Der Herreanzug: Heutzutage in vielen Branchen als Geschäftskleidung nicht mehr wegzudenken. Symbolbild: Jessica Hänse
Der Herreanzug: Heutzutage in vielen Branchen als Geschäftskleidung nicht mehr wegzudenken. Symbolbild: Jessica Hänse

Herrenanzug – Kleidungsstück mit Geschichte

Was wäre die Männergarderobe ohne einen Anzug? Als Klassiker der formalen Kleidungsstücke macht er sich nicht nur auf Hochzeiten gut. In vielen Branchen sind Anzüge ein unverzichtbarer Bestandteil der Geschäftskleidung. Wie haben sie es so weit gebracht und wann wurde der Anzug überhaupt erfunden? Eine Stilgeschichte.

Der Anzug von heute: Vielfalt ohne Ende

Slim oder Regular Fit? Einreiher oder Dreireiher? Lässiger oder formeller Stil? Heutzutage gibt es Anzüge in vielfältigen Formen und Farben. Ob für Geschäftsevents, Hochzeiten oder Dates: Für jeden Anlass findet sich ein passendes Modell. Kombinieren dürfen Männer ihre Anzüge immer freier. Mittlerweile sind sogar Turnschuhe zu dem Kleidungsstück erlaubt. Das war nicht immer so: Lange Zeit durfte nicht jeder überhaupt Anzüge tragen. Auf seinem Weg zur heutigen Offenheit hat der Anzug zahlreiche Stationen zurückgelegt. Als wichtigste gelten:

  • die Prunkzeit im Rokoko
  • die Dandy-Periode
  • die Zeit der Zurückhaltung während der industriellen Revolution
  • die Aufschwungzeit seit den 1920er-Jahren

Wie König Ludwig XIV. Anzuggeschichte schrieb

Das Barock- und Rokokozeitalter war von Prunk und gesellschaftlicher Hierarchie geprägt. Auffällige Kleidung wurde zum Statussymbol der Adeligen. Kein Wunder, dass Anzüge bis heute als Schlüssel zum Erfolg bezeichnet werden. Mit pompösen Westen und ausgestellten Hemden unter prunkvollen Gewändern betonte man Erfolge schon im Rokoko. Die an den Knien zusammengeraffte Culotte wurde zum Vorgänger der Anzughose. Im 18. Jahrhundert etablierte sich schließlich der sogenannte Justaucorps. Ein prachtvolles Gewand, welches der damals stilprägende König Ludwig XIV. in den prunkvollsten Formen trug.

Beau Brummell – das Intermezzo eines Dandys

Anfang des 19. Jahrhunderts entstand der berühmte Dandy-Stil, dessen wichtigsten Bestandteile neben eleganter Kleidung makellose Manieren sind. Britische Schneider inspirierten die Sportgarderobe adeliger Engländer mit dem Stil. Beau Brummell wurde zum Vorreiter und gilt als erster Dandy der Geschichte. Zur Anfertigung figurbetonter Herrenkleidung trug er maßgeblich bei. Die körpernahe V-Silhouette des englischen Reitkostüms wurde durch ihn salonfähig. Englische Anzugvorreiter: Im englischen Landadel trug man zu Pferderennen und Jagdaktivitäten bereits im 17. Jahrhundert Reitanzüge. Damals galt übrigens jede einheitlich getragene Kleidung als Anzug – so auch die militärische Uniform.

Wie die industrielle Revolution den Anzug beeinflusste

Mit der industriellen Revolution bürgerten sich im 18. Jahrhundert geschäftstüchtige Zweckanzüge in gedeckten Farben ein. In Frankreich schaffte das Bürgertum nach dem Sturz der Monarchie die ursprüngliche Kleiderordnung ab. Der Stil der Adelskleidung verlor daraufhin an Prunk. Geraffte Kniebundhosen wichen langen Röhrenhosen, welche zu Jacketts und Westen getragen wurden. Männer richteten den Fokus auf die Arbeit. Fracks, Hosen und Hosenträger sowie schwarze Zylinder prägten ihre Kleidung, während die Kleidungsstücke ihrer Frauen in den Vordergrund traten.

Großer Aufschwung dank industrieller Fertigung

Bis in die 1920er-Jahre wurden Anzüge ausschließlich maßgeschneidert. Erst die neuen Werbemöglichkeiten verhalfen dem Anzug zu steigender Nachfrage, welche schließlich die Massenherstellung in Standardgröße bedingte. Die ersten Massenmodelle zeichneten sich durch weite Schulterpartien, Nadelstreifen-Look und hohe Taillierung aus. Mitte des 20. Jahrhunderts entstand der Dreiteiler und in den 1980ern übernahm der Anzug den Oversize-Look. Weite Hosen und Jacketts mit Schulterpolstern setzten sich durch. Mit der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft entwickelten sich in den Folgejahren die unterschiedlichsten Trends und Anzug-Schnitte.

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