Die Posthallen am Hauptbahnhof Würzburg – Foto: Pascal Höfig
Die Posthallen am Hauptbahnhof Würzburg – Foto: Pascal Höfig

„Posthalle retten!“ – Abgeordnete kämpfen für Zukunft der Kultureinrichtung

Die Posthalle ist in Würzburg und der Region die einzige Spielstätte für Veranstaltungen von 200 bis 3.000 Personen. Doch durch die Corona-Pandemie musste auch die Posthalle ihr Programm komplett stoppen. Seit dem 13. März ruht der Betrieb. Veranstaltungen dürfen aufgrund der Anordnungen der Staatsregierung nicht stattfinden. In welcher Form das Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August Auswirkungen auf Spielstätten wie die Posthalle hat, ist bisher nicht näher definiert worden.

„Wir rechnen nicht vor Herbst oder Winter mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebes und auch das ist noch nicht absehbar. Im worst case rechnen wir mit einer Öffnung nicht vor 2021“, so Geschäftsführer Jojo Schulz, „und das bei weiterlaufenden Kosten.“ Damit stehen der Erhalt und damit die Zukunft des Kultur- und Veranstaltungsangebotes der Posthalle am Bahnhof derzeit auf der Kippe.

Besondere Bedeutung für Unterfranken

Wegen der besonderen Bedeutung der Posthalle für ganz Unterfranken, fordern jetzt die Landtagsabgeordneten Patrick Friedl (Grüne) und Volkmar Halbleib (SPD) im politischen Schulterschluss gezielte staatliche Hilfen, um das einmalige Kulturhallen-Konzept zu retten. „Jetzt ist der Freistaat gefordert, soll nicht ein wichtiger Teil der populären Kultur in unserer Region einen dauerhaften Schaden erleiden“, zeigen sich Friedl und Halbleib überzeugt in einer Pressemitteilung.

Zusätzliche Überbrückungshilfe gefordert

In separaten Schreiben an Bayerns Kunstminister Bernd Sibler und an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fordern die Abgeordneten eine zusätzliche Überbrückungshilfe des Freistaates für Kulturveranstalter, insbesondere die Posthalle, um dauerhafte Schließungen abzuwenden, heißt es. „Die bisher beschlossenen Unterstützungen durch Soforthilfe, Krediterleichterungen, Kurzarbeit und steuerliche Maßnahmen wie die Reduzierung der Mehrwertsteuer für Speisen reichen nicht, soll Kulturveranstaltern wie der Posthalle wirksam geholfen werden“, betonen Halbleib und Friedl in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Konzert. Symbolfoto: Pascal Höfig

Konzert. Symbolfoto: Pascal Höfig

Unterstützungsprogramme greifen nicht

Leider, so die Abgeordneten, rutsche die Posthalle mit ihrem besonderen Zuschnitt und ihrer Größe derzeit durch alle weitergehenden staatlichen Unterstützungsprogramme. So greife die Ende April beschlossene finanzielle Unterstützung von „staatlich geförderten nicht staatlichen Kunst- und Kultureinrichtungen“ nicht, weil die Posthallen-Betreiber in Würzburg bisher ihr Angebot ohne staatliche Unterstützung gestemmt hätten. Neuer Ansatzpunkt sei die am vergangenen Donnerstag verkündete zusätzliche Unterstützung für Kulturstätten.

Musikspielstätte und Konzertveranstalter

Nachdem die Posthallen-GmbH sowohl die Eigenschaften einer Musikspielstätte wie eines Konzertveranstalters in sich vereine, setzen Halbleib und Friedl bei den konkreten Hilfen des Freistaates nicht nur auf den Verantwortungsbereich des Wissenschaftsministeriums, sondern auch den des Wirtschaftsministeriums, „schließlich liegen Kultur- und Kreativwirtschaft hier nah beieinander“. Aus dem Kunstministerium war auf Nachfrage zu erfahren, dass „die Kriterien zum Spielstätten-Programm derzeit noch ausgearbeitet werden, weswegen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließende Auskunft möglich“ sei, so Friedl und Halbleib.

Größe soll nicht ausschlaggebend sein

Nach den Einschätzungen des Branchenverbandes seien hierzu mindestens zehn Prozent des Umsatzausfalls bzw. des Vorjahresumsatzes erforderlich, so Halbleib und Friedl übereinstimmend. Die beiden Landtagsabgeordneten sehen aber nicht nur den Freistaat Bayern, sondern auch den Bund gefordert, wo derzeit an einem Hilfsprogramm gearbeitet werden. Wichtig sei aber, dass bei diesem geplanten Förderprogramm für Musikspielstätten die Größe der Posthalle mit einem Fassungsvermögen von 3.000 Personen nicht als Ausschlusskriterium festgelegt werde. Denn tatsächlich liege bei rund 90 Prozent der Veranstaltungen die Zahl der Gäste unter 1.000.

Lösung der Standortfrage

Um eine zukunftsfähige Lösung für die Posthalle als zentralen Kulturort der Region zu finden, wollen die beiden Abgeordneten die Forderung nach aktuellen Hilfen mit einer Perspektive auf eine Posthalle 2.0 verbunden sehen, heißt es weiter.

Post-Areal: Bauentwurf für Bismarckquartier

Da unsicher sei, ob der Pachtvertrag zur Posthalle über das derzeitige Ende im März 2023 von den Eigentümern verlängert werde, sollte bereits jetzt die Ermöglichung einer neuen Kultur- und Musikspielstätte in Würzburg in Angriff genommen werden. „Die Lösung der langfristigen Standortfrage würde dabei helfen, die kurzfristigen aktuellen Probleme durch die Corona-Krise besser abfedern zu können“, so Friedl und Halbleib.

Breites Bündnis von Unterstützern

Bis Dezember 2019 wurden über 21.000 Unterschriften im Rahmen der Petition „Egal wo! Hauptsache Posthalle retten!“ gesammelt, der Stadtrat bewilligte einstimmig gemeinsam mit den Verantwortlichen der Posthalle eine Standortanalyse zu erstellen. Aber auch diese liegt augenblicklich auf Eis.

Crowdfunding gestartet

Um finanziell Abhilfe zu schaffen wurde vom Förderverein der Posthalle eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen. Alle Einnahmen sollen dem Kulturprogramm der Posthalle zugutekommen und den Spielbetrieb absichern.

Posthalle Support-Ticket

Weiterhin erhältlich bleibt zudem für Unterstützerinnen und Unterstützer das „Posthallen Support-Ticket“. Das Ticket bietet die Möglichkeit, einen symbolischen Beitrag zwischen 10 € und 30 € zu leisten. Ein erstes Fazit fällt sehr positiv aus, es kamen bisher über 3.400, – € zusammen. Aufgrund der Coronakrise werden aktuell mit Umsatzeinbußen der Posthalle in Höhe von rund 2 Millionen Euro gerechnet, so die Posthallen-GmbH.

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