Wissenschaftsminister Bernd Sibler im VR-Labor: Ein 3D-Scan wird durchgeführt, um eine VR-Avatar des Ministers zu erstellen. Bild: Universität Würzburg.
Wissenschaftsminister Bernd Sibler im VR-Labor: Ein 3D-Scan wird durchgeführt, um eine VR-Avatar des Ministers zu erstellen. Bild: Universität Würzburg.

KI Forschung: Wissenschaftsminister Sibler in Würzburg

Am 3. Juni 2020 besuchte Wissenschaftsminister Bernd Sibler Würzburg, um sich einen Überblick über die aktuelle Forschung im Bereich Künstliche Intelligenz und Data Sciene in Bayern zu verschaffen. Er besuchte sowohl die FHWS als auch die Uni Würzburg, die beide als zentrale Innovationsstandorte für dieses Forschungsgebiet gelten.

Künstliche Intelligenz

Der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Schon heute prägt KI den gesamten Alltag, z.B. bei der Sprachsteuerung von Navigationssystemen oder der Gesichtserkennung zum Entsperren von Smartphones. Und auch die Produktvorschläge in Online-Shops sind heutzutage alles andere als zufällig, sondern bauen auf Künstlichen Intelligenzen auf. Die Anwendungsmöglichkeiten der KI sind nahezu unbegrenzt. Überall dort, wo große Datenmengen verarbeitet werden, kann KI zum Einsatz kommen. Die technologische Tragweite der KI hat epochalen Charakter. Nicht zuletzt deshalb wird sie von Expertinnen und Experten auch als fünfte industrielle Revolution bezeichnet bzw. Industrie 5.0.

KI-Kompetenzzentren: CAIRO & CAIDAS

An der Universität Würzburg befindet sich das Center for Artificial Intelligence in Data Science (CAIDAS), das im Rahmen der Schwerpunktbildung zur Künstlichen Intelligenz (KI) in der Hightech Agenda des Freistaats Bayern zuständig für das Thema Data Science ist. An der FHWS befindet sich das Center Artificial Intelligence and Robotics (CAIRO), das KI-Kompetenzzentrum der FHWS.

CAIDAS

CAIDAS verknüpft Methoden der Data Science und angrenzender KI-Bereiche mit Anwendungsfeldern in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu bedarf es der Zusammenarbeit interdisziplinärer Forschungsteams, die innovative mathematische Methoden und den effizienten Umgang mit enormen Datenmengen mit spezifischem Domänenwissen kombinieren und auf diese Weise neue Lösungen für unterschiedlichste Anwendungsbereiche entwickeln.

Das Zentrum gliedert sich in drei Schwerpunktbereiche: „Grundlagen der Data Science und des Machine Learning“, „Human Centered AI und Data Science“ an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine sowie „Data Science für die Wissenschaft“ mit Ausstrahlung in die Geistes-, Gesellschafts-, Natur- und Lebenswissenschaften, die Medizin und Bereiche der Ingenieurwissenschaften.

Kern von CAIDAS bilden 30 Lehrstühle und Professuren der JMU: Das Zentrum basiert auf fünf bestehenden Lehrstühlen aus der Informatik.

Zur KI-Forschungsoffensive in Bayern sagte Sibler: „Mit insgesamt 100 neuen Professuren auf diesem Zukunftsgebiet legen wir die Grundlage dafür, dass Bayern als Wissenschaftsstandort seine Sichtbarkeit und Wettbewerbsposition auf diesem begehrten Markt entscheidend verbessern kann. Das ist auch mit Blick auf die Belebung der Wirtschaft und von Wertschöpfungsketten nach der Corona-Pandemie wertvoll.“

Prof. Dr. Robert Grebner, Präsident der FHWS, führt Staatsminister Bernd Sibler durch das begehbare Gehirn der FHWS. Bild: FHWS Würzburg-Schweinfurt.

Prof. Dr. Robert Grebner, Präsident der FHWS, führt Staatsminister Bernd Sibler durch das begehbare Gehirn der FHWS. Foto: FHWS Würzburg-Schweinfurt.

CAIRO

Der Zusatz „Robotics“ in CAIRO soll eine Brücke zur Robotik herstellen, die neben der KI zu den strategischen Entwicklungsfeldern der FHWS zählt und mit dem Aufbau eines separaten Robotik-Kompetenzzentrums in Schweinfurt forciert wird. „Im Zusammenspiel von KI und Robotik steckt großes Potenzial, das wir mit unseren Zentren forschungstechnisch erschließen wollen“, erklärt Prof. Dr. Grebner.

Das KI-Kompetenzzentrum CAIRO wird in der Gründungsphase sieben Professuren umfassen. Mittelfristig sollen zehn weitere Professuren hinzukommen, die in der angewandten KI-Forschung tätig werden. Der Bedarf hierfür ist riesig. „Schon heute erhalten wir zahlreiche Anfragen von Unternehmen, die ihre Produkte oder Prozesse mit KI optimieren wollen“, so der Präsident weiter. Die FHWS wird sich in der Forschung vor allem auf die angewandte „starke KI“ konzentrieren. Dies wird auch ein Alleinstellungsmerkmal von CAIRO sein. Starke KI bedeutet, dass die entwickelte Software eigenständig und problemorientiert denken und handeln kann, ähnlich oder genauso wie das menschliche Gehirn.

Bayern, KI & die Rolle Würzburgs

Bayern hat das Ziel, Vorreiter der KI zu werden. Mit einem breit angelegten Förderprogramm, das in der Hightech-Agenda Bayern manifestiert ist, will die Staatsregierung Unternehmen und Hochschulen unter die Arme greifen, um den Anschluss zu den Taktgebern in den USA und China zu halten.

Würzburg spielt in der Hightech Agenda und der bayerischen KI-Strategie eine besondere Rolle, denn Würzburg zählt zusammen mit München, Ingolstadt und Erlangen-Nürnberg zu den vier sogenannten „KI-Knoten“ im Bayerischen KI-Netzwerk. Die Knoten dienen als Anker- und Anknüpfungspunkte, über die KI-versierte Firmen und Einrichtungen Anschluss an das bayerische KI-Netzwerk finden. Der fachliche Schwerpunkt des KI-Knotens Würzburg liegt auf dem Gebiet „Data Science“.

Forschungsstand

Wissenschaftsminister Sibler informierte sich direkt bei den Forschenden über aktuelle Projekte der KI und Data Science in Würzburg. Der CAIDAS-Sprecher, Informatiker Professor Andreas Hotho, präsentierte gleich zwei Beispiele aus der Praxis: Mit „Machine Learning“ und KI kann sein Team regionale, hochauflösende Klimadaten analysieren und Prognosen erzeugen. Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der Sprach- und Textanalyse in der Gaming-Szene – konkret auf der Plattform Twitch. Hier steht die KI-basierte Erkennung von Meinungsbildern auf der im eSports beliebten Plattform im Fokus – und damit die veränderten Kommunikationsformen von jungen Menschen.

Professor Marc Latoschik stellte dem Minister den Bereich „Human Centered AI“ am Beispiel virtueller Realitäten vor: So schlüpfte Sibler mit einer Virtual Reality-Brille als Lehrer in ein virtuelles Klassenzimmer – ein Projekt für künftige Lehramtsstudierende. Hier hatte er es mit aufmüpfigen KI-Schülern zu tun.

Wissenschaftsminister Bernd Sibler wurden die neusten KI-Projekte an der JMU erklärt (v.l. Alfred Forchel, Marc Latoschik, Andreas Hotho, Bernd Sibler, Georg Gasteiger, Fotis Jannidis und Patrick Friedl) Bild: Universität Würzburg.

Wissenschaftsminister Bernd Sibler wurden die neusten KI-Projekte an der JMU erklärt (v.l. Alfred Forchel, Marc Latoschik, Andreas Hotho, Bernd Sibler, Georg Gasteiger, Fotis Jannidis und Patrick Friedl). Foto: Universität Würzburg.

KI als Lehre

An beiden Hochschulen entstehen KI-Kompetenzzentren, mit denen die Forschungsaktivitäten ausgeweitet und Schnittstellen zur Lehre geschaffen werden sollen. Neben dem Forschungscenter CAIRO wird ab dem nächsten Jahr auch ein Masterstudiengang in Künstliche Intelligenz durch die Fakultät Informatik und Wirtschaftsinformatik angeboten. In dem Studiengang erfahren Studierende alles Wichtige zu Themen wie Neuronale Netze sowie Bild- und Spracherkennung.

Für den personellen Aufbau der Center haben die Hochschulen vom Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst mehrere Professuren zugesprochen bekommen.

Prof. Dr. Robert Grebner, Präsident der FHWS, sieht die Förderung als Zukunftsinvestition und betont die strategische Bedeutung: „Mit den Hochschulen werden Institutionen gefördert, die KI-Wissen generieren und multiplizieren. So kann die Entwicklung rasant beschleunigt und das KI-Wissen auf schnellem Weg in die Unternehmen gebracht werden.“

Dieser Artikel beruht auf Pressemitteilungen der Universität Würzburg und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt.

- ANZEIGE -