Coronavirus. Symbolfoto: Katharina Kraus
Coronavirus. Symbolfoto: Katharina Kraus

Corona: Fragen & Antworten rund um SARS-CoV-2

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat sich zur einer Pandemie entwickelt: Auch in Bayern wurden verschärfte Maßnahmen verhängt, zuletzt die Ausgangsbeschränkungen im Freistaat. Doch wie ist das mit den Symptomen und wie lange überleben die Viren z.B. auf einer Türklinke? Ein Virologieprofessor beantwortet Fragen rund um den Coronavirus: Professor Lars Dölken, Jahrgang 1977, leitet seit 2015 den Lehrstuhl für Virologie der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg. Für seine Forschung wurde er unter anderem 2017 mit einem Preis des Europäischen Forschungsrats ausgezeichnet: Dieser ERC Consolidator Grant ist mit zwei Millionen Euro dotiert.

Ignorieren der Maßnahmen ein Problem

Kann ein Mensch eine Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 durchleben, ohne irgendwelche Symptome zu haben, ohne etwas davon zu merken?

Lars Dölken: Grundsätzlich ja. Dies kann ohne weiteres auch zu Infektionen bei nahen Kontaktpersonen führen. Solche Personen sind zwar sicherlich deutlich weniger infektiös als Menschen, die gerade heftig niesen und schnupfen. Allerdings halten andere Menschen von solchen Personen natürlich auch deutlich geringeren Abstand. Das gleicht die Infektiösitätsunterschiede wieder aus.

Ich habe in den letzten Wochen immer wieder gehört: „Ich bin zwar ein bisschen erkältet, aber nicht allzu schlimm. Also kein Problem.“ Genau dieses Denken bei den Betroffenen stellt das Problem dar. Mindestens 85 % aller Infektionen mit Covid-19 verlaufen so. Insbesondere bei jungen Leuten. Das ist das perfide an diesem Virus. Es ist gerade nicht gefährlich genug für die breite Masse, um ernst genommen zu werden, aber mehr als ausreichend gefährlich, um eine Flut von Leichen hinter sich zu lassen, wenn wir nichts unternehmen.

Das Problem sind also nicht diejenigen, die gar keine Symptome haben und trotzdem infektiös sind, sondern diejenigen, die wissen, dass sie ein bisschen krank sind, aber einfachste Vorsichtsmaßnahmen ignorieren. Jeder sollte daher bei seinem Verhalten an seine älteren Verwandten denken. Sie zahlen die Zeche dafür, wenn wir uns falsch verhalten.

Für einige Jahre immun

Ist der Mensch nach einer überstandenen Infektion immun gegen das Virus? Oder kann er sich mehrere Male hintereinander infizieren?

Lars Dölken: Wie bei den allermeisten Viren, so hinterlässt auch eine Infektion mit Covid-19 eine gute Immunität. Das sehen wir jetzt schon klar in China. Wenn man nicht gerade zu dem sehr kleinen Personenkreis gehört, der immunsupprimiert ist, kann man sicher davon ausgehen, dass man nach durchgemachter Infektion für einige Jahre immun gegen das Virus ist.

Das ist eigentlich bei allen Viren so, die eine sogenannte „Hit&Run“-Strategie verfolgen, die also schon wieder weg sind, wenn das körpereigene Immunsystem gerade so richtig loslegt. Die Infektion hinterlässt dann einen soliden Schutz. So werden z.B. bei Ebola Personen nach ausgeheilter Infektion gezielt zur Behandlung Ebola-infizierter Patienten eingesetzt. Im Wissen um die eigene Immunität können sie sich viel sicherer, besser und stressfreier um die Patienten kümmern.

Durch Türklinke infizierbar

Influenzaviren und Grippe-Erkrankungen verschwinden, wenn es im Frühling sonniger und wärmer wird. Warum ist das so? Rechnen Sie damit, dass es sich auch mit dem neuen Virus so verhält?

Lars Dölken: Das liegt an Umgebungsparametern wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Beim Niesen und Husten, aber auch beim einfachen Sprechen, werden kleine Flüssigkeitströpfchen in die Luft geblasen, durch die diese Viren übertragen werden. Diese Tropfen trocknen je nach Umgebungseinflüssen mehr oder weniger schnell aus. Die Viren verlieren dabei ihre Infektiösität.

Das Gleiche gilt auch für Viren auf Oberflächen, wie z.B. Türklinken. Wenn man sich die jahreszeitliche Verteilung der bisher beim Menschen beobachteten vier (harmlosen) Coronaviren anschaut, so zeigen alle vier eine ausgeprägte Saisonalität. Es ist daher davon auszugehen, dass die gleichen Umweltfaktoren auch auf Covid-19 wirken. Nach Pfingsten nehmen Infektionen mit diesen Viren immer substantiell ab, ab Oktober geht es wieder los. Während klar ist, dass das Covid-19-Problem im Juni nicht plötzlich verschwinden wird, so wird dies doch sicherlich die getroffenen Maßnahmen entscheidend unterstützen.

Wie lange kann das neue Virus auf Türklinken oder anderen Oberflächen überleben und infektiös bleiben?

Lars Dölken: Diese Art die Infektion wird zwar in den Medien immer wieder ausführlich diskutiert, sie spielt aber epidemiologisch keine große Rolle. Wenn jemand gerade frisch hustet und schnupft, und dann eine Tür anfasst, können Sie sich natürlich an dieser Türklinke problemlos wahrscheinlich auch ein paar Stunden später noch infizieren. Wichtig dabei ist aber, dass das Virus keinesfalls die Haut an ihrer Hand durchdringen kann! Sie müssen die Viren schon mit ihrer Hand in ihr Gesicht bringen, wo die Viren dann über Mund und Nase in ihren Körper eindringen. Nur dort können sie Zellen infizieren. Sie können also jede Türklinke problemlos anfassen, wenn Sie sich dessen bewusst sind und ihre Hände waschen, bevor Sie sich unbewusst ins Gesicht fassen. Dann ist egal, wie lange die Viren an der Türklinke infektiös sind.

Testung bei direkter Patientenversorgung & Schlüsselpositionen

Wer sollte sich testen lassen?

Lars Dölken: Wer nur leicht krank ist, sollte sich zu Hause in eigene Quarantäne begeben und sich ganz einfach so verhalten als, ob er/sie Covid-19 hätte, d.h. Kontakt zu anderen Personen bestmöglich vermeiden. Eine Testung auf das Virus ist dann zumeist nicht erforderlich und die Infektion wird aller Voraussicht nach problemfrei ausheilen.

Grundsätzlich sollte man dabei aber unbedingt seinen Arbeitgeber über die Symptome am besten direkt telefonisch noch am gleichen Tag unterrichten. Bei Personen, die in der direkten Patientenversorgung oder Schlüsselpositionen arbeiten, kann dies z.B. dazu führen, dass man dies doch lieber auf das Virus testet, um ein Einbrechen des Virus in versorgungsrelevante Bereich unter allen Umständen zu verhindern.

Probendurchsatz erheblich erhöht

In der Diagnostikabteilung des JMU-Instituts für Virologie werden Tests auf das neue Coronavirus SARS-CoV-2 durchgeführt. Wie viele davon sind positiv? Stimmt es, dass die verfügbaren Testverfahren relativ unzuverlässig sind?

Lars Dölken: Derzeit werden bei uns am Institut in der Tat etwa 500 Proben auf Covid-19 untersucht. Dabei hatten wir vor zwei Wochen noch 1-2% positive, seit letzter Woche grob 5% und vor Kurzem zum ersten Mal 11% positive Proben. Wir werden sehen, wie sich die Zahlen in den nächsten Tagen entwickeln. Grundsätzlich sind die Tests sehr zuverlässig. Auch wenn es sicherlich falsch negative Tests gibt, so spricht ein negativer Test doch zumindest für eine geringe bis sehr geringe Infektiösität der entsprechenden Person. Unsere Tests sind also nicht falsch negativ, weil sie schlecht sind, sondern weil in der Probe einfach dann jeweils sehr wenige Viren sind.

Ich möchte an dieser Stelle aber noch einmal betonen, dass ein negatives Testergebnis nur bei akut bestehender Infektionssymptomatik aussagekräftig ist und dann dafür spricht, dass irgendein anderes Virus (oder Bakterium) für die Symptome verantwortlich ist. Nach einem Kontakt kann es bis zu 14 Tage dauern (meist 5-6 Tage), bis die Infektion bei einem selbst losgeht. Unsere Tests werden frühestens 1-2 Tage vor Symptombeginn positiv (parallel dazu wird die Person auch infektiös).

Virologieprofessor Dr. Lars Dölken. Foto: privat

Virologieprofessor Dr. Lars Dölken. Foto: privat

Nach einem negativen Test an Tag 7 nach Kontakt kann man aber problemlos an Tag 8 symptomatisch erkranken. Daher macht das Testen von symptomlosen Personen nur in ganz speziellen Ausnahmesituation zum Schutz von Kontaktpersonen (z.B. bei medizinischem Personal nach Kontakt in der Notaufnahme) Sinn. Zumeist geht es darum, dass wichtiges Personal auch nach möglichem Covid-19 Kontakt noch arbeiten kann.

Ein riesiges Lob möchte ich an dieser Stelle an alle Mitarbeiter unserer virologischen Diagnostik am Institut für Virologie und Immunbiologie in Würzburg richten. Sie haben es innerhalb von 2 Wochen geschafft, unseren Probendurchsatz von jährlich 40.000 Proben auf ein Level zu bringen, das fast 200.000 Proben pro Jahr entspricht. Diese Einsatz- und Leistungsbereitschaft hat inzwischen in Würzburg und Umgebung die Infektion von hunderten von Menschen verhindert. Außerdem senken die inzwischen mehr als 5.000 negativen Testergebnisse die Angst der Betroffen sowie des medizinischen Personals, welches diese Patienten betreut, ganz erheblich. Nur so war es den Gesundheitsämtern möglich, Infektionsherde zu erkennen, einzugrenzen und unter Kontrolle zu bekommen.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Julius-Maximilian-Universität Würzburg.

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