem Kirchendach benannt. Beide Einrichtungen identifizieren sich in besonderer Weise mit dem Windrad, was z.B. durch die grafische Darstellung in den beiden Logos der Kinderkrippe und des Jugendhauses sichtbar wird.

Unterstützer des Projekts

Möglich wurde das Projekt dank der Unterstützung zahlreicher Beteiligter: Prof. Walter Baur, der die Reparatur ausgeführt hat, der Fa. Riedel-Bau, die den Kran für den Aufbau zur Verfügung stellt, der Stadt Würzburg, der Sparkassenstiftung und der VR-Bank, die das 35.000 €-Projekt bezuschusst haben sowie vielen ehrenamtlich Engagierten in der Pfarrei St. Sebastian und dem Jugendbegegnungshaus Windrad e.V. die Spenden für die Finanzierung eingeworben und zum Teil selbst mit Hand angelegt haben.

„Ich bin sehr froh, dass das Windrad als Namensgeber unseres Jugendhauses jetzt wieder an ‚seinem‘ Platz ist. In den vergangenen drei Jahren gab es viel ehrenamtliches Engagement im Jugendbegegnungshaus Windrad e.V. und in der Pfarrei für die Reparatur und Finanzierung des Windrads – das wurde heute belohnt!“, freut sich Dominik Großmann, Hausleitung des Jugendbegegnungshauses Windrad und Mitglied des Pastoralteams der Pfarrei St. Sebastian.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Jugendbegegnungshauses Windrad.

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