Symbolfoto Universität am Hubland. Foto: Pascal Höfig
Symbolfoto Universität am Hubland. Foto: Pascal Höfig

„Nichtsemester“ an Hochschulen gefordert

Wird das Sommersemester 2020 ein sogenanntes „Nichtsemester“? Das fordern nun Professoren: Berichten des Deutschlandfunk nach setzen sich nun bundesweit hunderte Mitarbeiter aus Forschung und Lehre dafür ein, das Sommersemester nicht zu werten. Nachteile für Studierende, die keine Studienleistungen erbringen können, sollen so vorgebeugt werden.

Semester formal nicht gelten lassen

In einem offenen Brief sprechen sich Professoren der LMU München, der Universität Trier und der Leibniz Universität Hannover dafür aus, das Sommersemester formal nicht gelten zu lassen.“Wenn wir als Lehrende konstruktiv und im Sinne der Studierenden agieren wollen, kann es nicht darum gehen, so schnell wie möglich den Status quo des herkömmlichen Lehr- und Prüfungssystems online wiederherzustellen.“, heißt es im Brief.

Das Sommersemester soll damit nicht ausfallen, eher geht es darum, dass Studenten, die vereinzelt keine Leistung erbringen können, einen Nachteil daraus ziehen. So ist es beispielsweise bei Studiengängen der Fall, die auf Laborzeiten angewiesen sind, aber auch Bafög- und Regelstudienauflagen sind davon betroffen. „Das Sommersemester sollte deshalb mit deutlich veränderten Lehrformaten und unter Aussetzung strenger Deputatsberechnungen stattfinden.“, heißt es.

Erhöhter organisatorischer & kommunikativer Aufwand

Doch warum sollten bereits jetzt Nachteile entstehen, wenn das Semester doch erst beginnt? Zum einen sind Prüfungsleistungen vom Wintersemester noch nicht abgeschlossen und können aufgrund der geschlossenen Bibliotheken auch noch nicht abgeschlossen werden, heißt es. Der organisatorische & kommunikative Aufwand sei bei einer Verlagerung der Inhalte von Präsenzlehre auf Internetplattformen ebenfalls sehr hoch. „Weder Lehrende noch Studierende sind in den meisten Fällen mit den Methoden und Tools des E-Learning hinreichend vertraut. Präsenzlehre lässt sich nicht umstandslos ins Internet verlagern.“

Die technische Infrastruktur mache es außerdem schwachen Studenten nicht leicht „Universitäts- und weitere einschlägige Bibliotheken sind geschlossen, Computerpools unzugänglich, Laptopverleih durch die Rechenzentren nicht länger möglich, Internetzugang durch die Hochschulen (und im öffentlichen Raum) unmöglich oder stark eingeschränkt, Räumlichkeiten nicht betretbar. “ Allein der Zustand an Schulen, so z.B. durch Online-Plattformen wie „Mebis“, zeigen, wie überfordert das System sei.

Neue Organisation

Auch müssen sich Verwaltung und Studenten neu sortieren „Viele Studierende haben ihre Jobs verloren, auf die sie jedoch angewiesen sind. Alternativen (z.B. Erntehilfe, Fahrdienste, Supermarkt-Logistik) sind zeitaufwändig und schlecht bezahlt.“Auch Kinderbetreuung müsse neu organisiert werden und zusätzlich zum Unialltag gestemmt werden, heißt es. „Die solidarische Bewältigung der COVID-19-Pandemie hat oberste Priorität. Ein Semester kann warten.“ Unterzeichnet haben diesen offenen Brief bereits fast 1400 Mitarbeiter verschiedenster Universitäten und Hochschulen in Deutschland.

So auch die Uni Würzburg, die sich in einem offenen Brief am Freitagmittag für faire Bedingungen aussprechen. Die Mitarbeiter fordern hierbei unter anderem eine Erhöhung der Regelstudienzeit, eine Aufrechterhaltung der Bafög-Zahlungen und auch eine finanzielle Unterstützung der Studentenwerke.

Digitale Forschung & Lehre an der JMU

Die Julius-Maximilians-Universität in Würzburg gibt bereits Tipps, wie trotz eingeschränkter Veranstaltungsmöglichkeiten Lehre und Forschung angeboten werden können. Das Rechenzentrum stellt hierbei Dienste zur Verfügung wie die eLearning-Plattform „WueCampus“, Videokonferenzen und „WueTeams“ für die digitale Zusammenarbeit. Außerdem geben es auch die Möglichkeit für „Lehrvideos“ – ein Selbstlernkurs ist ebenfalls auf der Website zu finden. Sollte Veranstaltungen entfallen oder verschoben werden, können Studierende dies bei „WueStudy“ eingesehen werden.

FHWS im Home Office

„Bedingt durch die COVID-19-Pandemie werden die Laptops nicht in der Hochschule aufgeklappt, sondern im Home-Office.“, so eine Pressemitteilung der FHWS. Auch hier gibt es viele digitale Alternativen im Angebot „Das Angebot von Online-Lehrveranstaltungen und virtuellen Angeboten steigt von Tag zu Tag, Kreativität ist überall gefragt.“ Im Angebot sind z.B. z.B. die „Angewandte Ethik: Werteorientierte Argumentation“, die „ERP-Systeme in der digitalen Transformation“ oder Fach-Englisch. Über die Bibliothek lassen sich auch Trainings-Software ausleihen. Die Zeit bis zum 20. April soll hierbei als Vorbereitungszeit genutzt werden, man solle sich aber darauf einstellen, dass Samstage und die freien Tage um Pfingsten als Vorlesungstage genutzt werden können, heißt es weiter. Das Ende der Vorlesungszeit für das Sommersemester 2020 wird der 17. Juli sein.

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